Nasim und ihr Mann schwebten im Glück, als sie einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielten. Alles schien perfekt. Doch dann bekam der werdende Papa eine Diagnose, die ihnen den Boden unter den Füßen wegzog. Würde er seine Tochter niemals kennenlernen dürfen? Nasim hat uns ihre Echte Geschichte erzählt:
„Mein Mann und ich hatten nach gescheiterten Ehen zueinander gefunden und waren seit zwei Jahren glücklich verheiratet. Eine Schwangerschaft und das Muttersein waren schon immer ein großer Lebenswunsch von mir.
Kurz nach unserer Entscheidung, gemeinsam ein Kind zu bekommen, zeigte ein (abgelaufener) Schwangerschaftstest ein positives Ergebnis. Meine Reaktion auf meinen lebenslangen Traum von einer Schwangerschaft war in diesem Moment: ,Oh mein Gott, das kann nicht wahr sein!‘ Ich konnte es damals kaum glauben, also kaufte ich am nächsten Tag einen teureren Test, der aber ebenfalls positiv war. Meine Frauenärztin bestätigte meine Schwangerschaft mit 39 Jahren, und ich konnte mein Glück kaum fassen.
Das Geschlecht des Kindes wollten wir nicht wissen, es sollte eine Überraschung werden.
Wir dachten, wir seien die glücklichsten Menschen der Welt – bis ein Knoten am linken Oberschenkel meines Mannes größer wurde, und er Schmerzen bekam.
Ich war in der 5. Schwangerschaftswoche, als mein Mann sein erstes MRT hatte. In der 10. Schwangerschaftswoche teilten uns die Ärzte im Krankenhaus die Diagnose mit: Krebs. Ein seltener, bösartiger Tumor, ein sogenanntes Weichgewebesarkom. Der Plan war, dass mein Mann mit einer Bestrahlungstherapie beginnt und eine Immuntherapie erhält. Doch seine Schmerzen wurden so unerträglich, dass er stationär aufgenommen wurde. Nach einer Woche täglicher Bestrahlung hatte sich der Tumor verdoppelt, sodass der Onkologe zusätzlich eine intensive Chemotherapie empfahl. Nach der ersten 72-stündigen Chemotherapie wurde mein Mann direkt auf die Palliativstation verlegt.
Ich weiß nicht, wie die Zeit verging.
Ich konnte unser Schicksal nicht akzeptieren und wehrte mich wie ein Kind mit Händen und Füßen dagegen.
Wie konnte uns so etwas passieren? Wir hatten doch erst seit zwei Jahren unser Glück gefunden, und ich war schwanger! Ich wollte es nicht wahrhaben. Mein Mann verbrachte seinen 40. Geburtstag und unseren zweiten Hochzeitstag im Krankenhaus. Er wollte nicht, dass ich lange bei ihm bleibe, und sagte immer: ,Du bist schwanger, ich sollte jetzt eigentlich auf dich aufpassen und für dich sorgen.‘ Ich hatte drei Psychologen: meine eigene Therapeutin, eine Onkopsychologin und einen aus meiner Vergangenheit.
Ich wollte das Kind in meinem Bauch nicht mehr, denn es verpflichtete mich zu Stärke und Kampf, aber ich hatte keine Energie dafür.
Ich wollte aufgeben, schwach sein und in meinem Unglück versinken. Meinen Job als Architektin konnte ich nicht mehr ausüben, da ich mich nicht konzentrieren konnte. Alles war mir egal und unwichtig – es ging um Leben und Tod. Mein Psychologe schrieb mich krank, und meine Gynäkologin stufte mich als Risikoschwangere ein. Ich war jeden Tag von morgens bis abends bei meinem Mann im Krankenhaus. Mein Kind wuchs in meinem Bauch und nahm zu, aber ich nicht.
