Adoption: „Ob ich ihn liebe wie ein eigenes Kind? Ich liebe ihn einfach!“

„Hallo, ich bin die Mama von Leander. Er ist unser größtes Glück, das wir einer Adoption verdanken. Und so hat unser Sohn den Weg zu uns gefunden:

Leider kann ich keine eigenen Kinder bekommen, aber der Wunsch eine Familie zu gründen, war bei meinem Mann und mir unendlich groß. Wir sind jetzt sieben Jahre zusammen und haben schon einigen Hunden und Katzen ein neues zu Hause gegeben. Aber das ist natürlich nicht das Gleiche…

Wir nahmen unseren Mut zusammen und machten einen Termin beim Jugendamt

Irgendwann sprach ich das Thema Adoption an und auch mein Mann konnte sich vorstellen, ein Kind zu adoptieren. Im Juni 2018 nahm ich dann meinen ganzen Mut zusammen und vereinbarte beim zuständigen Jugendamt einen Termin für ein Beratungsgespräch. Wir waren mega nervös und legten uns vorher ein paar Fragen zurecht. Zum Glück waren die Mitarbeiterinnen vom Jugendamt sehr, sehr nett und konnten uns alles beantworten.

Einige Tage später bekamen wir einen dicken Umschlag zu geschickt mit einem Fragebogen, den wir ausfüllen sollten. Welches Alter sollte das Kind haben? Trauen wir es uns zu, ein Kind mit Behinderung zu adoptieren? Wie stellen wir uns die Erziehung des Kindes vor? Um uns über die Antworten klar zu werden, sprachen wir lange miteinander. Außerdem mussten wir einen Haufen Unterlagen einreichen, zum Beispiel eine Schufa-Auskunft, Führungszeugnisse und Kontoauszüge.

Dann passierte erstmal nichts

Eine Aufgabe machte mir besonders viel Spaß: Jeder von uns sollte einen Lebensbericht schreiben. Ich konnte gar nicht mehr aufhören, darüber zu schreiben, wie meine eigene Kindheit war und wie liebevoll ich aufgewachsen bin. Mein Mann tat sich etwas schwerer damit, aber auch er hat tolle Worte für seinen Bericht gefunden. Als wir dann endlich alles beisammen hatten, passierte erstmal einige Monate nichts mehr.

Kurz vor Weihnachten meldete sich dann plötzlich das Jugendamt zu einem Hausbesuch im Januar an. Ich war total aufgeregt, machte mir tausend Gedanken und putzte stundenlang.

Doch zum Glück waren meine Sorgen unbegründet, die Mitarbeiterin vom Jugendamt war wieder sehr nett, wir redeten viel und zum Schluss ging sie einmal durchs Haus, um sich einen Eindruck zu machen.

Der Adoptionskurs war sehr wichtig für uns

Im Februar ging unser Adoptionskurs los, der ist Pflicht, um als Adoptiveltern anerkannt zu werden. Es tat gut, sich dort mit anderen Paaren austauschen zu können, die einen ähnlichen Weg gehen möchten. Wir haben dort sehr viel über uns selbst gelernt und es flossen auch mal Tränen. Der Kurs hat mir geholfen, mir über alles klarer zu werden. Am Ende gingen wir mit der Teilnahmebestätigung aus dem Seminar und mit dem Wissen, wie unendlich wichtig dieser Zettel für uns ist.

Von da an ging das große Warten los. Wann klingelt endlich das Telefon? Ich checkte permanent meine Mails, wollte kaum noch das Haus verlassen aus Angst, den ersehnten Anruf zu verpassen. Es machte mich wahnsinnig. Doch wir sollten monatelang nichts hören. Im Juli bekamen wir Besuch von einer Freundin und ihrem Freund aus Bayern. Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon etwas resigniert und glaubte nicht daran, dass der Anruf bald kommen würde.

