Baby in Beckenendlage zum Drehen animieren: So kann es klappen

Als sich meine ins letzte Drittel bewegte, lag meine Tochter immer noch mit dem Po nach unten in meinem Bauch. Die Mission meiner Frauenärztin war schnell klar: Sie wollte mein Baby in Beckenendlage zum Drehen animieren.

Warum dein Baby mit dem Kopf nach unten liegen sollte

Rund 95 Prozent der Babys drehen sich bis zur 34. Schwangerschaftswoche mit dem Kopf nach unten. Das ist die optimale Position für die Geburt, weil der große Kopf den Geburtskanal schon für die folgenden Gliedmaßen dehnt. Aber: Sollte das Baby bis zur Geburt in der Beckenendlage verharren und mit den Füßen oder dem Steiß zuerst auf die Welt kommen wollen, ist dies auch keine Katastrophe! Dennoch ist es sinnvoll zu versuchen, ein Baby in Beckenendlage zum Drehen zu animieren. Denn eine Geburt aus der aus Beckenendlage (kurz „BEL“ genannt) kann tatsächlich Komplikationen mit sich bringen (und wird auch nicht in jedem Krankenhaus durchgeführt), weswegen die oft schwere Entscheidung zwischen geplanten Kaiserschnitt und Spontangeburt ansteht.

Dein Baby selbst aus der Beckenendlage zum Drehen animieren:

Übungen

• Oft wird die Knie-Ellenbogen-Lage empfohlen. Dabei gehst du in den Vierfüßlerstand. Anschließend beugst du den Oberkörper nach unten und stützt ihn auf den Ellbogen ab. Der Po wird schön in die Höhe gereckt, das verschafft dem Baby Platz. Mach dir die Position gerne mit einem Kissen unter dem Kopf oder dem Bauch komfortabler, denn sie sollte dreimal täglich für eine Viertelstunde gehalten werden.

• Meine Gynäkologin empfahl mir die Indische Brücke: Ich sollte mich auf den Rücken legen, die Beine anwinkeln und den Po hochdrücken. Dadurch soll das Gesäß des Babys aus dem Becken der Mutter herausrutschen. Somit hat das Kind bessere Möglichkeiten, sich zu drehen. Zudem ist die Position für das Ungeborene nicht besonders angenehm – es wird dadurch motiviert, sich in eine gemütlichere Haltung zu begeben. Diese Übung hat sich wohl schon oft bewährt.. mir allerdings wurde dabei immer unheimlich schwindelig und ich empfand sie als sehr, sehr unangenehm. Einfach ausprobieren!

In diesem Video von Laila Maria Witt werden die beiden Übungen gut präsentiert:

 

Das Baby aus der Beckenendlage zum Drehen „locken“

Ein weiterer beliebter Tipp, den Hebammen geben: Geräusche oder Licht können das Baby nach unten locken. Zum Beispiel kannst du dich mehrmals täglich hinlegen und dir dabei für etwa 20 Minuten eine Spieluhr auf den Unterleib legen. Oder du fährst mehrmals täglich mit einer Taschenlampe langsam von oben, seitlich hinunter über den Bauch. Mit etwas Glück folgt das Kind dem Geräusch, bzw. dem Licht.

So kann die Hebamme dein Baby aus der Beckenendlage zum Drehen motivieren:

„Moxen“

Diese Behandlung hat eine lange (chinesische) Tradition für Schwangere, deren Babys sich in Beckenendlage befinden. Bei der Moxibustion, kurz „Moxen“ genannt, wird eine Art Zigarre aus Beifußkraut angezündet und sehr nahe an die Außenseite der kleinen Fußzehen gehalten. Die Stimulation des „Blase-67-Punkts“ soll das Kind anregen, sich zu bewegen. Als empfehlenswert gilt diese Behandlung zwischen der 33. und 37. SSW. Die Erfolgsrate liegt bei 30 bis 40 Prozent. Allerdings kann natürlich keiner sagen, ob sich diese Kinder in diesem vergleichsweise langen Zeitraum vor der Geburt nicht ohnehin noch gedreht hätten. Ob man es versuchen möchte, ist deshalb eine Glaubensfrage. Zumindest gibt es keine Nebenwirkungen.

