Corona: Ansteckung im Mutterleib ist zwar möglich – aber sehr selten!

Es gibt immer noch viele Rätsel um das Corona-Virus. Da es so neuartig ist, fehlen Erfahrungswerte und Langzeitstudien.

Doch die Ärzte und Wissenschaftler weltweit kommen dem Virus immer mehr auf die Spur, es gibt neue Erkenntnisse – und manchmal müssen bisherige Annahmen revidiert werden.

Lange hieß es, dass Schwangere nicht befürchten müssen, im Falle einer Infektion das Virus an ihr Baby zu übertragen. Dann gab es Vermutungen, dass dies doch nicht unmöglich sei…

Und jetzt haben Ärzte erstmals sicher die Übertragung des Corona-Virus von einer Schwangeren auf ihr Ungeborenes nachgewiesen.

„Wir haben gezeigt, dass die Übertragung von der Mutter auf den Fötus über die Plazenta in den letzten Wochen der Schwangerschaft möglich ist“, erklärt der Studienleiter Daniele De Luca, im Fachmagazin „Nature Communications„. Es habe lange gedauert, diesen Nachweis zu erbringen, weil es einfach wahnsinnig viele Proben zu untersuchen galt, erklärt der Mediziner. Vom Fruchtwasser, von der Plazenta und vom Blut der Mutter und des Kindes.

In diesem Fall war die Virus-Konzentration in der Plazenta am höchsten. Deswegen gehen die Mediziner davon aus, dass das Virus von dort aus durch die Nabelschnur zum Baby gelangte. 24 Stunden nach der Geburt zeigte der kleine Junge dann auch schwere Symptome wie einen steifen Körper und eine extreme Reizbarkeit sowie eine Schädigung des weißen Gewebes im Gehirn.

Die gute Nachricht: Noch bevor die Ärzte jedoch mit einer Behandlung beginnen konnten, ließen die Symptome nach. Innerhalb von drei Wochen erholte sich das Neugeborene den Studienautoren zufolge dann aus eigener Kraft fast vollständig. Drei Monate später war auch die Mutter symptomfrei.

Und trotzdem ist diese Nachricht natürlich ein Horror für werdende Eltern: Müssen sie sich jetzt doch extremere Sorgen machen als gedacht?

Die Autoren der Studie und auch andere Mediziner geben Entwarnung: Vermutlich gibt es keinen Grund zur Aufregung.

Die Übertragung im Mutterleib ist zwar offenbar möglich, die Wahrscheinlichkeit dafür aber relativ gering, ordnet beispielsweise Medizinprofessorin Marian Knight von der Universität Oxford in Großbritannien ein, wie der Focus berichtet. Denn unter all den Tausenden von Babys, die von mit Corona infizierten Müttern in den vergangenen Wochen geboren wurden, seien nicht mehr als ein oder zwei Prozent positiv auf das Virus getestet worden. Und noch deutlich weniger Babys zeigten Symptome.

Alexander Hein, der leitende Oberarzt der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen sagt zu dem Thema, dass sich Berichte über die Möglichkeit der Infektion der Kinder über die Plazenta zwar mehrten und eine intensive Überwachung erkrankter schwangerer Frauen in Betracht gezogen werden müsse.

„Dennoch muss man festhalten, dass es sich nach aktueller Datenlage um ein sehr seltenes Ereignis handelt.“

Woran es liegt, ob und wann das Virus auf das Ungeborene übergeht, ist den Experten weiterhin unklar. Die Studie liefert „keine Informationen darüber, welche mütterlichen beziehungsweise kindlichen Faktoren die Schwere der mütterlichen oder kindlichen Infektion erklären“, sagt Mario Rüdiger, Leiter des Fachbereichs für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden.

Von einer erhöhten Gefahr für Schwangere durch das Virus gehen die Mediziner weiterhin nicht aus. „Aktuell sind mir keine Daten bekannt, die vermuten lassen, dass Schwangere besonders gefährdet sind, eine Sars-CoV-2-Infektion zu bekommen oder an dieser überdurchschnittlich schwer zu erkranken“, sagt Gynäkologe Rüdiger.

Daher gelten Schwangere in Deutschland weiterhin nicht als Risikogruppe.

Trotzdem sehen die Mediziner Schwangere generell eine besonders schützenswerte Gruppe – auch von Corona abgesehen. „Grundsätzlich gilt, dass jede fieberhafte Infektion ein Risiko für die Schwangerschaft und die Gesundheit des Feten darstellen kann“, gibt Susanne Modrow, Professorin für Molekulare Virologie und Genetik von der Universität Regensburg, zu bedenken. Deswegen sollten werdende Mamas besonders auf sich achten und die Hygienemaßnahmen sehr ernst nehmen.

Aber das gute Fazit ist: Für Panik gibt – Stand jetzt – keinen Grund!

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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