Endlich kam der Anruf vom Jugendamt

Doch dann passierte es: Es war ein Mittwoch, der 30.07.2019, und es versprach ein heißer sonniger Tag zu werden. Darum beschlossen wir, zu viert einen spontanen Kurztrip nach Usedom zu machen. Mein Mann hatte noch einen Termin beim Notar und danach wollten wir direkt weiterfahren. Während er oben beim Notar war, saß ich gemeinsam mit dem befreundeten Paar im Auto und wartete auf ihn. Auf einmal klingelte mein Telefon und als ich die Nummer vom Jugendamt sah, wurde mir sofort heiß und mein Herz klopfte wie verrückt (tut es jetzt übrigens auch gerade, während ich diese Zeitreise mache). Meine Freundin sah mich nur an und nahm meine Hand, als ich den Anruf annahm.

Unsere Sachbearbeiterin machte es spannend. Sie begrüßte mich erstmal freundlich und machte etwas Smalltalk. Doch dann überbrachte sie mir die tollen Neuigkeiten: Es war in kleines Baby geboren, das zu uns passen könnte. Ich drückte die Hand meiner Freundin ganz fest und bei mir kullerten die Tränen, ich bekam kaum ein Wort raus. Als ich auflegte, zitterte meine Stimme immer noch und auch meine Freundin musste weinen. Ich konnte einfach keine Sekunde länger mehr warten und holte meinen Mann aus dem Termin. Er verabschiedete sich schnell vom Notar und schon waren wir unterwegs ins Krankenhaus.

Endlich erfuhren wir seinen Namen

Insgesamt lagen anderthalb Stunden Fahrt vor uns, die mir vorkamen wie eine Ewigkeit. Ich rief unterwegs meinen Papa an. Als ich ihm sagte, dass wir ein Baby adoptieren würden, meinte er ganz gerührt: ‚Dann wirst du ja eine richtige Mama!‘ Ich entgegnete ihm nur: ‚Und du ein richtiger Opa.‘

Mein Mann und ich hatten so viele Fragen, als wir endlich ankamen. Die zuständige Mitarbeiterin vom Jugendamt erwartete uns schon. Von ihr erfuhren wir, dass das Baby gerade mal elf Stunden alt ist und sie erzählte uns auch von den Eltern und den Gründen, warum sie ihr Kind nicht wollten.

Außerdem bekamen wir auch schon den Namen des kleinen Babys: Leander. Wenig später durften wir ihn kennenlernen. Oh mein Gott, war ich aufgeregt! Ich wusste nicht wohin mit mir und redete nur Unsinn. Mein Mann konnte zum Glück die Ruhe bewahren. Doch für uns beide war klar: Der erste Moment ist entscheidend, denn das hatten wir im Adoptionskurs gelernt. Deswegen waren wir beide unglaublich gespannt, ob es Liebe auf den ersten Blick zwischen uns und dem Baby ist.

‚Ist er nicht niedlich?‘

Und dann sahen wir diesen wunderschönen kleine Mann! Er schaute mich an und ich nahm seine winzige Hand. Sofort musste ich weinen und fragte meinen Mann: ‚Ist er nicht niedlich?‘ Er antwortete nur: ‚Ja, mein Schatz, er ist wunderschön!‘

Als ich ihn dann zum ersten Mal auf den Arm nehmen durfte, drückte ich Leander an mich und küsste seine Stirn. Ich schaute ihn einfach nur noch an und bekam nichts mehr um mich herum mit. Irgendwann hörte ich die Dame vom Jugendamt sagen: ‚Können Sie sich vorstellen, das Baby zu adoptieren?‘ Das war für mich schon keine Frage mehr: ‚Natürlich, Sie können fahren!‘ Die Mitarbeiterin des Jugendamtes musste sich das Lachen verkneifen. So schnell würde es leider nicht gehen, wir mussten noch ein paar Unterlagen ausfüllen und unterschreiben.

