Darum muss ich manchmal die „gemeinste Mutter der Welt“ sein

„Oaaaarhhhhh – du bist so gemein!“ Na – wie oft habt ihr das schon von euren Kindern gehört? Ich höre das in schöner Regelmäßigkeit von meiner Tochter, bevor sie wutentbrannt in ihr Zimmer stampft.

Ja, so richtig gut fühlt sich das nicht an…

Aber ich habe mich dran gewöhnt. Und akzeptiert, dass „gemein sein“ wohl zu meiner Vorstellung von Erziehung einfach dazu gehört. Weil ich – natürlich! – möchte, dass die Beziehung von meiner Tochter und mir tief, voller Liebe und Vertrauen ist. Dass sie weiß, dass ich ihr sicherer Hafen bin und sie gegen den Rest der Welt verteidigen würde. Aber ihre Freundin, so romantisch diese Vorstellung vielleicht auch erst einmal ist, die muss ich nicht sein.

Ich denke, ich bin an sich relativ entspannt. Ich sehe großmütig über das „heimlich“ geschnappte sechste Gummibärchen weg, ich steige solange gaaaanz ruhig über die Berge von Pixibüchern, die den Zimmerboden meiner Tochter übersäen, bis mein Fuß keinen Platz mehr findet. Ich bin die Königin der Ausnahmen, was „Noch eine kleine Folge Serie, Mama!“ angeht und ich breche mir auch keinen Zacken aus meiner Krone, wenn ich ihr beim Anziehen helfe, obwohl sie es doch wunderbar alleine kann. Ich lasse mich viel zu häufig auf Diskussionen ein, wo ich auch einfach „ein Machtwort“ sprechen könnte. Weil: Warum sollte ich das ständig tun!?

Ich habe gelernt, mir unsere Kämpfe genau auszusuchen.

Denn alles andere ist zermürbend – und nur auf etwas zu bestehen, weil ich die Große bin, finde selbst ich „gemein“ und unfair.

Es gibt aber ein paar Dinge, auf die ich Wert lege. Das sind Punkte, von denen ich denke, dass sie wirklich wichtig sind! Bei uns ist das beispielsweise die Ins-Betti-geh-Zeit. Meine Tochter ist abends früh müde und braucht noch viel Schlaf. Um gut in die Nacht zu kommen, braucht sie vorher ein bisschen Zeit, um vom Tag abzuschalten und zur Ruhe zu kommen. Das geht am besten mit unserem bewährten Abendritual. Wirklich, jede „Ausnahme“, die wir jemals gemacht haben, ist in die Hose gegangen. Deswegen bleibe ich stur, wenn sie abends Zeit schinden will. Und mir ist es wichtig, dass sie ihre Jacke aufhängt und die Schuhe ordentlich hinstellt, wenn wir heimkommen. Nö, ich mache das nicht – das ist IHRE winzige Aufgabe, von denen sie ansonsten wirklich wenig hat. Und so weiter… Es sind eine Handvoll Dinge, die mir wichtig sind – und wegen denen sie fast jeden Tag sauer auf mich ist.

Weil ich so „gemein“ bin.

Versteht mich nicht falsch, es macht mir keinen Spaß, die „gemeinste Mutter der Welt!“ zu sein. Es ist ein doofes Gefühl, wenn meine Tochter mich zornig und traurig anstarrt und es macht mich müde, regelmäßig über solche Dinge wie die Notwendigkeit des Haarekämmens oder Wasser als Hauptgetränk zu streiten. Aber das müssen wir beide aushalten, meine Kleine und ich. Auch mal die „Fiese!“ zu sein, das gehört dazu, wenn man Mama ist.

Es ist sogar absolut nötig, wenn man keine, Verzeihung, Arschlöcher aufziehen möchte, sondern Menschen, die wissen, dass es Regeln gibt und man sich auch mal rücksichtsvoll verhalten muss. Dass es Dinge gibt, die wichtig sind, auch wenn sie keinen Spaß machen.

Dazu sind Grenzen da, um zu lernen, im Leben zu bestehen.

Und: Um Kindern Sicherheit zu geben. Denn es mag sie noch so nerven, dass es unbequeme Regeln gibt – wenn sie wissen, woran sie sind, gibt ihnen das am Ende ein doch gutes Gefühl.

Und so ärgert sie sich über mich. Fast jeden Tag. Und ich halte es aus. Meine Tochter zu verärgern und gemein zu sein, das ist nur eine der weniger schönen unter den vielen Aufgaben, die ich als Mama habe.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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