„Die spontane Geburt meines Babys aus Beckendlage war wunderschön!“

„Ich bin Lara, 29 Jahre alt und Mutter des 14 Monate alten Tamme. Tamme wie Tamme Hanken, der friesische Knochenbrecher, sausympathischer Kerl, ihr wisst schon. Tamme habe ich mir letztes Jahr selbst zum Geburtstag geschenkt. Ich bin Jahrgang 91 und er 19, ihr könnt euch also vorstellen, wie ich ins Schleudern komme, wenn ich irgendwo was ausfüllen muss! ?

So weit, so witzig: Die zweite Besonderheit war, dass er unbedingt mit dem Po zuerst das Licht der Welt erblicken wollte. Tamme war von Anfang an eine Beckenendlage. In der 20. Woche war ich bei dieser Nachricht noch tiefenentspannt, der dreht sich schon noch, alles ganz normal. Es vergingen Wochen und bald auch Monate. Bei jedem Ultraschall wartete ich gespannt, ob er nun den heiß herbeigesehnten Purzelbaum vollzogen hätte. Doch je näher der Geburtstermin rückte, desto mehr machten sich Zweifel breit.

Dieser kleine Dickkopf!

Das kann doch nicht wahr sein, dachte ich mir. Ich setzte Gott und die Welt in Bewegung, damit sich dieses Kind dreht: Turnübungen auf der heimischen Couch, Saltos unter Wasser im Freibad, Glöckchen an die Hüfte binden – ich ließ nichts aus. Eine befreundete Hebamme moxte mich einige Wochen vor der Geburt. Dabei wird eine Art Zigarre aus Kräutern angezündet und dann abwechselnd ganz dicht an deinen linken und rechten kleinen Zeh gehalten, das Ganze im Vierfüßlerstand. Schwanger, sehr schwanger.

Ihr habt Bilder im Kopf? Bitte, gern geschehen!

So manche Babys soll das schon animiert haben, sich zu drehen, aber Tamme blieb stur. Es half alles nichts.

Allmählich dämmerte mir, dass der Kleine womöglich Ernst macht.

Wir erkundigten uns nach einer sogenannten äußeren Wendung. Dabei versucht ein Arzt mit gekonnten Handgriffen von außen das Baby im Bauch zu drehen. Klingt unangenehm, aber wenn’s hilft… Doch dieser Zahn wurde uns beim Vorgespräch im Krankenhaus gezogen. Nach so einem Wendeversuch wird dort die Geburt eingeleitet, weil dabei die Plazenta verletzt werden könnte. Das ging mir alles viel zu schnell. Denn die äußere Wendung musste vor Ende der 37. Woche passieren, sonst ist das Baby zu groß. Ich war noch nicht soweit und hielt mich an der Hoffnung fest, dass sich Tamme womöglich doch noch von alleine drehen würde.

Dann kam es, wie es kommen musste: Mein Frauenarzt riet mir zu einem geplanten Kaiserschnitt. An dieser Stelle ziehe ich meinen Hut sehr tief vor all den Frauen, die das mit oder ohne Wimpernzucken hinbekommen haben oder mussten. Für mich ist die Vorstellung wach und unbeweglich auf einem OP Tisch zu liegen, während jemand – und sei er oder sie noch so erfahren – meinen Bauch aufschneidet, der Stoff, aus dem meine Albträume sind.

Ein Hoch auf meine Hebamme!

Meine Hebamme hat nämlich selber schon eine Beckenendlage spontan entbunden und machte mir Mut, dass das alles gar nicht so ein Drama sei, wie mir die meisten weißmachen wollten. Mein großes Glück war, dass unser Krankenhaus auf genau solche Geburten spezialisiert ist. Dort kam dann zum Glück eine weitere Frau ins Spiel, die mir Mut machte: Meine persönliche Heldin war eine Ärztin, die gefühlt den lieben langen Tag nichts Anderes macht, als Baby Popos auf die Welt zu bringen. Sie war meine Freikarte aus dem OP.

Ich bekam einen Termin zum Ultraschall und dann einen, um die Geburt einzuleiten, bevor das Baby zu riesig wird. Bei solchen Geburten wird nichts dem Zufall überlassen. Fünf Tage vor dem errechneten Termin kamen wir – mein Mann, meine Mama und ich – voller Aufregung im Krankenhaus an. Nachdem alles erledigt war, harrten wir der Dinge, die da kommen sollten.

Und es passierte… nichts.

Nach einer ziemlich unruhigen Nacht wurde ich erstmal nach Hause geschickt. Meine persönliche Popo-Heldin hatte für heute Feierabend und sollte am nächsten Morgen wiederkommen, ich also auch. Nachdem ich zuhause eine Mütze Schlaf nachgeholt hatte, bin ich abends dann mit meiner ebenfalls hochschwangeren Freundin in ein Lokal zum Klassentreffen gefahren. Warum auch nicht. Wenn schon kein Baby heute, dann wenigstens ein entspannter Abend mit netten Leuten. Und dort passierte es. Zwischen Häppchen und alkoholfreiem Bier platze meine Fruchtblase.