Svenja und ihr Mann waren sofort verliebt in den kleinen Leander

Svenja und ihr Mann waren sofort verliebt in den kleinen Leander. Foto: Privat

Leanders Mutter hatte während der Schwangerschaft geraucht

Dann waren wir auf einmal Eltern von einem wunderschönen Baby. Wir bezogen ein Familienzimmer, weil wir noch zwei Tage im Krankenhaus bleiben mussten. Es waren noch Untersuchungen nötig, weil Leanders Mutter während der Schwangerschaft geraucht und Antidepressiva genommen hatte. Zum Glück war alles in bester Ordnung, Leander war ein kerngesunder, süßer Schatz. Wir machten in den ersten Tagen viele Fotos, die wir natürlich der Familie und den engsten Freunden schickten. Unser Besuch hielt daheim die Stellung und kaufte schon mal das Nötigste ein, für die Ankunft unseres kleinen Sohnes.

Mein Mann und ich genossen die Zeit und konnten unser Glück kaum in Worte fassen. Dann durften wir endlich alle drei nach Hause. Drei Minuten bevor wir daheim waren, heulte ich im Auto auf einmal los. Irgendwie habe ich dann erst realisiert, dass unser größter Wunsch wahr geworden ist und wir jetzt endlich eine Familie waren.

Unser Sohn hat es uns leicht gemacht

Daheim angekommen fiel ich meiner Freundin in die Arme und wir heulten beide. Ich war so glücklich und vor allem auch so dankbar, diesen Moment mit ihr erleben zu dürfen. Christopher machte aus seinem vierwöchigen Urlaub einen siebenwöchigen. Er nahm alle seine Überstunden und wollte die ersten wichtigen Wochen bei uns sein. Diese Zeit war wundervoll: Wenn auch alles sehr ungewohnt und neu wahr, so war es auch toll, als Familie zusammenzuwachsen. Leander hat es uns dabei leicht gemacht, er war ein absolutes Traumbaby.

Mittlerweile ist unser Sohn schon 15 Monate alt. Er ist ein sehr liebes, verschmustes, neugieriges und aufgewecktes Kerlchen. Er entwickelt sich prächtig und ist ein absoluter Sonnenschein, liebt unsere Hunde und Katzen und ist immer in Bewegung. Seit kurzem ist die Adoption rechtskräftig und ich bereue nicht einen einzigen Tag, unsere Entscheidung dazu. Wir würden diesen Weg jederzeit wieder gehen.

Der kleine Leander wächst behütet auf

Der kleine Leander wächst behütet auf. Foto: Privat

Er hat ein Recht auf die Wahrheit

Am Anfang fragte mich mal eine Freundin: ‚Meinst du, du kannst das Kind lieben wie ein eigenes?‘ Tja, ich sagte darauf: ‚Das weiß ich nicht, weil ich diesen Vergleich nicht habe. Also kann ich es einfach nur lieben.‘ Und das tue ich, ich liebe Leander über alles.

Ich bin Leanders leiblicher Mama sehr dankbar, dass sie den Schritt gegangen ist und ihr Baby zur Adoption freigegeben hat. Dazu gehört eine Menge Mut und sie hat meinen größten Respekt. Ich werde nie ein schlechtes Wort über sie verlieren. Irgendwann wird die Zeit kommen, dass Leander Fragen stellt über seine Eltern, dann werde ich ihm alles sagen, was ich weiß und ihm, wenn er möchte, auch helfen sie zu finden. Das wird für mich bestimmt hart, aber er hat ein Recht auf die Wahrheit.“

Liebe Svenja, vielen Dank, dass Du Deine Geschichte mit uns geteilt hast. Wir wünschen Dir und Deiner Familie alles Liebe!

WIR FREUEN UNS AUF DEINE GESCHICHTE!
Hast Du etwas Ähnliches erlebt oder eine ganz andere Geschichte, die Du mit uns und vielen anderen Mamas teilen magst? Dann melde Dich gern! Ganz egal, ob Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Mamaleben, besonders schön, ergreifend, traurig, berührend, spannend oder mutmachend – ich freue mich auf Deine Nachricht an lena@echtemamas.de.

Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg und bin dort immer gerne im Grünen unterwegs.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Seit ich denken kann, liebe ich es, zu schreiben – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit dem schönsten Thema der Welt auseinandersetzen. Das passt einfach!

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