Kurz vor dem Tod: Ein Junge macht seiner Mama ein letztes Geschenk

Es ist immer die Frage nach dem „Warum“.

Die Amerikanerin Ruth Scully muss gerade mit genau dieser Frage fertig werden: Warum gerade mein Sohn Nolan? Warum musste er diesen seltenen, schlimmen Krebs entwickeln? Wieso musste er sterben?

Dabei fängt alles ganz harmlos an: mit einer verstopften Nase.
Die sich dann verschlimmert und zu Atemnot führt.

Die Ärzte vermuten eine Kieferhöhlenvereiterung und behandeln mit Antibiotika, einem Spezial-Nasenspray und Dampfbefeuchter.

Doch überraschenderweise keine Besserung!

Als auch noch die Nasenpolypen anschwellen, werden diese entfernt. Und die Schock-Diagnose gestellt: Krebs, der das Weichgewebe des Körpers befällt (der Fachbegriff ist Rhabdomysarkom).

Von da an muss der kleine, tapfere Junge wochenlang ins Krankenhaus. Eine Chemotherapie nach der anderen über sich ergehen lassen. Übelkeit, Haarverlust, das ganze schlimme Programm.

Doch er kämpft und kämpft und kämpft.
Versucht, trotzdem sein Lachen nicht zu verlieren.

Bis es nicht mehr geht: Seine Mama Ruth erinnert sich jetzt – zwei Monate nach seinem Tod – auf Facebook schmerzlich an den Moment, an dem sie dem unvermeidlichen Ende ins Auge schauen muss:

„Als seine Onkologin redete, sah ich den Schmerz in ihrem Gesicht. Sie war immer auf unsere Seite, aber das letzte CT zeigte große neue Tumore, die seine Lunge und sein Herz einzwängten, nur vier Wochen nach der Operation am offenen Brustkorb. Der Krebs verbreitete sich wie ein Waldfeuer.“

Da trifft die Mutter die schwerste Entscheidung ihres Lebens: Sie unterschreibt ein sogenanntes „DNR“-Formular. „DNR“ ist englisch und bedeutet „Do Not Resuscitate“, auf Deutsch „Nicht wiederbeleben“.

Der Junge, der Polizist werden wollte, liegt inzwischen auf der Palliativstation. Dahin werden Menschen verlegt, für die Ärzte nichts mehr tun können. Nur noch Schmerzen lindern, die letzten Wochen, Tage, Stunden so angenehm wie möglich gestalten.

Seine Medikamente werden abgesetzt, Nolan schläft viel.

Mama Ruth möchte ihn für den letzten Abend noch mal mit nach Hause nehmen. Doch der Kleine sagt. „Mama, ist schon gut. Lass uns einfach hier bleiben, okay?“

Sie verbringen die letzten Stunden zusammen im Bett. Gegen 21 Uhr springt Ruth kurz unter die Dusche. Als sie zurückkommt, stellt sie fest:

„…stand das ganze Team um ihn herum, schaute zu mir und jeder von ihnen hatte Tränen in den Augen. Seine Atmung war ganz schwer, seine rechte Lunge kollabierte und seine Sauerstoffwerte fielen ab. Ich ranntezu ihm ins Bett und legte meine Hand auf sein Gesicht.

Dann geschah ein Wunder, das ich niemals vergessen werde. Mein Engel holte noch einmal Luft, öffnet seine Augen, lächelt mich an und sagte:

„Ich liebe dich, Mama.“

Ein letztes Geschenk an seine Mutter.

Um 23.54 Uhr schließt Nolan die Augen für immer. Seine Mama singt ihm „You are my sunshine“ ins Ohr.

Warum? Warum er? Es gibt keine Antworten auf diese Frage.

Ein kleiner Trost:Der Tod kommt, aber die Liebe geht niemals. Vor allem die Mutterliebe.

Tamara Müller

Als süddeutsche Frohnatur liebe ich die Wärme, die Berge und Hamburg! Letzteres brachte mich vor fünf Jahren dazu, die Sonne im Herzen zu speichern und den Weg in Richtung kühleren Norden einzuschlagen. Ich liebe die kleinen Dinge im Leben und das Reisen. Und auch wenn ich selbst noch keine Kinder habe, verbringe ich liebend gerne Zeit mit ihnen.

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