Was der Arzt tun kann

Äußere Wendung

Wenn sanfte Mittel versagen, kommt handfeste Schulmedizin zum Einsatz. Was die „äußere Wendung“ angeht, gibt es verlässliche Zahlen. Die Chance, dass es dem Arzt gelingt, das Kind in Beckenendlage mit speziellen Handgriffen von außen zu drehen, liegt bei 50 Prozent. Voraussetzung: Es muss noch genügend Fruchtwasser vorhanden sein. Solange dies der Fall ist, kann die Behandlung zwischen der 36. SSW und der Geburt durchgeführt werden. Morgens geht es nüchtern in die Klinik. Dort wird nach einem Ultraschall noch ein Blick auf den Wehenschreiber (CTG) geworfen. Spricht nichts dagegen, kann danach die äußere Wendung gestartet werden. Da der Druck auf die Bauchdecke vorzeitige Wehen auslösen kann, wird dabei ein Zugang mit einem wehenhemmendes Mittel gelegt. Leicht erhöht ist auch das Risiko einer Plazenta-Ablösung. In einer Studie traf diese 0,3 Prozent der Frauen, die eine Wendung vornehmen ließen.

Das Kind bleibt in Beckenendlage: Kaiserschnitt oder natürliche Geburt?

Vor Jahrzehnten noch war eine Spontangeburt aus Beckenendlage etwas ganz Normales und Ärzte sowie Hebammen waren gut darauf vorbereitet. Logo, damals war ein Kaiserschnitt noch ein eher gefährlicher Eingriff, den man nur im äußersten Notfall vornahm. Leider haben die meisten Ärzte „verlernt“, wie es funktioniert, da später lange Zeit von einer natürlichen Geburt aus Beckenendlage abgeraten wurde. Eine Studie hatte darauf hingewiesen, dass sie angeblich zu viele Gefahren berge. Diese Studie gilt heute als fragwürdig, so dass es nun wieder zu einer Trendwende kommt, denn grundsätzlich ist eine natürliche Geburt oft die bessere Wahl.

Auf die Geburt aus Beckenendlage trifft dies (derzeit noch) nicht immer zu. Nämlich immer dann nicht, wenn das Personal dafür nicht geschult ist, es sich um eine Frühgeburt handelt, das Kind groß oder das mütterliche Becken eher klein ist, ein Nabelschnurvorfall vorlag sowie falls die Mutter an Diabetes oder Präeklampsie leidet. Auch gibt es bestimmte Risiken bei einer natürlichen Geburt aus dieser Position: Da der weiche Po die Geburtswege nicht so gut weitet wie der Kopf, kann die Geburt langsamer voran gehen. Dabei sollte gerade der Kopf rasch geboren werden. Er drückt sonst womöglich zu lange auf die Nabelschnur und verringert damit die wichtige Sauerstoffversorgung. Fast immer wird deshalb ein Dammschnitt gemacht, um die Sache ein wenig zu beschleunigen.

Das heißt aber nicht, dass man in jedem Fall den Kaiserschnitt vorziehen sollte!

Mit dem passenden Personal muss sich die Spontangeburt aus der Beckenendlage nicht sehr von der aus einer Kopflage unterscheiden. Dieses ist wieder in mehr Kliniken zu finden als noch vor ein paar Jahren.

Deshalb sollte man sich auf jeden Fall vor einer Entscheidung ausführlich in den in Frage kommenden Kliniken beraten lassen. Gibt der Arzt keinen eindeutigen Rat, sollte die Mutter entscheiden, mit welcher Option sie sich wohler fühlt und sich dabei von niemandem reinquatschen lassen. Denn Anspannung und sorge sind die schlechtesten Geburtsbegleiter und auch hier gar nicht nötig, denn die allermeisten Kinder aus Beckenendlage kommen hierzulande genauso gesund zur Welt wie ihre Kameraden, die sich gedreht haben.

Zu bedenken: Das Kind hat manchmal gute Gründe, sich nicht zu drehen!

Dreht sich das Kind trotz allerBemühungen nicht aus seiner Beckenendlage, dann könnte es durchaus sein, dass es dafür einen gravierenden Grund hat – der oft erst nach dem Kaiserschnitt erkannt wird. Dabei ist  das mütterliche Becken manchmal für eine normale Geburt schlichtweg zu eng, manchmal gibt es auch Komplikationen mit der Nabelschnur oder medizinische Probleme, die dafür sorgen, dass das Kind lieber in seiner vermeintlich ungünstigen Position bleibt. Es ist also gerade in diesem Fall mal wieder gut, auf seinen Bauch (und seinen kleinen Bewohner) zu hören.

Und wie es bei mir ausging? Meine Tochter hat sich nicht gedreht – und sie erblickte per Kaiserschnitt das Licht der Welt. Da sie aber zu früh geboren wurde und dazu noch andere Komplikationen auftraten, wäre es wohl sowieso die Operation geworden.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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