Hey Corona – ich will mein Leben zurück!

Ich habe sowas von keine Lust mehr. Wenn ich morgens aufwache, bekomme ich schlechte Laune. Oder bin traurig. Oder beides.

Corona geht mir allmählich so richtig auf die Nerven. In jeder Hinsicht. Ich will mein altes Leben zurück.

Es geht doch schon im Job los.

Ich arbeite gerne im Homeoffice und ich habe noch viel lieber meine Familie um mich. Beides gleichzeitig ist allerdings eine echte Herausforderung! Meine kleine Tochter ist echt geduldig, aber irgendwann ist auch bei ihr Schluss, wenn Mama stundenlang am Laptop in der Küche sitzt. Mein schlechtes Gewissen siegt. Und so klappe ich diesen spätestens mittags zu – und spät am Abend wieder auf, um meine restliche Arbeit zu erledigen. Das ist ab und zu voll okay, finde ich! Aber jeden Abend arbeiten, über Wochen…. dass das schlaucht, merke ich jetzt schon.

Der Frühling kommt – na, danke!

Wie gerne würde ich dann mit meiner Tochter auf den Spielplatz gegenüber hüpfen! Aber nein, der ist ja mit einer dicken Kette abgesperrt und liegt verwaist in der schönen Frühlingssonne. Überhaupt, die Sonne! Wieso zur Hölle scheint sie jetzt auf einmal so konsequent? In Hamburg? Wenn wir alle zu Hause bleiben sollen? Hallo?

Auf Abstand gehen.

Naja, wir können ja auf den Hinterhof gehen und dort ein bisschen Fussball spielen, Stöckchen sammeln und Fahrradfahren üben. Erst waren wir immer alleine – seit ein paar Tagen sind dort auch die Nachbarskinder, die mit Inlineskates herumdüsen. „Denkst an den Abstand, ne, Maus?“ raune ich dann meiner Tochter zu. Halb selbst peinlich berührt, dass ich selbst auf dem heimischen Hinterhof so ein braver Bürger bin. Halb ehrlich besorgt – denn bei all der Genervtheit ist mir natürlich klar, dass die aktuellen Regeln nötig sind. Und höre dann, wie eine andere Mutter ihrer Tochter hektisch zuruft: „Ey! Du weißt aber schon, was zwei Meter Abstand sind, oder!?“

Wie werden wir nach Corona sein?

Penibel eingehaltener Abstand, Supermärkte, die keine Kinder hereinlassen, ein schlechtes Gefühl, wenn neben einem jemand hustet: Was mich in stillen Momenten wirklich sorgt, ist, ob wir jemals wieder so unbeschwert werden wie wir es waren. Vor Corona. Können wir irgendwann wieder ohne Handschuhe und Desinfektionsmittel die U-Bahn-Tür per Knopfdruck öffnen und dürfen unsere Kinder mit einem kleinen Winter-Husten in die Kita? Werden wir irgendwann aufhören, bei einer Erkältung in uns „reinzuhorchen“ und das Schlimmste zu vermuten?

Was hat Corona mit uns gemacht? Das wird sich erst noch zeigen.

Aktuell ist es wie immer in solchen Extrem-Situationen: Das Virus bringt das Beste und das Schlechteste in den Menschen hervor. Unglaublich toll ist der Zusammenhalt, wenn man sich mal wieder um die älteren Nachbarn schert, die Kreativität vieler Menschen, per Videotelefonie wird auf Geburtstage angestoßen und Sportvereine bieten kostenfrei Online-Sportkurse an….Furchtbar sind die Kleingeister, die bei der Polizei anrufen und die Mama verpetzen, die einsam mit ihrem Kind auf dem Spielplatz ist. Jene, die hamstern, als gäbe es kein Morgen (und keine anderen Menschen, die auch etwas einkaufen müssen). Und wirklich unfassbar sind jene, die in Krankenhäusern Desinfektionsmittel klauen oder ähnliches….

Mich macht das alles so traurig. Und allmählich auch ängstlich.

Die Faszination der Zahlen

Ich war so entspannt und lässig, als bei vielen die erste kleine Pandemie-Panik aufkam. Das ist mein persönlicher Schutzreflex: Solche „Trendthemen“ (au weia) erstmal pauschal als völlig übertrieben abzustempeln. Das ist natürlich völlig doof – genauso doof ist es aber auch, dass ich inzwischen ein paar Mal am Tag google, ob denn „#flatten the curve“ schon funktioniert hat, mir Zahlen von Infizierten und Toten reinziehe. Das macht unglücklich und nervös. Und ist auch ganz schön unsympathisch, wenn es einem wie mir dabei in erster Linie darum geht, zu wissen, ob eine Chance auf baldige Lockerungen der Einschränkungen besteht…

Ich will jetzt nicht mehr.

Fakt ist: Ich hab einfach den totalen Corona-Koller. Mich nervt es, nichts unternehmen zu können. Mir tut meine Tochter unendlich leid, die gar nicht so recht weiß, was los ist und ihre Freundinnen vermisst. An manchen Tagen bekomme ich schon die Krise, wenn jetzt sogar jeder Fernsehsender und Handyanbieter neben seinem Logo #wirbleibenzuhause einblendet. Ich bin gereizt, weil es in Sprachnachrichten mit meinen Freundinnen immer nur um Corona geht – und fange doch selbst immer wieder damit an. Mich macht es mürbe, dass meine Stimmung beeinflusst wird von den Schlagzeilen: „Starker Anstieg der Fälle gebremst – zeigen Maßnahmen in Hamburg schon Wirkung? “ (Yeeeahhhhhhhhhhh!) – „Merkel verurteilt, jetzt schon von Lockerungen der Maßnahmen zu sprechen.“ (Oh neeeeiiiin!)

Und dann nerve ich mich selbst, weil ich so egoistisch bin und nur an meine „Freiheit“ denke. Ich muss mich doch sowieso damit abfinden: Keiner von uns weiß, wann wir unseren Alltag wieder normal leben werden können.

Und das ist am Ende auch das, was mir ehrlich zu schaffen macht. Wir leben gerade in einem absoluten Ausnahmezustand, der für kurze Zeit okay ist. Aber am Ende – will ich doch nur mein altes Leben zurück.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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