Beim dritten Mädchen gab’s vor allem Mitleid

Vielleicht erinnert ihr euch noch: Beim ersten Kind regnet es Glückwünsche und alle sind mit euch aufgeregt. Und irgendwie rechnete unsere Echte Mama Sabrina auch bei ihrem dritten Kind zumindest noch mit ein paar freundlichen Worten. Doch Sabrina traf dauernd auf Menschen, die sie bemitleideten – weil sich das dritte Mädchen ankündigte! Sabrina war erst irritiert, dann fassungslos und irgendwann ganz schön sauer. Und sie hat eine dringende Bitte:

Seid vorsichtiger mit dem, was ihr sagt!

„Beim ersten Mal habe ich noch gegrinst, als eine Bekannte zu mir meinte: ‚Was, es wird schon wieder ein Mädchen? Der arme Vater, so viele Frauen.‘ Doch nach und nach verging mir das Lächeln. Eine andere sagte nämlich mitfühlend: ‚Du hast dir diesmal bestimmt einen Jungen gewünscht.‘ Die Menschen um uns herum schienen zu glauben, dass es bei uns zu Hause nur noch Zickenkriege in Rosarot gibt. Erst war ich irritiert und dann ganz schön sauer: Dachten die anderen wirklich, ein Mädchen könnte eine Strafe sein? Gerade von Frauen finde ich solche Kommentare erschreckend. Das Schlimmste: Ein- oder zweimal bekamen unsere älteren Töchter solche Kommentare mit. Klar, dass ich mir da eine Antwort nicht mehr verkneifen konnte.  Auf keinen Fall sollten unsere Kinder den Eindruck gewinnen, Mädchen seien weniger wert! Auch wenn das immer noch viel zu viele Menschen auf der Welt zu glauben scheinen.

Wisst ihr was? Sie sind alle verschieden – und wir lieben sie alle gleich

Während keiner Schwangerschaft haben mein Mann und ich uns den Kopf über das Geschlecht zerbrochen. Wir haben uns einfach nur wahnsinnig auf diesen neuen, hoffentlich gesunden kleinen Menschen gefreut. Sicher würde es noch mehr Liebe in unserem – zugegebenermaßen turbulenten – Alltag bringen. Und selbst, wenn wir alle unsere Räume hätten rosa anstreichen müssen, wären wir nicht weniger glücklich. Doch – Achtung – die Klischees stimmen ja nicht einmal unbedingt: Unsere Älteste, heute zehn Jahre alt, fand schon als Fünfjährige die Farbe Schwarz am schönsten. Und auf dem Fußballplatz ist sie eine echte Granate. Unsere zweite Tochter, die jetzt acht Jahre alt geworden ist, hat tatsächlich ganz viel Rosa in unser Leben gebracht – und Einhörner aus Plüsch. Jetzt gerade mag sie allerdings nur noch Grün und möchte Naturforscherin werden. Und sicher wird sich auch das noch einmal ändern.

Zu fünft fühlen wir uns endlich vollständig

Unser Nesthäkchen ist jetzt zwei Jahre alt. Ihm scheinen Farben ziemlich egal zu sein. Wir haben auch noch keine Ahnung, in welche Richtung sich unsere Jüngste entwickeln wird. Aber eines wissen wir: Wir sind wahnsinnig aufgeregt und stolz, auch sie auf ihrem Weg begleiten zu dürfen. Und ich bin mir sicher, dass wir einen (oder drei) Jungen ebenso sehr geliebt hätten. Jedes Kind ist ein Individuum, unabhängig vom Geschlecht. Wir fühlen uns jedenfalls nun vollständig und nein – danke, der Nachfrage, die wir auch oft hören – wir wollen es NICHT weiter versuchen, bis wir „endlich“ einen Jungen haben.“

Danke, liebe Sabrina, für deine echte und ehrliche Geschichte.

Wie ist es denn bei euch? Wurdet ihr schon mal mit Vorurteilen bezüglich des Geschlechts eurer Kinder konfrontiert? Oder hattet ihr vielleicht selbst bestimmte Erwartungen an das Geschlecht eurer Kinder? Erzählt doch mal – in den Kommentaren oder in unserer geschlossenen Facebook-Gruppe „Wir sind Echte Mamas“.

Jana Stieler

Ich lebe mit Mann und Sohn im Süden Hamburgs – am Rande der Harburger „Berge“ (Süddeutsche mal kurz weghören: Der höchste Punkt misst immerhin sagenhafte 155 Meter ü. M.). Wenn ich nicht gerade einen Text verfasse, liebe ich Outdoor-Abenteuer mit meiner Familie, lange Buch-Badewannen-Sessions mit mir allein und abendliches Serien-Binge-Watching.

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Anonym
Anonym
2 Jahre zuvor

Hallo,
Ich habe jetzt 8 Jährige Zwillingsjungs und erwarte jetzt wieder einen Jungen. Wir freuen uns sehr auf unseren Jungen. Leider habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass es viele Leute im Umfeld gibt die anscheinend „enttäuscht“ sind das es kein Mädchen wird. Und ich als „arme“ Jungsmama hingestellt werde.

Jarina
Jarina
3 Jahre zuvor

Ich habe 3 Jungs. Mein erster Sohn ist schwerbehindert. Damals wurde erst nach der Entbindung der Gendefekt festgestellt. Das Wichtigste für mich wahr bei den beiden nachfolgenden Kindern nur die Gesundheit, das Geschlecht war mir egal. Trotzdem wurde mir sehr oft unterstellt, dass ich bestimmt gerne ein Mädchen gehabt hätte. Ganz ehrlich: Hauptsache gesund und wenn das nicht geklappt hätte, dann wäre er trotzdem geliebt worden!
Noch heute darf ich mir aber Aussagen anhören wie: mit dem 4. Kind wird es bestimmt ein Mädchen.
Derzeit fühlen wir uns zu 5. sehr wohl und ich sage allen meinen Jungs, dass ich die Königin bin und sie tragen mich auf Händen.

Steffi
Steffi
3 Jahre zuvor

Ich erwarte den zweiten Sohn und wurde auch bemitleidet. Mir kam es vor, als ob jeder nur Mädchen will! Als ob es das einzig Wahre ist…

Kristina
Kristina
3 Jahre zuvor

Kenne ich, wir haben solche Kommentare beim dritten Mädel auch bekommen. Oft ganz ungefragt von Wildfremden, etwa: „Na, zum Jungen hat es wohl nicht gereicht, was?“ und ganz häufig: „Der arme Papa…“
Einfach nur nervig, wir sind doch stolz auf drei wundervolle gesunde Kinder 🙂

Kerstin
Kerstin
3 Jahre zuvor

Wir haben drei Jungs und vor allem in der dritten Schwangerschaft waren die Kommentare unmöglich. Da gab es fast keine nette Reaktion. Das fand ich schon schockierend.

Susanne
Susanne
3 Jahre zuvor

Ich kenne einige Jungs Mamas, denen es genauso ging. Ich habe es bei meinen beiden Schwangerschaften gehasst, wenn die erste Frage war: “ und? Weißt du schon, was es wird?“ Wir haben es daher für uns behalten und nur geantwortet: „Nein, aber wir hoffen mal es wird ein Kind, ein Affe im Haus wäre schon komisch!“