97 Jahre Altersunterschied? Kein Hindernis für wahre Freundschaft!

Nein, die Pandemie hatte nicht viel Gutes. Es gab unzählige Tote, Menschen vereinsamten, Familien wurden auseinandergerissen oder kämpften sich am Rande der Erschöpfung durch den Alltag. Aber inmitten von alledem blieb Raum für herzerwärmende Geschichten wie der von dem zweijährigen Benjamin Olsen und seiner 99-jährigen Nachbarin Mary O’Neill. Denn manchmal lässt die Isolation auch neue Freundschaften und Momente der Schönheit sprießen.

„Unser Sohn hat länger als ein Jahr keine anderen Kinder gesehen.“

Wie das enge Band zwischen den beiden entstand, berichtete Benjamins Mutter Sarah TODAY Parents. „Unser Sohn hat länger als ein Jahr keine anderen Kinder gesehen. Er hatte zu niemandem Kontakt, außer zu unserer Familie und Nachbarin Mary.“

Es begann damit, dass Mary und Benjamin sich von Fenster zu Fenster zuwinkten, später begrüßten sie sich auch draußen, und schließlich kam es zu regelmäßigen Treffen am Gartenzaun. Bei schönen Wetter sitzen sie nebeneinander auf den Stufen und lassen schillernde Seifenblasen in die Luft steigen. Sie haben sogar ein neues Spiel erfunden: „Stockball“. Dabei kickt Benjamin seinen Ball, und sie schießt ihn mit ihrem Stock zurück. Manchmal schenkt er ihr ein Stück Felsen und sie revanchiert sich mit Spielzeugautos von ihrem verstorbenen Sohn. „Er macht, das ich mich gut fühle“, sagt Mary, die seit 37 Jahren Witwe ist, über ihren kleinen Kumpel. Anders als andere alte Menschen, die allein leben, musste sie sich nicht einsam fühlen.

 

„Sie ist seine erste beste Freundin.“

Sarah erzählte, wie ihr die Tränen kamen, als ihr die sonst eher zurückhaltende Nachbarin ihr berichtete, was der kleine Benjamin ihr bedeutete. „Sie sagte, dass sie ihn an den Tagen vermisst, an denen es kalt und regnerisch draußen ist.“ Das Schöne ist, dass Benjamin diese Zuneigung erwidert. „Mary ist wirklich Benjamins beste Freundin. Seine erste beste Freundin.“

Was für eine Inspiration, auch in Zeiten der Pandemie den Blick über den Tellerrand nicht zu vergessen. Früher wurde immer geschwärmt, wie das Reisen den Blick verändert, wie es bildet, kreativ und uns für fremde Menschen und Kulturen öffnet. Vielleicht ist es aber ja auch nur die einfachste Form, neue Erfahrungen zu machen, weil sie uns automatisch zugespielt werden? Vielen wird derzeit nicht der Sinn danach stehen, in die Ferne zu schweifen. Sei es aus aktueller Sorge um Virus–Mutationen oder weil der Klimawandel uns ohnehin zurückhaltender gemacht hat, Treibstoffe in die Luft blasen zu wollen. Wer weiß, vielleicht lauern die spannendsten Entdeckungen und unbekannte Welten ja schon direkt hinter dem Gartenzaun, wenn wir unsere Herzen so offen und unseren Kopf so neugierig halten, wie man es auf Reisen tut? Und zwar nicht nur, wenn uns die Isolation zwingt, auf kleinem Raum genauer hinzusehen…

Jana Stieler

Ich lebe mit Mann und Sohn im Süden Hamburgs – am Rande der Harburger „Berge“ (Süddeutsche mal kurz weghören: Der höchste Punkt misst immerhin sagenhafte 155 Meter ü. M.). Wenn ich nicht gerade einen Text verfasse, liebe ich Outdoor-Abenteuer mit meiner Familie, lange Buch-Badewannen-Sessions mit mir allein und abendliches Serien-Binge-Watching.

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