#birthstrike: Die radikalste Form des Umweltschutzes?

Das Klima ist das Thema unserer Zeit. Kein Wunder, schließlich hat der vom Menschen gemachte Klimawandel inzwischen schon sehr deutliche Auswirkungen auf uns. Und obwohl Wissenschaftler und Aktivisten schon lange warnen und Änderungen verlangen, sieht die Politik keine Notwendigkeit, radikal etwas zu unternehmen.

Deshalb sehen diejenigen, die sich mit dieser Thematik beschäftigen, gezwungen, selbst umso radikaler zu sein. Sie verzichten auf Autos und Flugreisen, leben vegan, engagieren sich bei „Fridays for Future“ oder „Extinction Rebellion“ und nicht wenige haben sich nun sogar dem Birthstrike angeschlossen.

Keine Kinder fürs Klima

#Birthstrike ist ein Phänomen, das vor allem, aber nicht nur Frauen betrifft. Es bedeutet, dass sie sich bewusst dazu entschieden haben, keine Kinder zu bekommen – fürs Klima. Wer nun denkt, dass das bestimmt nur die Hardcore-Ökos mit Leinenhosen und Filzhaarschmuck machen, der irrt.

Sogar „ganz normale“ Promis haben sich nämlich dem Birthstrike angeschlossen, wie Miley Cyrus. Die erklärte jüngst in einem Interview: „Die Erde ist wütend. Wir haben dasselbe der Erde angetan, das wir auch Frauen antun. Wir nehmen und nehmen einfach und erwarten, dass sie immer weiter produziert. Und sie ist erschöpft. Sie kann nicht produzieren. Wir bekommen einen Scheiß-Planeten übergeben und ich weigere mich, den meinem Kind weiterzugeben. Solange ich nicht das Gefühl habe, dass mein Kind auf einer Erde mit Fischen im Wasser leben würde, werde ich keine weitere Person in die Welt setzen, die damit umgehen muss. Wir wollen uns nicht reproduzieren, weil wir wissen, dass die Erde das nicht ertragen kann.“

 

 

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Traurige Entscheidung

Bekannt geworden ist der Gebärstreik aber nicht durch Miley Cyrus, sondern durch Blythe Pepino, eine 33-jährige britische Sängerin („Cry No More“, „All Four Walls“). Sie hatte sich vor etwas mehr als zwei Jahren Hals über Kopf in ihren Freund verliebt. Schon nach zwei Tagen war ihr klar, dass sie mit ihm eine Familie gründen möchte.

Doch dann begann sie, sich mit dem Klimawandel zu beschäftigen und sie rationalisierte ihren Familienwunsch: „Ich verstand, dass, obwohl ich eine Familie haben wollte, ich es nicht übers Herz brachte. Ich sagte zu ihm: ,Ich weiß nicht, ob wir das tun können, in Anbetracht aller Dinge, die wir wissen – wenn es keinen politischen Willen gibt, das zu lösen, haben wir keine Chance.`“

Sie beschloss, den #Birthstrike zu gründen und ihre Entscheidung öffentlich zu machen: „Unser Planet ist am Kollabieren. Ich bin so enttäuscht von den Antworten der Politik auf die Klimakrise und mache mir solche Sorgen, dass ich beschlossen habe, keine Kinder in die Welt zu setzen“, erklärte sie gegenüber BBC.

Die Traurigkeit und Frustration, die sie darüber verspürte, versuchte sie, in etwas „Aktives, Regeneratives und Hoffnungsvolles“ zu verwandeln. Sie begann also, sich für den Klimaschutz zu engagieren und versucht, Politik und Öffentlichkeit aufzurütteln.

Kinder sollen nicht unsere Fehler ausbaden

Es gibt also zwei wesentliche Gründe für Frauen (und Männer), beim Birthstrike mitzumachen: Einerseits gibt ihnen das mehr Zeit, sich aktiv zu engagieren, andererseits reduzieren sie damit ihren ökologischen Fußabdruck und verhindern, dass ein weiterer „Umweltverschmutzer“ auf unserer Erde lebt, der sich bald mit den anderen um die verbleibenden Ressourcen streiten muss.

Sie wollen außerdem ihren Kindern einfach nicht zumuten, das auszubaden, das wir und die Generationen vor uns kaputt gemacht haben – und das werden sie müssen. Berechnungen zufolge wird das Leben auf der Erde nämlich ab spätestens 2050 sehr ungemütlich.

Keine Randerscheinung

Die Gebärstreikenden sind keine Randerscheinung, wie eine Umfrage der New York Times zeigt. Elf Prozent der Befragten gaben an, aus Klimagründen keine Kinder bekommen zu wollen, weitere 33 Prozent sind sicher, deshalb weniger Kinder zu bekommen, als sie eigentlich haben wollen.

 

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Auch in Deutschland gibt es diese Diskussion, die auch von Verena Braunschweiger befeuert wird. Sie hat das Buch „Kinderfrei statt kinderlos – ein Manifest“ geschrieben. Darin führt sie aus, dass der Birthstrike der größte Beitrag für den Umweltschutz ist, den man leisten kann. Sie sagte dem BR: „Das hat damit zu tun, ob ich beitragen will zu Überbevölkerung oder Umweltzerstörung oder ob ich es schön haben will für andere Kinder und Pflanzen und Tiere, die schon da sind.“

Kinderlosigkeit ist die beste Maßnahme

Die Gebärstreikenden berufen sich vor allem auf eine Studie aus dem Jahr 2017. Darin hat Wissenschaftlerin Kimberly Nicholas von der schwedischen Lund-Universität untersucht, welche Maßnahmen am sinnvollsten für den Klimaschutz sind.

Ihr Ergebnis: Kein Auto, keine Flugreisen, pflanzenbasierte Ernährung und – keine Kinder. Während der Verzicht aufs Auto im Jahr 2,4 Tonnen CO2 einspart und der Verzicht aufs Fliegen 1,6 bis 0,8 Tonnen, so sparen kinderlose Menschen pro Jahr 58,6 Tonnen CO2 ein.

Umstritten

Doch natürlich ist auch der Birthstrike ein umstrittener Ansatz. Die Universität in Adeleide, Australien, hat in einer Untersuchung festgestellt, dass ein Rückgang der Geburtenrate zwar wirklich dem Klima zugute kommt, echte Auswirkungen aber erst für unsere Ur-Ur-Ur-Urenkel zu spüren wären.

Eine weitere Studie erklärte, dass selbst eine weltweite Ein-Kind-Politik und „katastrophale, tödliche Ereignisse“ die Weltbevölkerung vor 2100 nicht drastisch reduzieren würde. Deshalb schlägt diese Studie vor, dass es besser wäre, sich auf unmittelbare Aktionen zu konzentrieren, die jetzt helfen. Womit wir wieder beim Flugzeug- und Autoverzicht und bei der Politik wären:

„Sogar mit einer drastischen, drakonischen Politik der Bevölkerungseindämmung – die total unmoralisch wäre – würden wir uns nicht retten. Wir müssen die Art und Weise ändern, auf die wir leben“, so Blythe Pepino.

Rebecca

Schon seit rund einer Dekade jongliere ich, mal mehr, mal weniger erfolgreich, das Dasein als Schreiberling und Mama. Diese zwei Pole machen mich aus und haben eines gemeinsam: emotionale Geschichten!

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