500 Euro Bonus für jede Corona-Impfung? Also, ich weiß ja nicht…

Ein winziger Pieks spaltet die Nation. Um es mal dramatisch zu sagen.

Obwohl, viel dramatisieren muss man da eigentlich gar nicht. Seit Monaten erhitzt kaum ein Thema die Gemüter so sehr wie die Corona-Impfung. Das ist verständlich, denn seit gut anderthalb verdammten Jahren beeinflusst die Pandemie unser Leben so stark, wie wir es nie zuvor erlebt haben.

Einige sehen die Impfung als einzigen Weg, um das Leben wieder „normal“ werden zu lassen, andere wissen nicht so recht und wiederum andere sind sich absolut sicher, dass diese Impfung niemals in ihren Körper gelangen wird. Aus diversen Gründen, die von relativ nachvollziehbar bis hin zu absolut gaga reichen.

Letztere, also diejenigen, die sich nicht impfen lassen, bereiten den anderen Sorgen.

Denn laut Experten benötigt es eine Impfquote von mindestens 85 Prozent, bis die Pandemie „besiegt“ ist. Davon sind wir in Deutschland weit entfernt, bei uns sind aktuell etwa 60,6 Prozent der Menschen geimpft.

Um es mal klarzustellen: Ich bin auch geimpft und gehöre zu der Fraktion, für die es nach einiger Recherche auch gar keine Frage war. Und ich wünschte wirklich, wirklich, das sich jeder, der das problemlos könnte, sich auch impfen lassen würde! Wirklich.

Trotzdem macht mich das Kräftemessen ums Impfen allmählich mürbe. Es gibt keine Impfpflicht, aber ehrlich gesagt nach und nach ganz schöne Nachteile für Ungeimpfte. Ich finde, das hat zwei Seiten, je nachdem, in welche Richtung man denkt: Ja, ich habe mich impfen lassen und nein, so richtig sehe ich dann streng genommen wirklich nicht ein, mich noch ewig weiter einzuschränken wegen vieler, die dieses aus freien Stücken nicht tun. Trotzdem finde ich das Ganze auf der anderen Seite moralisch auch enorm schwierig – irgendwie geht das alles so nicht. Denn am Ende sollte doch noch jeder über seinen Körper entscheiden dürfen.

Das wissen am Ende natürlich alle – und daher werden auch immer neue Anreize gesucht, um den vielen Nicht-Geimpften den kleinen Piekser dennoch schmackhaft zu machen. Eine Maßnahme sind „niedrigschwellige Impfangebote“, sprich: Orte, an denen man sich ganz unkompliziert seine Impfung abholen kann oder aber originelle Orte, an denen die Impfung besonders reizvoll erscheinen soll. So wird an öffentlichen Plätzen, in Kirchen, Supermärkten oder Fußballstadien geimpft. Im Backstagebereich der Hamburger Elbphilharmonie oder in einem Spezial-Zug der Berliner S-Bahn.

Manches davon geht auf (im Sonderzug wurden tatsächlich innerhalb von 3 Stunden 100 Dosen verimpft – und es hätte noch viel mehr Interessenten gegeben) – viele dieser Ideen sind aber auch echte Rohrkrepierer. Ich meine, kein Wunder! Wer so mega überzeugt ist von einer Gefahr, die von der Impfung ausgeht, der lässt sich doch auch nicht von einer Künstlergarderobe oder einem Fussballstadion überzeugen, oder?

Daher hat die Verhaltensökonomin Nora Szech vom Karlsruher Institut für Technologie eine ganz andere Idee, wie u. a. die WELT berichtet.

Denn was zieht eigentlich immer? Na klar: Geld!

Sie schlägt vor, dass es eine Prämie über 500 Euro geben sollte für jede Impfung. Wer diesen großzügigen Bonus zahlen soll, darüber würde dann noch zu sprechen sein. Denkbar wären die Länder oder auch Arbeitgeber.

Dass das funktionieren kann, haben vergleichbare Anreize im Ausland schon gezeigt – und auch in Deutschland haben einige Betriebe tief in die Tasche gegriffen, um ihren Mitarbeitern die Impfung ein wenig schmackhafter zu machen.

Finanziell soll sich das Ganze für Deutschland auch rechnen: Das Ifo-Institut berechnet den „sozialen Wert“ der Impfung auf 1500 Euro. Denn: Je mehr Menschen geimpft sind, desto besser könne man Schulen und die Wirtschaft geöffnet halten. „Bei einer ausgezahlten Prämie von 500 Euro sparen Geimpfte der Gesellschaft also immer noch 1000 Euro“, rechnet Szech vor.

Schön und gut. Trotzdem sträubt sich mir alles bei diesem Vorschlag.

Ja, auch aus rein egoistischen Gründen. Der erste Impuls: Ich habe mich auch impfen lassen. Zu meinem Schutz, zu dem meiner Lieben – aber eben auch „für die Allgemeinheit“. 500 Euro hätte ich auch gerne dafür bekommen, ehrlich! Das wird so dermaßen den Unmut schüren und die Kluft zwischen Ungeimpften und längst Geimpften noch einmal deutlich größer werden lassen.

Zudem, ganz ehrlich gesagt: Lässt sich ein Impfgegner für 500 Euro umstimmen?

Nora Szech begründete ihre Idee folgendermaßen: „In der jetzigen Pandemie-Phase geht es vor allem darum, uninteressierte und bildungsferne Bürger anzusprechen – die können 500 Euro gut gebrauchen.“ Wow. Das hört sich erstmal nicht nett an. Aber wahrscheinlich gibt es diese Fälle wirklich zuhauf, und 500 Euro sind wahrlich kein Pappenstiel. Aber mal im Ernst: Ich habe eher das Gefühl, dass sich viele sehr „interessierte“, gut situierte Menschen gegen eine Impfung entscheiden – und das dann eben sehr bewusst. Und aus wohl überlegten (in meinen Augen trotzdem oft kruden, aber jeder denkt eben anders) Gründen. Die sehr vehement vortragen werden, und mit einer unglaublichen Leidenschaft und Wut verteidigt. Oft sogar mit einer gewissen Arroganz gegen uns „Schlafschafe“, die „alles glauben, was man uns sagt“.

Wenn sich dieser riesige Teil der Ungeimpften wegen 500 Euro umstimmen lässt – verliere ich wirklich jeglichen Respekt. Ganz ehrlich.
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Ich glaube aber eben auch nicht, dass das passieren wird. Wirklich jeder kann 500 Euro verdammt gut gebrauchen. Aber auch so gut, dass man seine Prinzipien verrät?

Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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