Eines Tages, nach der zweiten Chemotherapie, als die Blutwerte meines Mannes und sein Immunsystem am Boden lagen, teilten uns die Ärzte mit, dass sie nichts mehr tun könnten. Die Ärztin sprach vom Sterben und sagte, es sei ihre Pflicht, offen mit uns darüber zu reden. Ich war stumm, sah sie mit einer Hand auf meinem Bauch an und dachte: ,Was will sie mir damit sagen? Will sie mir sagen, dass mein Mann stirbt?`
In dem Moment, als ich die Welt nicht mehr verstand, schaute mein Mann die Ärztin an und sagte: ,Wovon sprechen Sie da? Machen Sie sich keine Sorgen, ich werde nicht sterben.` Auf meinen Bauch zeigend fügte er hinzu: ,Wir haben noch viel vor, ich werde weiterleben.` Seine Worte waren wie eine Rettung, die mich aus der Situation herausrissen. Ich durfte wieder an Hoffnung festhalten. Dann hörte ich die Ärztin sagen: ,Ich weiß, Sie sind ein Kämpfer, und wir werden mit Ihnen kämpfen.`
An diesem Tag beschloss ich, nicht mehr nach Hause zu fahren. Ich entschied mich, stark zu sein – für uns und unser Kind.
Wir mussten kämpfen und siegen. Ich übernachtete bei meinem Mann, denn er brauchte mich. Seine Blutwerte wurden jeden Tag ein wenig besser, und eine Woche später wurde für die Entscheidung über eine dritte Chemotherapie ein weiteres MRT durchgeführt. Am Abend nach der Ärztekommission kamen die Ärzte strahlend und lächelnd ins Zimmer: ,Der Tumor ist tot. Es ist totes Gewebe. Die Chemotherapie und Bestrahlungstherapie haben gewirkt.` Wir mussten beide weinen. Ich konnte es nicht glauben. In diesem Moment sagten wir uns nur: ,Wir haben es geschafft.`
Für mich war mein Zuhause an der Seite meines Mannes, und wir verbrachten insgesamt fast drei Monate im Krankenhaus. Mein Mann wurde operiert, die pathologischen Befunde waren sehr gut, und es hieß, dass alles erfolgreich entfernt wurde und keine weiteren Therapien notwendig seien.
Danach empfand ich wieder Glück, aber auch Schuldgefühle gegenüber dem unschuldigen Kind in meinem Bauch, das nichts dafür konnte.
Es tat mir leid, mein Kind. Es tat mir leid, dass ich nicht an dich gedacht hatte.
Ich durchlief mehrere Therapien, bis mein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Wunschkind nicht mehr so stark war.
Nach drei Wochen in der Rehaklinik kam mein Mann Ende Oktober nach Hause. Obwohl er ohne Gehstützen nicht gehen und seine Hose und Socken nicht selbstständig anziehen konnte, waren wir überglücklich. Die Schwestern der Palliativstation sagten: ,Wir freuen uns, dass endlich jemand von dieser Station zurück ins Leben geht.` Nun hatten wir einen Monat Zeit, uns auf die Geburt vorzubereiten und unser Glück zu verarbeiten. Um auch die Hölle der Monate davor zu verarbeiten, blieb keine Zeit.

Den letzten Schwangerschaftsmonat konnten Nasim und ihr Mann endlich unbeschwert genießen. Foto: privat
Ich durfte einen Monat lang ,nur` schwanger sein und an nichts anderes denken.
Unsere Tochter wurde am 06.12.2024 natürlich geboren, und ich durfte die ganze Zeit die Hand meines Mannes halten. Während der Wehen, als die Hebamme immer wieder ,Noch einmal!` sagte, dachte ich: ,Wir haben die letzten Monate erfolgreich überstanden, das hier ist im Vergleich dazu gar nichts. Das schaffen wir auch zusammen.“
Heute genießen wir jeden Tag unser Glück mit unserer Tochter und sind für jeden Moment, den wir zu dritt erleben dürfen, sehr dankbar. Ich möchte euch sagen: Es gibt im Leben tatsächlich Wunder.“
Liebe Nasim, vielen Dank, dass wir deine berührende Geschichte erzählen durften. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!
Schaut gerne bei @nasim_brise vorbei, wenn ihr mehr Nasim erfahren wollt.
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