#allesdichtmachen: Verhöhnt die Promi-Aktion wirklich Corona-Opfer?

Unter dem Hashtag #allesdichtmachen hat die deutsche Schauspieler-Elite gegen die Corona-Maßnahmen protestiert. Nicht laut, sondern ganz leise und triefend vor Ironie.

Die Videos sind alle in derselben Art gemacht:

Die Promis tun so, als unterstützten sie die Maßnahmen von ganzem Herzen – sie wollen sogar noch strengere Regeln! In Wahrheit machen sie sich aber über die Corona-Politik lustig. Der Schauspieler Volker Bruch z. B. appelliert an die Regierung: „Macht uns mehr Angst.“ Und Schauspieler Ulrich Tukur fordert in seinem Beitrag zu #allesdichtmachen, endlich auch die Supermärkte zu schließen. Denn wenn alle Menschen verhungern, könne sich das Virus logischerweise nicht mehr verbreiten.

In diesem Tenor geht es weiter bei #allesdichtmachen.

#allesdichtmachen spaltet die Nation:

Es gibt euphorische Zustimmung – und viel Empörung. Die durchmischten Reaktionen kommen von Schauspieler-Kollegen, Politikern, Medien, Usern in den sozialen Medien…

Die Fans der Aktion begrüßen die Videos als intelligenten, angemessenen und dazu noch unterhaltsamen Protest. Die Kritiker dagegen finden, dass die Aktion einen ganz wichtigen Aspekt aus den Augen lässt: Zehntausende Deutsche sind bisher an den Folgen einer Covid19-Erkrankung gestorben – und es ist kein Ende in Sicht. Dazu gibt es Langzeitfolgen und -schäden.

All dies wird außer Acht gelassen und Geschädigte können sich von den Videos verhöhnt fühlen. Elyas M’Barek hat sich daher direkt von seinen Kollegen distanziert. Er schrieb: Come on, das ist doch Blödsinn… Kann ich null nachvollziehen…Mit Zynismus ist doch keinem geholfen.“ Tobias Schlegl schreibt: „Die Schauspieler*innen von#allesdichtmachenkönnen sich ihre Ironie gerne mal tief ins Beatmungsgerät schieben.

Viele werfen den Schauspielern vor, der Querdenker-Szene in die Karten zu spielen und Benzin in deren gefährliches Feuer zu werfen.

Die Videos können in der Tat brenzlig sein, wenn man in diese Richtung denkt – aber irgendwie ist ja nun auch nicht jeder, der Kritik übt, gleich ein Querdenker, oder!? Diese Aufregung finde ich etwas absurd. Was man aber ja zu bedenken geben mag: Haben die Schauspieler denn bessere Vorschläge, wie man die Pandemie eindämmen könnte? Dann her damit!

Es gilt die Meinungsfreiheit, diese Videos sind in ihrer Übertreibung ein wirksames Mittel, um auf Missstände (die es natürlich gibt!) aufmerksam zu machen – und man darf auch nicht vergessen, dass gerade die Kulturbranche seit einem Jahr leidet und auch viele Schauspieler um ihre Existenz fürchten müssen. ( Dass die an #allesdichtmachen teilnehmenden „Elite“-Schauspieler dazu eher nicht gehören, klammern wir mal aus.)

Deswegen kann ich mich nicht recht entscheiden, wie ich die Aktion finde – sicher ist nur, dass die teilnehmenden Schauspieler die Aufmerksamkeit bekommen, die sie sich erhofft hatten.

Inzwischen hat Heike Makatsch ihr Video zurückgezogen, wie u.a. die Tagesschau berichtet. Das finde ich nun wiederum schräg, denn es kann mir doch keiner erzählen, dass die Schauspieler nicht die Möglichkeit im Hinterkopf hatten, dass diese Art der Kritik natürlich aufkeimen wird! Und das muss man dann doch auch aushalten können, oder?

Wie findet ihr die Aktion denn?

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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