Aua! Was dir niemand über das Stillen erzählt

Du hast schon Still-Ratgeber gelesen? Dich mit deinen Freundinnen unterhalten? Sie jammern hören, dass ihr Baby nur an der Brust einschläft?

Alles okay und richtig!

Wir vermuten jedoch, dass ihr ein Thema noch nicht besprochen habt:
Die allerersten Stunden nach der Geburt. Die ersten drei Tage.
Diese sind nämlich ganz besonders.

Zum einen bist du überglücklich, dass du dein Baby endlich in den Armen hälst. Zum anderen bist du nach der Geburt so erschöpft, dass du am liebsten drei Wochen durchschlafen würdest.

Geht natürlich nicht – und theoretisch weißt du das auch. Doch praktisch fühlt es sich noch mal anders an, wenn dein Kind viel Aufmerksamkeit, Nähe und eben auch Muttermilch von dir fordert.

Deshalb musst du wissen, wie das Stillen die ersten Stunden nach der Geburt wirklich abläuft:

Stunde 0 bis 2 nach Geburt:
Dein Baby wird dir auf den Bauch gelegt bzw. direkt an die Brust. Durch den natürlichen Reflex fängt es normalerweise an zu saugen. Schaut alles gut aus, sollte die erste Untersuchung durch den Arzt erst nach dem Hautkontakt stattfinden, da Kuscheln Einfluss auf die Milchbildung hat. Idealerweise stillst du in der ersten Stunde nach der Geburt.
Was beim Stillen passiert: Die Milchdrüsen legen los. Du merkst vielleicht ein Ziehen oder Kitzeln, und die ersten Tropfen Flüssigkeit kommen heraus.

Stunde 2 bis 6 nach Geburt:
Du musst nach der Geburt operiert werden oder dein Kind muss versorgt werden? Dann versuche, das Stillen möglichst jetzt nachzuholen.
Was beim Stillen passiert:
Vormilch, auch Kolostrum genannt, fließt jetzt durch die Milchkanäle nach draußen. Nicht wundern, wenn sie dickflüssig bzw. schleimig ist. Auch die gelbliche Farbe sowie etwas Blut darin sind normal. Die Milch liefert alle Nährstoffe und ist für dein Baby besonders gut verträglich

Stunde 6 bis 18 nach Geburt:
Am besten stillst du jetzt alle 1,5 bis 2 Stunden, damit der Milchfluss richtig in Gang kommt. Das heißt auch, dass du deinen Schatz leider öfters wecken musst, und ihr beide nicht gerade viel Schlaf bekommt.
Was beim Stillen passiert: Die Milchdrüse bekommt weiterhin das Signal, mehr zu produzieren. Spätestens jetzt sollte die Hebamme überprüfen, ob du dein Baby richtig anlegst. Der wahrscheinlichste Fehler: Dein Baby nimmt nur die Brustwarze in den Mund, nicht den Vorhof. Das kann schnell zu Brustentzündungen und Milchstau führen.

Stunde 18 bis 36 nach Geburt:
Du stillst dein Kind weiterhin alle zwei Stunden und machst auch nachts maximal vier Stunden Pause.
Was beim Stillen passiert: Die Zusammensetzung der Milch ändert sich von der Vormilch zur „normalen“ Muttermilch. Sie enthält unter anderem mehr gesunde Fette. Bitte trinke regelmäßig und viel Wasser oder Stilltee.

Stunde 36 und danach:
Wir müssen hier ehrlich sein:
Selbst wenn du alles richtig machst, werden dir irgendwann die Brustwarzen schmerzen. Sie sind schließlich das viele Nuckeln nicht gewöhnt. Und noch ehrlicher: Es tut verdammt weh. So, dass du manchmal denkst, du hältst es nicht mehr aus. Leider wahr!
Was beim Stillen passiert: Rettung kommt, indem sich nach und nach um die Warze eine Art Hornhaut bildet, die den Druck des Kiefers besser auffängt. Danach werden die Schmerzen weniger – versprochen!

Hurra! Wenn du diese Phase geschafft hast, bist du normalerweise auf der sicheren Seite. Deine Milch hat fließen und dein Baby trinken gelernt.

Also Augen zu und durch, wenn es zwischendurch hart wird! Du hast schließlich auch die Geburt geschafft!

Scheue dich aber bitte nicht, um Hilfe zu fragen. Du weißt ja: Stillen ist das Beste für dein Kind. Aber auch dir soll es gut gehen dabei.

 

Tamara Müller

Als süddeutsche Frohnatur liebe ich die Wärme, die Berge und Hamburg! Letzteres brachte mich vor fünf Jahren dazu, die Sonne im Herzen zu speichern und den Weg in Richtung kühleren Norden einzuschlagen. Ich liebe die kleinen Dinge im Leben und das Reisen. Und auch wenn ich selbst noch keine Kinder habe, verbringe ich liebend gerne Zeit mit ihnen.

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