Das hilft meiner kleinen Träumerin im Schulalltag

Die meisten Kinder besuchen eine Regelschule. Privatschulen sind teuer, Waldorfschule & Co. nicht jedermanns Sache. Außerdem gibt es gerade in kleineren Orten selten eine große Auswahl, wenn man dem Kind keine tierisch weite Anfahrt zumuten will. Aber was ist mit den Kindern, die mit strikt vorgegebenen Abläufen schlecht klarkommen? Diejenigen, die mit ihrem Kopf überall sind, nur nicht bei der gerade abgefragten Matheaufgabe?

Unsere Leserin Sarah erzählt, wie sie endlich Lösungen fand, die ihrer verträumten Tochter den Schulalltag erleichtern.

Sie sollte doch sie selbst sein dürfen

„Meine Madita ist ein aufgewecktes Kind, das haben mir zumindest die Erzieher in der KiTa immer versichert. Sie hat fantastische Einfälle, taucht mitunter stundenlang in ihre eigenen Welten ab. Ich liebe diese Eigenschaft meiner Tochter. Sie gehört zu ihr wie die süßen Sommersprossen auf ihrer Nase und ihrer Liebe zu Erdbeer-Motiven. Leider ist unser Schulsystem nicht unbedingt auf solche Kinder ausgerichtet. Deshalb wurde schon das erste Schuljahr für uns zur Herausforderung.

Ich hatte schon das Gefühl, dass die Lehrer heute verständnisvoller auf Eigenheiten von Kindern eingehen möchten, als während meiner Schulzeit. Aber wie soll das in diesen riesigen Schulklassen klappen? Am Ende kommen auch heute noch diejenigen am besten zurecht, die ‚funktionieren‘. Der Gedanke, dass ich sie dahin bringen sollte, schmerzte. Disziplin, Zuverlässigkeit, Konzentration! Dabei wollte ich lieber lächeln, wenn sie wieder mal aus dem Fenster schaut, statt zuzuhören. Ich weiß doch, dass sie dort gerade Versammlung von Elfen oder eine Dinosaurierherde sieht. Ich will, dass sie sich frei fühlt, weiß aber auch, dass ihr schlechte Leistungen später viele Freiheiten nehmen können. Zudem sah ich, wie Ermahnungen des Mathe-Lehrers oder Mitschüler*innen, die sie auslachten, sie traurig machten.

Routinen und Struktur helfen meiner Tochter wirklich

Zum Glück hatte Maditas Klassenlehrerin viel Verständnis für uns – und ein paar hilfreiche Tipps auf Lager. Sie hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich Madita immer sehr schnell zur Seite springe und ihr Aufgaben abnehme. Stattdessen solle ich sie lieber im Hintergrund begleiten und ihr den Anstoß geben, eigenständig auf Lösungen zu kommen.

Außerdem riet sie mir, es einmal mit „richtig strengen“ Strukturen zu versuchen. Als sie mir eine Liste vorgeschlagen hat, auf der ich auch ganz banale Schritte für Madita vorgeben sollte, war ich zuerst verärgert: Mal ehrlich, unsere Tochter war doch nicht bescheuert! Aber was für mich zunächst wie Kinderquälerei klang, hat Madita am Ende wirklich geholfen. Wenn sie eine Aufgabe erfüllen soll, „verliert“ sie sich darin nämlich gerne auf halber Strecke. Deswegen hat sie nun eine genaue Liste, was sie nach Schulschluss erledigen soll. So kann sie immer wieder darauf schauen und die Punkte nacheinander abhaken.

Bei ihr sind das:

  1. Hausaufgabenheft mit ihrer liebsten Klassenkameradin vergleichen (oft ging schon da eine Aufgabe verloren).
  2. Hausaufgabenheft auspacken und hineinschauen.
  3. Für die erste Aufgabe entscheiden und die dafür notwendigen Dinge aus dem Ranzen holen.
  4. Nach dem Erledigen, die Dinge wieder wegpacken usw.
  5. Schreibtisch aufräumen

Inzwischen erledigt sie ihre Aufgaben selbstständiger

Klingt doof, aber so fällt es ihr wirklich leichter, ihre Arbeiten zu erledigen. Am Anfang hat es uns außerdem geholfen, dass ich Freiberuflerin mit einem eigenen kleinen Arbeitszimmer in unserer Wohnung bin. Ich habe ihr eine Ecke für ihren Schreibtisch freigeräumt, so dass wir nebeneinander arbeiten konnten. Genau das zu tun, was Mama tut, war ein Ansporn für sie. Außerdem war so alles außer Reichweite, was sie ablenken könnte: die Toniebox, die Spielzeugpferde, die Bilderbücher…

Inzwischen steht der Schreibtisch wieder in ihrem Zimmer. Wenn sie nach Hause kommt, lasse ich mir einmal kurz von ihr zeigen, was ansteht und erklären, wie sie die Arbeit erledigen möchte. Sie soll schließlich nach und nach lernen, sich selbst zu strukturieren. Wenn sie mich um Unterstützung bittet, bin ich immer da, versuche aber, nur kleine Anstöße zu geben, mit denen sie die richtige Lösung selber finden kann. Am Ende schaue ich mir alle Aufgaben noch mal an, ohne zu mäkeln, wenn etwas nicht richtig ist. Auch diesen Rat hat mir ihre Lehrerin gegeben. Kein Perfektionsdruck! Auf keinen Fall soll sie den Mut verlieren. Und inzwischen klappen die Abläufe eigentlich sehr gut…

Trotzdem darf sie gerne eine Träumerin bleiben

Wichtig ist mir nur, dass sie trotzdem ausreichen Zeit und Raum hat, sie selbst zu sein. Ich störe sie nicht, wenn sie danach in Ruhe in ihre eigene Welt abtauchen möchte. Falls sie mich bittet, sie dahin zu begleiten, versuche ich, mich ganz darauf einzulassen. Ihre Eigenschaft, die ihr den Schulalltag zunächst so schwer gemacht hat, ist auch für mich eine echte Bereicherung. Außerdem sind später auch noch andere Dinge gefragt, als vorgegebene Aufgaben nach Schema F zu erledigen. Wenn es zum Beispiel mal darum geht, kreative Lösungen für Probleme zu finden, wird sie ihre Stärken schon auch noch allen anderen zeigen können.“

Danke, liebe Sarah, für deine echte und ehrliche Geschichte. Es stimmt: Im Schulalltag, der auf Regeln und zügiges Abarbeiten von Aufgaben setzt, brauchen Träumerkinder manchmal etwas mehr Unterstützung. Grund zur Sorge ist das aber in den meisten Fällen nicht. Wichtig ist nur, dass ihr sie gerade am Anfang konsequent und liebevoll begleitet. Hellhörig solltet ihr aber dann werden, wenn euer Kind sich zum Beispiel komplett von anderen abschottet. Auch wenn die Träumereien wie eine Art Flucht wirken, solltet ihr versuchen herauszufinden, ob dahinter ein größerer Konflikt steckt.

Jana Stieler

Ich lebe mit Mann und Sohn im Süden Hamburgs – am Rande der Harburger „Berge“ (Süddeutsche mal kurz weghören: Der höchste Punkt misst immerhin sagenhafte 155 Meter ü. M.). Wenn ich nicht gerade einen Text verfasse, liebe ich Outdoor-Abenteuer mit meiner Familie, lange Buch-Badewannen-Sessions mit mir allein und abendliches Serien-Binge-Watching.

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