Alles klar, gut dann geht‘s halt jetzt los!

Bei einer Beckenendlage soll Frau sich in so einem Fall möglichst hinlegen und einen Krankenwagen zur Abholung ordern. Der Grund dafür ist relativ einfach und mal wieder sehr bildlich: Liegt der Kopf des Kindes unten im Becken und die Fruchtblase platzt, funktioniert dieser Kopf ganz prima als Korken. Super Sache! Fruchtwasser bleibt drinnen und Mutti kann ganz entspannt die letzten Sachen packen. Bei einem Po funktioniert diese Korkensache nicht so gut. Und damit das Baby nicht auf einmal wie ein Fisch auf dem Trockenen liegt, muss Mutti liegen. Auf dem Weg ins Krankenhaus hatte ich gute Laune, endlich ist es so weit! Ja klar, Schiss hatte ich auch – aber die Vorfreude auf den kleinen Mann siegte.

Dort angekommen lief die Sache dann überraschenderweise relativ ähnlich einer normalen Geburt ab. Soweit ich das beurteilen kann, hab ja keinen Vergleich bis jetzt. Es gab die üblichen Verdächtigen: Wehen, ist ja klar ?, noch mehr Wehen, einen Spaziergang, einen Schmerztropf – oh du wunderbares Zeug – und nach kurzer Überlegung doch keine PDA, wie gedacht. Die hätte nämlich die Geburt ins Stocken bringen können und dann wäre dieser blöde OP-Saal doch wieder ins Spiel gekommen.

Da denkst du, du hast alles hinter dir und dann das.

Es lief alles nach Plan: Der Muttermund wurde größer, die Schmerzen auch. Babys Herz tat, was es eben tun sollte und morgens um 5:00 Uhr kam sie endlich wieder – meine persönliche Heldin, die erfahrene Ärztin. Als sie in der Tür stand, war klar, sie ist hier, weil es jetzt los geht. Nach dem Wehentropf und einem Dammschnitt, den man während einer Wehe echt nicht mitbekommt, war um 6:11 Uhr mein Popo-Baby auf der Welt. Alles hatte reibungslos geklappt. Mama gesund, Baby gesund, Oma und Mann fertig mit der Welt, aber gesund, OP-Team in meinem Fall nutzlos, aber auch gesund. Einzig das Nähen des Schnittes, so ehrlich muss ich sein, war einfach nur furchtbar. Da denkst du, du hast alles hinter dir und dann das.

Laras Tamme bevorzugte eine Beckenendlage.

Laras Tamme bevorzugte eine Beckenendlage. Foto: privat

Die Menschen, die mich in dieser Nacht begleitet haben, waren allesamt wunderbar. Ich habe mich gut aufgehoben gefühlt und konnte mich deshalb in die fähigen Hände dieser tollen Frauen fallen lassen. Meine Mutter und mein Mann waren mir Stütze, wo immer es ging. Ohne sie hätte ich das nicht so gut hinbekommen. Ich würde alles noch einmal genauso machen. Nur mit weniger Sorgen und Angst im Vorfeld.

Eine Beckenendlage ist etwas Besonderes, keine Frage.

Und es ist vollkommen OK, dann einen Kaiserschnitt zu machen. Es ist aber genauso OK, spontan zu entbinden. Es bedarf ein wenig mehr Planung und eines Entbindungsteams, das weiß, was es da tut, aber es ist möglich. Ich hätte mich im Vorfeld über so einen Bericht nicht nur gefreut, er hätte mich auch immens beruhigt. Es gibt eine Handvoll davon und trotzdem habe ich mich so sonderlich und unwirklich wie ein Einhorn gefühlt und mich oft gefragt, ob das, was ich vorhabe, so in Ordnung ist oder mir das alles um die Ohren fliegt.

Also hier, Bitteschön! ? Ich wünsche allen werdenden Mamas gutes Gelingen, egal ob vorwärts oder rückwärts, wobei ich nun für rückwärts eine ganz besondere Schwäche habe.“

Liebe Lara, vielen Dank, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast. Wir wünschen dir uns deiner Familie alles Liebe für eure Zukunft!

WIR FREUEN UNS AUF DEINE GESCHICHTE!
Hast Du etwas Ähnliches erlebt oder eine ganz andere Geschichte, die Du mit uns und vielen anderen Mamas teilen magst? Dann melde Dich gern! Ganz egal, ob Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Mamaleben, besonders schön, ergreifend, traurig, berührend, spannend oder mutmachend – ich freue mich auf Deine Nachricht an lena@echtemamas.de.

Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

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