Das tut weh: „Mama, ich weiß nicht, was ich an dir liebe“

Verbringe ich genügend Zeit mit meinem Kind? Bin ich überhaupt eine gute Mutter, wenn ich es nicht in Vollzeit bin? Viele berufstätige Mamas fechten harte innere Kämpfe bei dem Versuch aus, Job und Elternschaft unter einen für alle passenden Hut zu bringen. Eine von ihnen ist Janice, die auf Scary Mommy berichtet, wie ihr neunjähriger Sohn sie mit ihrer größten Angst konfrontierte.

„Ich weiß nicht, was ich an dir liebe“

Als Jacob das zu seiner Mutter sagte, war ein fetter Streit vorausgegangen. Da Papa nicht zu Hause war, musste der Junge Janice und seine Schwester zu einer für ihn total langweiligen, aber lange geplanten Mädels-Shopping-Tour begleiten. Er moserte und zoffte mit seiner Schwester Mallory. Für solche Fälle hat Janice ein Ritual, um Frieden zu stiften: Jacob sollte sich bei Mallory entschuldigen und ihr eine Sache sagen, die er an ihr liebt.

Jacob sagte nichts. Halb scherzhaft bat Janice ihn, ihr eine Sache zu sagen, die er an IHR liebt. Womit sie nicht gerechnet hatte: Jacob verstummte endgültig. Doch diesmal schwieg er, um nachzudenken. Dann gab er ihr eine ehrliche Antwort: „Ich weiß nicht, was ich an dir liebe, Mama. Weißt du, ich sehe dich gar nicht so viel. Du arbeitest den ganzen Tag. Ich bin dann entweder bei Alex (der Nanny) oder Oma.“ Janice war geschockt und kämpfte für den Rest des Nachmittags mit den Tränen.

Seine Worte legten die Finger in die Wunde

Ja, Janice arbeitet viel  – aus finanzieller Notwendigkeit, aber auch, weil sie es möchte. Und ja, auch das ist ein legitimer Grund. Die Mutter von drei Kindern bezeichnet sich selbst als Veteranin für den Struggle berufstätiger Frauen. Manchmal weinen sich andere Mütter bei ihr aus, die ihr Kind gerade zum ersten Mal in die Kinderbetreuung geben. Ihnen sagt sie: „Die Entscheidung zu arbeiten, hast du auch für sie getroffen, um euch euer Leben zu ermöglichen. Selbst, wenn du es auch für dich getan hast, dann um dein bestes Ich sein zu können. Irgendwann werden sie das respektieren. Es ist ein Marathon, Kinder aufzuziehen. Du wirst mit ihnen noch ganz viele Abende, Wochenenden und Ferien verbringen. Ihr geht eine Verbindung auf Lebenszeit ein.“

Mit seiner Aussage traf Jacob seiner Mutter mitten ins Herz, weil es an ihre größten Ängste rührte. „Nun würde ich selbst gerne diese Worte von jemandem hören. Von jemandem, der die Ziellinie schon durchquert hat, aber bis dahin habe ich noch einen weiten Weg vor mir.“

Kennt ihr solche Gedanken auch? Falls ja würde es uns freuen, wenn ihr einmal berichtet, wie ihr damit umgeht.

Jana Stieler

Ich lebe mit Mann und Sohn im Süden Hamburgs – am Rande der Harburger „Berge“ (Süddeutsche mal kurz weghören: Der höchste Punkt misst immerhin sagenhafte 155 Meter ü. M.). Wenn ich nicht gerade einen Text verfasse, liebe ich Outdoor-Abenteuer mit meiner Familie, lange Buch-Badewannen-Sessions mit mir allein und abendliches Serien-Binge-Watching.

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Clau
Clau
1 Jahr zuvor

Hallo. Ja auch ich bin eine arbeitende Mama die sich sogar nach dem ersten Kind selbständig gemacht hat. Für mich war immer die Hauptfrage – wer kommt zuerst? Und bei mir ist es klar die Familie. Ich arbeite 3 Tage die Woche. Einen Tag arbeite ich 12 Stunden, die anderen mit 8 Stunden. Abends arbeite ich oft noch über den PC wenn die Kinder im Bett sind. Meine Kinder sind bis 15 Uhr im Kindergarten und kommen dann nach Hause. Also bemerken sie nur an einem Tag wirklich dass ich nicht da bin. Ich habe einfach versucht mein Arbeitskonzept so auszurichten dass es die Kids wenig oder kaum merken. Dies setzt jedoch voraus dass man sich das so finanziell leisten kann. Es gibt keine Lösung die für alle richtig ist aber für uns klappt das Konzept gut – wenn es auch manchmal anstrengend ist. Wenn die Kinder mal aus dem Haus sind bereut man es die wichtigsten Momente verpasst zu haben.

Steph
Steph
2 Jahre zuvor

Ich bin auch eine Mama, die gerne arbeitet. Aber wichtiger ist mir doch meine Familie.
Ich kann verstehen, warum der Satz weh tut, aber Jacob ist ehrlich: die Zeit mit seiner Mama ist ihm nicht genug und das schmerzt doch noch viel mehr. Konsequenz daraus ist, dass sich die Mama mal Gedanken darüber macht, ob es wirklich das ist, was sie möchte und dann klare Prioritäten setzt. Liebt sie ihre Arbeit so sehr, dass sie ihren Kindern nicht genug Zeit schenken kann oder nutzt sie die Zeit vielleicht nicht ausgiebig, um Liebe und Aufmerksamkeit zu verteilen? Ich finde den Spruch mit „ihr habt noch so viele Abende, Wochenenden, Ferien“ sowieso blöd. Zeit vergeht so schnell und wie oft höre ich von Kollegen „hach, ich wünschte, meine Kinder wären nochmal klein…“. Diese Zeit kommt nicht wieder. Wenn die Kinder aber aus dem Haus sind, kann ich immernoch zur Genüge arbeiten. Das gilt für Frauen UND für Männer. 😉