„Assssloch!“ Muss ich reagieren, wenn mein Kind Schimpfwörter testet?

„Manno, du Arschloch!“

So meine Tochter neulich – nee, zum Glück nicht zu mir! – sondern zum Rollerschloss, das nicht so wollte wie sie.

Ja, ich habe aufgehorcht. Und fand es ehrlich gesagt auch nicht supercool, dass sie das gesagt hatte. Meine Kleine geht seit kurzem in die Vorschulklasse der Grundschule. Und hat dort schon gaaaaanz viel gelernt! Neben Zahlen, Buchstaben und alles rund um den Apfel eben auch jede Menge neuer Wörter.

Ich mache mir da eigentlich gar keine großen Sorgen. Kein Wunder, das ihr diese „Kraftausdrücke“ so gut gefallen, irgendwie hören sie sich ja ein wenig aufregend und verboten an. Ich sehe ihr an der Nasenspitze an, dass sie ahnt, dass diese Wörter nicht sooo toll sind. Sie schaut mich verschmitzt an und wartet auf meine Reaktion. 

Ich glaube, diese fällt in der Regel ein wenig enttäuschend für sie aus, denn ich sage höchsten sowas wie: „Oh nöö, das ist aber kein sehr tolles Wort. Das fühlt sich doof an, wenn du das zu jemandem sagst. Nicht sagen, okay?“ (Ja, ja, ich weiß…. Ein Lehrbuch könnte ich nun nicht gerade darüber schreiben…)

Aber die Frage ist ja: Muss man eigentlich irgendwie „schlau“ auf ein Kind reagieren, dass mit (auch schlimmeren) Schimpfwörtern um sich wirft?

Warum lieben Kinder Schimpfwörter?

Dana Mundt von der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) hat in der SZ dazu gesagt: „Kinder haben große Ohren und gehen damit sehr offen und interessiert durch die Welt. Quellen für Schimpfwörter gibt es viele: Kita, Schule, ältere Geschwister oder auch die Eltern selbst, etwa wenn sie beim Autofahren fluchen.

Ja, hier! Schuldig! Natürlich rutscht uns zu Hause auch ein kräftiges „Scheiße!!!“ heraus, wenn ein zartes „Mist!“ mal nicht ausreicht. Gibt solche Situationen, oder? Darauf folgt aber immer ein mahnender Blick unserer Tochter und die Belehrung, dass „man das nicht sagt!“

Aber weiter im Text. Auch Dana Mundt ist der Ansicht, dass Kinder gar nicht die Schimpfwörter an sich gut finden – sondern eher die Reaktionen darauf. Viele Wörter verstehen sie selbst ja gar nicht! Wenn es aber ein Riesen-Aufhebens darum gibt, na, dann sind diese Wörter wohl etwas ganz Besonderes….

Wie reagiere ich denn nun richtig?

Zuerst einmal mit einem dicken Fell. Das ist besonders nötig, wenn das Kind sein neueste Wort-Errungenschaft stolz in der Öffentlichkeit präsentiert. Naja, da lohnt es sich wenigstens, wenn viele Leute es hören, oder?

Argh, das kann wirklich ein wenig peinlich für die Eltern sein. Muss es aber doch an sich gar nicht, wenn man eben wieder bedenkt, dass das Kind gar nicht weiß, was es da gerade sagt.

Eltern müssen sich auf keinen Fall Sorgen machen!

Ob nun aber im Supermarkt oder am heimischen Abendbrottisch, eine gute erste Reaktion ist wahrscheinlich immer, dem Kind zu sagen, dass das kein sehr nettes Wort ist und dass es dem anderen wehtut, wenn man es zu ihm sagt.

Nicht mehr, und nicht weniger. Denn wie wir schon gehört haben: Je mehr Tamtam man darum macht, desto… Eben.

Sind die Kinder schon ein wenig älter, sollte man ihm in einer ruhigen Minute erklären, was das Wort überhaupt bedeutet. Stecken Frauenfeindlichkeit, Rassismus oder Homophobie dahinter? Und wenn ja – was ist das? Warum gibt es das überhaupt (schwiiieeerige Frage, das würden wir wohl alle gerne wissen…) und was ist so schlimm daran? So wird Kindern bewusst, dass so manche Schimpfwörter sich nicht nur „stark“ und „gut“ anfühlen, wenn man sie sagt. Sondern dass sie wirklich ein großes Potenzial haben, andere sehr unglücklich zu machen.

Und wie geht es dann weiter?

Mit kleineren Kindern kann man quatschige, lustig klingende Ersatz-Schimpfwörter erfinden: „Muddel-Kuddel“ oder „Paddel-Prinzessin“ – diese Wörter machen auch Spaß und werden niemanden ernsthaft verletzten.

Ansonsten heißt es aussitzen, denke ich. Denn seitdem habe ich nie wieder „Arschloch“ von meiner Tochter gehört. Werde ich noch oft genug, da bin ich mir ganz sicher. Aber es ist eben nicht in ihren aktiven Wortschatz übergegangen. Denn der wird eben zum  Glück lange geprägt von der Sprache, die zu Hause vorherrscht.

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meinem Freund und unserer fünfjährigen Tochter in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Ich mag leckeres Essen, laute Rockmusik und ab und zu sogar ein bisschen Sport.

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