Die Plazenta essen? Vorsicht, dieser Trend ist gefährlich!

Es ist ein sonderbarer und ziemlich unappetitlicher Trend:

Immer mehr Mamas schwören darauf, nach der Geburt ihres Kindes die Plazenta zu verzehren. Auf YouTube gibt es dazu inzwischen zahlreiche Zubereitungsideen – von gebratener Plazenta über Kuchen bis hin zum Smoothie. Vorsicht, nichts für schwache Nerven:

Wer nicht selbst in die Küche will, kann sich helfen lassen: Stars wie Kim Kardashian oder „X-Men“-Darstellerin January Jones schwören auf sogenannte Plazenta-Kapseln, die sich über diverse Anbieter auf Wunsch aus dem eigenen Mutterkuchen herstellen lassen.

Dessen Einnahme soll sich positiv auf Körper und Psyche auswirken: So hilft er angeblich gegen Wochenbettdepressionen, steigert die Menge der Muttermilch und verleiht generell mehr Kraft und Energie.

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Es gibt jedoch keinerlei wissenschaftliche oder medizinische Untersuchungen, die das beweisen. 

Nun warnten die amerikanischen Centers for Desease Control and Prevention (CDC), eine Behörde des US-Gesundheitsministeriums für die Kontrolle und Vermeidung von Krankheiten, explizit vor dem Konsum der Plazenta, speziell in Form von Plazenta-Kapseln. Auslöser für die Warnung ist ein spezieller Fall, bei dem ein Säugling mit einer Streptokokken Infektion in die Intensivstation eingewiesen werden musste.

Das Baby war nach einer komplikationslosen Schwangerschaft der gesunden Mutter termingerecht geboren worden. Wenige Tage danach hatte es jedoch ernste Atembeschwerden und wurde daher ins Krankenhaus gebracht. Dort wurde die Infektion mit gefährlichen Bakterien des Typs Streptococcus agalactiae festgestellt und eine Behandlung mit einem Antibiotikum durchgeführt. Nach elf Tagen war der Säugling gesund und durfte wieder nach Hause. Die Ursache für die Infektion konnte jedoch nicht geklärt werden.

Fünf Tage später erkrankte das Baby erneut und wurde in eine andere Klinik eingewiesen. Auch hier wurden gründliche Untersuchungen nach der Ursache durchgeführt, ohne Erfolg. Am dritten Tag der Behandlung wurden die Ärzte vom Krankenhaus, in dem das Baby geboren wurde, darüber informiert, dass die Mutter die Herausgabe der Plazenta eingefordert hatte.

Die Mutter bestätigte dies und sagte, sie habe die Plazenta durch eine Firma in Kapseln umwandeln lassen, von denen sie seit dem dritten Tag nach der Geburt drei Mal täglich zwei Stück einnahm.

Der zuständige Arzt untersagte die Einnahme umgehend und ließ die Kapseln untersuchen. Darin konnte dieselbe Streptokokken-Kultur gefunden werden, die auch das Baby infiziert hatte. Laut der CDC konnten sich die Keime durch den Verzehr der Kapseln in den Organen und auf der Haut der Mutter vermehren und auf diesem Weg das Baby infizieren.

Das Baby erholte sich nach weiterer Gabe von Antibiotikum zwar wieder vollständig, doch der Fall wirft Fragen auf. Wie kann es sein, dass die Plazenta-Kapseln überhaupt Keime enthalten, wo sie doch steril sein müssten?

Die CDC fand heraus, dass die beauftragte Firma für die Herstellung der Kapseln die Plazenta zunächst reinigt, zerkleinert und dehydriert, also vollständig austrocknet. Die Dehydratation findet bei einer Temperatur von ca. 46 bis 71 Grad Celsius statt. Danach wird die Placenta pulverisiert, in Kapseln gefüllt und bei Raumtemperatur gelagert. Ein gesetzlicher Standard gilt für diesen Prozess nicht.

Laut CDC ist jedoch eine Erhitzung bei mindestens 54 Grad Celsius über einen Zeitraum von mindestens 121 Minuten notwendig, um Keime wie beispielsweise Salmonellen unschädlich zu machen. Deshalb vermuten sie, dass die Temperatur bei der Trocknung der Plazenta zu niedrig oder die Dauer der Erhitzung zu kurz war, um alle Keime abzutöten.

Dieser Fall zeigt, dass das Konsumieren der Plazenta, ob als Kapsel oder in anderer Form, im wahrsten Sinne des Wortes mit Vorsicht zu genießen ist.

Zum einen, weil nicht nachprüfbar ist, ob die Plazenta gut verarbeitet und keimfrei gemacht wurde.

Zum anderen, weil keine Mama einwandfreie hygienische Zustände bei Lagerung und Zubereitung der Plazenta garantieren kann – und deshalb eventuell sich und ihr Baby gefährdet.

Anna Moniz

Vor zwei Jahren hat es mich mit meinem Mann und unserer Tochter vom hohen Norden nach Niederbayern verschlagen. Hier arbeite ich als Autorin für Echte Mamas sowie als freie Texterin und PR-Beraterin. Die Turbulenzen des echten Mamalebens halten mich dabei täglich auf Trab und machen mich gleichzeitig zum glücklichsten Menschen aller Zeiten.

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