„Dein Kind muss an die frische Luft!“ Und wenn es gar nicht will?

„Das Kind muss an die frische Luft“ – das war früher der Lieblingssatz vieler wohlmeinender Tanten.

Wenn ein Kind ihnen blass vorkam, sollte es sich draußen rosige Wange holen. Und wenn es übermütig tobte, sollte es sich dort abreagieren. Dabei war das Kind vielleicht nur wegen einer miesen Erkältung bei Minusgraden so blass. Und eventuell kam es der Tante nur deshalb „wild“ vor, weil sie vergessen hat, wie sehr ein Kind sich freuen kann.

Klar, frische Luft und Bewegung sind wichtig. Kinderärzte empfehlen mindestens eine halbe Stunde am Tag. Aber müssen wir es deshalb an Händen und Füßen vor die Tür schleifen, wenn es einmal gar nicht mag?

Nö! Wahrscheinlich hockt dein Kind gar nicht „dauernd“ in der Stube. Und falls doch, gibt es bessere Methoden als Zwang und bissige Kommentare wie: „Es gibt kein falsches Wetter, sondern nur falsche Kleidung.“

Lasst euer Kind ruhig auch mal in der Stube hocken

Kein Grund zur Panik: Dein Kind wird nicht gleich dick, unsozial oder krank, wenn es mal einen Tag drinnen bleibt. Gerade bei Dauerregen oder eisigen Temperaturen ist es eben nicht allzu verlockend, das warme Zimmer zu verlassen. Es gibt aber auch andere gute Gründe, warum dein Kind lieber mal drinnen bleiben möchte. Vielleicht hatte es in der KitA schon genügend Bewegung und Frischluft. Vielleicht braucht es generell mehr Ruhe und wenige Reize. Dann darf es auch mal eine Auszeit sein — ja, auch mal einen ganzen Tag.

Nur ein Dauerzustand solle es nicht werden. Draußen tankt dein Kind Vitamin D, es stärkt sein Immunsystem und sogar sein Selbstvertrauen. Schließlich muss es auch mal über Hindernisse klettern oder sich gegenüber einem fremden Kind behaupten, das die ganze Rutsche für sich alleine haben will.

Was, wenn das Kind „nie“ rauswill?

Erstmal schauen, ob es wirklich nur drinnen hockt. In der KiTa wird meistens darauf geachtet, dass die Kinder ausreichend Bewegung und frische Luft bekommen. Im Winter kann aber auch schon mal die Bequemlichkeit der Erzieher siegen – zwanzig Kinder in Schneehose zu packen, ist eine Herausforderung. Falls dein Kind eine KiTa besucht, frag einfach mal nach, wie das dort gehandhabt wird. Zur Draußenzeit zählen aber auch schon der Fuß- oder Radweg zur KiTa oder zum Supermarkt. Und Bewegung bekommt es auch auf einem kleinen Bewegungs-Parcours, einem Trampolin oder schlichtem Toben in der Wohnung.

Wenn dein Kind aber tatsächlich dauerhaft nicht nach draußen möchte, hat es vielleicht einen Grund dafür. Reagiert es beinahe ängstlich, wenn es das Haus verlassen soll oder wirkt es in letzter Zeit insgesamt teilnahmslos, hatte es vielleicht ein Angsterlebnis.

Auch ständiges Ermahnen („Du wirst ganz dreckig“) oder ein allzu besorgtes „Vorsicht“ vor jedem Stolperstein können die Entdeckerlaune so trüben, dass dein Kind einfach keinen Spaß mehr an kleinen Outdoor-Abenteuern hat.

Fünf Tipps, die dein Kind sanft aus der Stube locken

  1. Finde erstmal heraus, ob dein Kind wirklich gar nicht nach draußen will – oder nur in diesem Moment noch nicht. Vielleicht malt es gerade ein Bild und möchte das noch in Ruhe zu Ende bringen? Dann geht ihr eben hinterher raus.
  2. Wichtig ist auch, was du deinem Kind vorlebst. Legt zusammen so viele Wege wie möglich zu Fuß zurück. Zeige deinem kleinen Schatz, dass es Freude macht, die Welt zu erkunden und gewähre ihm Freiräume (dreckig machen, sich ausprobieren…).
  3. Schließt einen „Deal“ ab. Du könntest zum Beispiel sagen: „Ich möchte wirklich gerne nach draußen. Komm, lass uns das zehn Minuten ausprobieren. Wenn es dir gar nicht gefällt, lassen wir es eben wieder blieben.“ Oft ist es nämlich so, dass Kinder, die sich gerade noch geweigert haben, rauszugehen, kurz darauf gar nicht mehr reinwollen. Kennt ihr bestimmt auch, oder?
  4. Verlässliche Rituale schaffen – etwa in Form einer Runde um den Block als Abendspaziergang oder des sonntäglichen Ausflugs in den Wald oder den Stadtpark.
  5. Attraktive Ziele wählen: den Lieblingsspielplatz – oder auch mal einen ganz anderen, wenn dein Kind Abwechslung mag. Gibt es andere Orte, die dein Kind liebt ? Gut funktioniert auch ein größerer Umweg – wenn das Ziel eine Eisdiele ist 😉

Jetzt sind wir gespannt: Habt ihr noch andere Tipps, um eure Kinder zu motivieren, an die frische Luft zu gehen? Dann teilt sie gern mit uns – in den Kommentaren!

Jana Stieler

Ich lebe mit Mann und Sohn im Süden Hamburgs – am Rande der Harburger „Berge“ (Süddeutsche mal kurz weghören: Der höchste Punkt misst immerhin sagenhafte 155 Meter ü. M.). Wenn ich nicht gerade einen Text verfasse, liebe ich Outdoor-Abenteuer mit meiner Familie, lange Buch-Badewannen-Sessions mit mir allein und abendliches Serien-Binge-Watching.

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