„Ich habe Angst, dass mein Sohn keine Freunde findet“

Der kleine Lex liebt es, zu toben, zu singen und zu tanzen. Aber vor allem liebt er andere Kinder. Manchmal haben diese Angst vor ihm – denn Lex sieht anders aus. Hier erzählt seine Mutter Vivien seine Geschichte:

„Vor zweieinhalb Jahren kam mein Sohn Lex mit verschiedenen Fehlbildungen auf die Welt. Er hat zum Beispiel eine Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte, Pierre-Robin-Sequenz und das Goldenhar Syndrom. Lex ist vermutlich auf einem Auge blind, ihm fehlen das linke Ohr sowie das linke Kiefergelenk, wodurch er Atemprobleme hatte und eine Trachealkanüle (ein Röhrchen in der Luftröhre) bekam. Lex wird durch eine Magensonde ernährt und seine Vitalzeichen werden mit einem Monitor überwacht.

Er hat schon viele Operationen und Krankenhausaufenthalte hinter sich

Für uns und gerade für seinen Bruder Neo eine harte Zeit, denn er musste viel zurückstecken. Zum Glück ist Lex trotzdem ein lebensfrohes Kind, das den Kontakt zu anderen Kindern sehr genießt. Seitdem er in der Kita ist, ist er richtig aufgeblüht. Es ist so schön zu sehen, wie er Freundschaften schließt.

Aber es kam auch schon zu Situationen, die mein Mamaherz bluten ließen

Mein großer Sohn ist gerade in die Schule gekommen. Er lud einen Klassenkameraden zum Spielen ein. Doch dieser wollte nach wenigen Minuten wieder nach Hause – aus Angst vor Lex. Wir haben mit den Eltern das Gespräch gesucht und hatten zum Glück Erfolg. Neos Freund spielt regelmäßig und gern mit Neo. Er hatte bisher einfach wenig Kontakt mit behinderten Menschen. Ich denke, dass es vielen Kindern so geht.

Lex und seine Familie

Lex und seine Familie. Foto: Privat

Meine beiden Jungs lieben Musik. Sie singen und tanzen eigentlich den ganzen Tag.

Auch Toben mögen sie gern, Klettern und Rutschen. Lex macht seinem großen Bruder alles nach. Dadurch gerät er schon manchmal in gefährliche Situationen, denn die meisten Spielplätze sind für größere Kinder ausgelegt. Lex kann zum Beispiel Höhen noch nicht so gut einschätzen. Er steht dann an einem mindestens eineinhalb Meter hohen Vorsprung auf dem Klettergerüst – und würde einfach hinunterfallen, wenn ihn niemand festhält. Der größte Spaß für meine beiden Jungs? Auf einer Nestschaukel schaukeln. Das genießen sie auf jeden Fall!

Lex an der Hand seiner Mama

Lex an der Hand seiner Mama. Foto: Privat

Was ist, wenn Lex später keine Freunde findet?

Wie gesagt ist mein großer Sohn Neo im letzten Jahr in die Schule gekommen und dort ein sehr beliebtes Kind. Er hat viele Freunde und lädt auch gern Spielkameraden nach Hause ein. Einerseits freue ich mich natürlich sehr darüber. Aber andererseits habe ich auch große Angst. Was ist, wenn Lex später keine Freunde findet? Wenn er der einzige ist, der nicht zum Kindergeburtstag eingeladen wird. Der einzige, der am Spielplatzrand steht und den Klassenkameraden zuschaut, wie sie Fangen spielen.

Ich halte es für ein großes Problem, dass viele „gesunde“ Kinder keinen Kontakt zu Kindern mit einer Behinderung haben

Neulich war ich auf dem Spielplatz mit einer Kindergruppe, die ich beruflich jeden Tag begleite. Wir trafen eine andere Kindergruppe, mit Kindern mit Down Syndrom und verschiedenen anderen Behinderungen. Alle Kinder spielten zusammen und keines gab einen dummen Kommentar von sich.

Ich wünsche mir so sehr für unsere Zukunft, dass auch mein kleiner Lex dieses Glück haben wird.”

Sarah Wiedenhoeft

Hamburger Deern, Journalistin, Mutter eines Sohnes. Immer auf der Suche nach besonderen Menschen und dankbar, ihre Geschichten zu erzählen.

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