Schlafgewohnheiten der ersten dreieinhalb Lebensjahre

Meine Tochter ist jetzt dreieinhalb Jahre alt und seit ein paar Wochen stolze Besitzerin eines „großen“ Bettes, das jedem, wirklich jedem Besucher gezeigt wird. Letzte Woche musste ich sie schon bremsen, nicht auch noch dem Paketboten eine Präsentation anzubieten. Sie ist nun also offiziell „groß“, dem Babybett entwachsen und wahnsinnig stolz darauf. Auch ich bin stolz auf sie, denn seit sie das große Bett hat, schläft sie ganz freiwillig jede Nacht in ihrem Zimmer durch. Meist wachen wir morgens sogar noch vor ihr auf, sie kommt also auch nicht mehr in den frühen Morgenstunden zu uns ins Bett gekrabbelt. Ich muss gestehen, so niedlich so ein verschlafener Besucher mit Wuschelkopf auch ist: Ich fühle mich mit dem neuen Schlafpensum wie neu geboren!

Damit ist unser Töchterlein also wieder ein Stückchen unabhängiger geworden. Klar, das läuft in jeder Familie und bei jedem Kind natürlich ganz verschieden ab und passiert mal früher oder auch erst viel später. Und so sind auch die jeweiligen Entwicklungsphasen der Schlafgewohnheiten bei jedem Kind ganz unterschiedlich. Welche Phasen es in den letzten dreieinhalb Jahren bei uns waren, möchte ich Euch gern erzählen.

Die ersten Wochen: „Sie war wirklich ein erstaunlich pflegeleichter Säugling.“

Nach all den Vorwarnungen und Horrorgeschichten, die ich über den Schlafmangel in den Wochen nach der Geburt gehört hatte, empfand ich die erste Zeit mit unserer neugeborenen Maus als relativ entspannt. Nachdem es einige Tage gedauert hatte, bis wir den Dreh mit dem Stillen richtig raus hatten, war sie nachts meist nur zweimal und einmal am frühen Morgen wach, trank und schlief gleich wieder ein. Nach der frühmorgendlichen Einheit haben sie und ich oft sogar noch bis neun oder zehn Uhr ausgeschlafen. Was mich aber noch mehr überraschte war, dass sie abends nach kurzer Zeit schon allein einschlief. Wirklich: Ich legte sie gegen 20 Uhr in ihr Beistellbettchen, sang ihr ein Lied und ging aus dem Zimmer. Dann schlief sie allein ein. Sie war wirklich ein erstaunlich pflegeleichter Säugling.

4 bis 9 Monate: „Zum Einschlafen musste ich nun am Bettchen sitzenbleiben,
bis ihr die Augen zufielen.
Vorher ließ sie mich nicht gehen.“

Mit vier oder fünf Monaten änderte sich das. Abends weinte sie nun manchmal viel, selbst an ruhigen, ereignisarmen Tagen. Oft gingen wir dann eine ganze Stunde lang mit ihr durchs Zimmer, singend und wiegend, bis sie sich beruhigte. Zum Einschlafen musste ich nun am Bettchen sitzenbleiben, bis ihr die Augen zufielen. Vorher ließ sie mich nicht gehen. Das dauerte mal weitere zwanzig Minuten, mal auch eine halbe Stunde.

Wenn sie endlich eingeschlafen war, schlichen wir nur noch durch die Wohnung. Das war anfangs nicht so, denn wir kannten ja die Geschichten vom tiefen Babyschlaf und wollten den auf keinen Fall durch eine zu leise Geräuschkulisse verderben. Doch unser Kind war anders. Ihr Schlaf war zu diesem Zeitpunkt einfach sehr leicht. Sie wachte beim geringsten Geräusch auf. Damals schlief sie in unserem Schlafzimmer und als wir sie schließlich fast jede Nacht beim Zubettgehen mit dem Rascheln unserer Bettdecken weckten, überlegten wir, ob sie in ihrem eigenen Zimmer nicht besser schlafen würde. Also richteten wir dort ihr Babybett ein und quartierten sie aus. Und siehe da! Sie schlief viel besser und wurde für eine Zeit nachts lediglich einmal zum Stillen wach.

9 bis 24 Monate: „Wir haben teilweise zwei Stunden am Bettchen gesessen.“

Mit neun Monaten fing es jedoch an, dass sie große Probleme beim Einschlafen hatte. Wir versuchten, den Mittagsschlaf früher zu legen, so dass sie abends richtig müde war, doch es blieb schwierig. Papa oder ich mussten immer am Bett sitzen, bis sie im Tiefschlaf war. Und das konnte dauern. Ging man hinaus, bevor sie fest schlief, schreckte sie vom leisesten Geräusch wieder auf, weinte und der ganze Zirkus fing von neuem an. Wir haben teilweise zwei Stunden am Bettchen gesessen, sind regelmäßig noch vor ihr auf dem Teppich selbst eingeschlafen oder haben sie, wenn gar nichts mehr ging, schließlich mit in unser Bett genommen und uns mit ihr zusammen schlafen gelegt, meist gefolgt von einer sehr unruhigen Nacht.

Wenn sie in dieser Zeit nachts aufwachte, war es mit dem Wiedereinschlafen nicht weniger anstrengend und zeitintensiv. Schließlich haben wir eine Gästematratze vor ihr Bettchen gelegt. Wenn man gemeinsam mit ihr einschlief, ging es am besten und alle Beteiligten bekamen so noch am meisten Schlaf. Diese überaus anstrengende und kräftezehrende Phase dauerte 15 Monate, genau bis zu ihrem zweiten Lebensjahr.

24 bis 30 Monate: „An ihrem zweiten Geburtstag beschlossen wir,
das Gitter von ihrem Bettchen abzumontieren.“

An ihrem zweiten Geburtstag beschlossen wir, das Gitter ihres Bettchens abzumontieren. Was dann passierte war klar: Das Einschlafen ging nur unter „strenger Bewachung“, denn sonst stand sie unzählige Male einfach wieder auf und kam zu uns ins Wohnzimmer. An einen ruhigen Abend war dann nicht mehr zu denken. Also blieben wir weiterhin zum Einschlafen an ihrem Bett sitzen. Gut, damit hatten wir gerechnet und sagten uns, da müssten wir jetzt einfach durch.

Jetzt, wo sie selbst aus ihrem Bettchen aussteigen konnte, tapste sie natürlich auch nachts zu uns und krabbelte in unser Bett. Das wurde schnell zur Gewohnheit und natürlich war sie immer bei uns willkommen. Ihr leichter Schlaf bedeutete jedoch, dass sie sich viel bewegte und so wurden wir stundenweise von kitzelnden Locken im Gesicht, tretenden Füßchen im Rücken oder klammernden Händchen im Haar geweckt. Darum holten wir die gute alte Matratze wieder raus und legten sie diesmal neben unser Bett. Dort sollte sie nun schlafen, wenn sie nachts zu uns kam, so dass jeder genug Platz hatte. Schöne Theorie! Klar, dass Papa oder ich dort letztendlich öfter lagen als sie, während sie sich im großen Bett ausbreitete. Trotzdem half die Bett-Erweiterung und bescherte uns ein paar Stunden mehr Schlaf am Stück.

30 bis 36 Monate: „Etwas fehlte aber noch.
Richtig,
die Windeln wurden abgeschafft.“

Schließlich wurde auch dieses Phase besser. Als sie zweieinhalb war, schlief sie dank allabendlicher Rituale meist innerhalb von 10 Minuten ein. Für die Nacht reichte ihr außerdem schließlich das Wissen, jederzeit in unser Zimmer kommen zu dürfen und so akzeptierte sie die Matratze als ihr Zustellbett bei Mama und Papa. Dorthin kam sie jede Nacht und lernte schließlich sogar, so leise zu uns zu schleichen, dass wir nicht davon geweckt wurden.

Etwas fehlte aber noch. Richtig, die Windeln wurden abgeschafft. Dabei zeigte sich endlich auch eine positive Seite ihres leichten Schlafes: Immer, wenn sie nachts mal musste, wurde sie davon rechtzeitig wach, kam aus ihrem Zimmer zu uns und sagte Bescheid. Dann ging einer von uns mit ihr zur Toilette und nahm sie danach mit ins Schlafzimmer, wo sie auf ihrer Matratze meist schnell wieder einschlief. Wir wussten, wie gut wir es da mit ihr hatten und waren mächtig stolz auf sie. Die schwierige Phase in den Monaten davor haben wir dadurch umso schneller vergessen.

36 bis 40 Monate: „Langsam traue ich mich, mich wieder
ans Durchschlafen zu gewöhnen.“

Nach ihrem dritten Geburtstag, als sie den Toilettenbesuch tagsüber dank Kindersitz und Treppchen schon richtig gut allein meisterte, machten wir gemeinsam mit ihr ab, dass sie das doch nachts auch mal allein versuchen könnte. Das lief anfangs meist so ab, dass sie zu uns kam, sich auf die Matratze legte und weiterschlafen wollte, dann aber vor lauter Müssen nur herumzappelte. Spätestens dann wurde ich stets wach und forderte sie auf, zur Toilette zu gehen. Das erledigte sie dann allein, kam danach zurück ins Schlafzimmer und schlief meist schnell wieder ein. Es war also nur noch eine kurze nächtliche Störung, bei der ich nicht mal mehr aufstehen musste.

Und es wurde noch besser: Einige Nächte wurde ich gegen 4 Uhr wach und fragte mich, wo sie denn sei. Wenn sie dann gegen 6 Uhr zum Kuscheln zu uns kam und ich sie danach fragte, sagte sie stolz, sie wäre nachts auf der Toilette gewesen und dann wieder in ihr Bett zurück gegangen. So toll lief es schließlich immer öfter und zuletzt haben wir dann alle zusammen beschlossen, dass wir die Matratze im Schlafzimmer doch nun endgültig abbauen könnten. Kurz danach bekam sie auch ihr heiß ersehntes „großes“ Bett und seitdem denkt sie gar nicht daran, irgendwo anders zu schlafen.

Langsam traue ich mich, mich wieder ans Durchschlafen zu gewöhnen. Ich hätte vor dem Mamasein nie gedacht, wie gut sich das einmal anfühlen würde!

Eure Anna

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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