Echte Mama Geschichten

„Soll ich leben – oder unser Baby? Fast hätte mein Mann sich entscheiden müssen.“

Foto: Bigstock

Ob nun Spontan-Geburt oder Kaiserschnitt: Für die meisten Mamas ist der Moment, an dem das eigene Baby das Licht der Welt erblickt, etwas ganz Wunderbares.

Unsere Echte Mama Lisa (echter Name ist der Redaktion bekannt) aus Wuppertal kann sich an die Geburt ihres Kindes nicht erinnern – und auch nicht an die Tage danach. Wohl aber daran, was sie im Nachhinein erfuhr: Ihr Mann hätte fast eine unmögliche Entscheidung treffen müssen.

Die 32-Jährige hat uns erzählt, wie es dazu kam – und wie es ihr heute geht:

„Meine Schwangerschaft an sich war schon ein kleines Wunder, denn es hieß immer, dass ich kein Baby bekommen könne – oder es zumindest sehr sehr schwer werden würde. Mein Mann und ich, wir freuten uns wahnsinnig.

Während der Schwangerschaft hatte ich viel Stress: Wir zogen um, ich arbeitete noch, schlief zu wenig und hatte nachts Sodbrennen. Aber das war mir alles egal, ich war so glücklich über meine Schwangerschaft, dass mich jedes Strampeln unseres Kleinen zum Dahinschmelzen brachte.

Zum Ende der Schwangerschaft hin hatte ich solche Wassereinlagerungen, dass meine Hände, meine Füße, eigentlich alles an mir stark geschwollen war. Rund anderthalb Wochen vor meinem Stichtag hatte ich einen Termin beim Gynäkologen, er meinte, es wäre alles in Ordnung.

Ich zweifelte ein wenig. Meine Wassereinlagerungen, starke Kopfschmerzen, Bluthochdruck, Eiweiß im Urin? Fand er alles normal. Und ich vertraute ihm schließlich.

Drei Tage vor meinem Stichtag fuhr ich mit starken Schmerzen ins Krankenhaus. Ich hatte ja noch nie ein Baby bekommen und so dachte ich, dass ich schon Wehen hätte. Nach sechs Stunden Wartezeit wurde ich schließlich untersucht.

Die Ärztin schaute erst in meinen Mutterpass – und sah skeptisch aus. Sie untersuchte mich und sagte: „Sie haben eine fortgeschrittene Schwangerschaftsvergiftung und die Geburt ihres Kindes muss sofort eingeleitet werden!“

Mein Mann freute sich darüber, dass wir schon so bald unser Baby bei uns haben würden! Hätte er allerdings geahnt, was auf uns zu kam, hätte er sich doch gewünscht, dass der Kleine länger in meinem Bauch geblieben wäre – und dafür alles ganz ,normal´ verlaufen wäre.

Ich wurde also eingeleitet… Hing am Tropf, bekam zusätzlich Antibiotika, da ich positiv auf Streptokokken getestet worden war – das hatte mein Gynäkologe mir nicht einmal mitgeteilt. Trotz der Medikamente ging mein Blutdruck nicht runter und lag bei 175/110! Ich bekam ein anderes Medikament, aber der Blutdruck
senkte sich weiterhin nicht.

Nach einigen Stunden zeigte das CTG dann Wehen an, die Schmerzen strahlten bis in den Rücken. Durch die Vergiftung hatte ich zusätzlich starke Oberbauchschmerzen, sodass ich über einen Tropf ein Mittel gegen Bauchkrämpfe etc. bekam. Plopp! Auf einmal waren die Wehen weg… und sie kamen nicht wieder…

Am nächsten Tag war ich total geschwächt. Meine Leberwerte waren sehr schlecht und ich mit den Nerven am Ende. Um 13 Uhr sagte mir die Ärztin: „Wenn die Einleitung jetzt in den nächsten 12 Stunden nicht wirkt, versuchen wir die nächste.“

Ich schaute meine Schwiegermutter an, die neben mir saß und fühlte mich total verzweifelt. Nachdem die Ärztin das Zimmer verlassen hatte, fragte ich sie: ,Du hattest doch auch schon eine Schwangerschaftsvergiftung. Glaubst du, ich schaffe es hier noch 48 Stunden oder länger so zu leiden und dann noch eine normale Geburt durchzustehen?`

Und meine Schwiegermutter war ehrlich. Gott sei Dank war sie das! Ich bin ihr bis heute unglaublich dankbar dafür. Denn sie sagte: ,Nein. Du wirkst so geschwächt, dass ich nicht denke, dass du eine Geburt kräftemäßig schaffst.‘

Ich habe dann meinen Mann gebeten zu kommen und der Ärztin gesagt, dass ich mir eine normale Geburt unter den Umständen nicht zutrauen würde. Schweren Herzens, denn ich hatte mir immer so sehr eine normale Geburt gewünscht.

Die Ärztin klärte mich über den Kaiserschnitt auf, ich unterzeichnete alles Nötige und wurde um 17 Uhr in den OP geschoben. Mein Mann sollte später dazu geholt werden, wozu es jedoch nicht kam.

Das Medikament wirkte nicht, die Betäubung klappte nicht… Und auf einmal hieß es: „Die Herztöne, die Herztöne! Das Baby muss sofort geholt werden! Wir haben nur noch eine Minute, wo bleibt der Arzt!?“ Und dann erinnere ich mich an nichts mehr… Der Kleine wurde geholt, als sie mich in Vollnarkose gelegt hatten.

Am 05.09.2017 um 18.30 Uhr war unser Wunder da.

Leider kann ich mich an die zwei Tage nach der Geburt überhaupt nicht mehr erinnern. Nicht an den Moment, in dem ich mein Baby das erste Mal hielt, an nichts… Dank meines Mannes und meiner Schwiegermutter habe ich wenigstens Fotos dieser ersten zwei Tage. Bei mir ist alles wie ausgelöscht.

Ich kann mich tatsächlich an die ersten Momente mit meinem Sohn nicht erinnern. Foto: Bigstock

Meine Eisenwerte waren vor der Geburt schon sehr schlecht, nach der Geburt sank der Wert weiter. Die Leberwerte waren immer noch sehr schlecht, der Kaiserschnitt hat mir auch einiges abverlangt, die ganzen Schmerzen…

Über die folgende Woche im Krankenhaus mag ich gar nicht genau sprechen, diese Erlebnisse waren der reinste Horror. Deswegen entließ ich mich paar Tage später selbst, obwohl ich immer noch wahnsinnig geschwächt war und sogar noch eine Bluttransfusion bekommen sollte. Ich hielt es einfach nicht mehr aus.

Die letzten Worte der Ärztin in der Klinik brennen heute noch in meiner Seele: ,Ich habe mir im Nachhinein ihre Werte noch einmal angeschaut. Ich bin so froh, dass Sie selbst entschieden haben, dass ihr Kind geholt wird. So wie es ausgesehen hat, hätte einige Stunden später ihr Mann entscheiden müssen: Sie oder Ihr Baby. Oder aber sie hätten es beide nicht überlebt.´

Heute geht es uns gut!

Wir leben beide. der Kleine entwickelt sich prächtig. Ich habe Monate gebraucht, um mich körperlich zu erholen. Das Stillen habe ich versucht, mit Abpumpen, immer wieder anlegen, viel trinken und und und… Aber der richtige Milcheinschuss blieb aus und nach 3 Monaten habe ich schließlich abgestillt, weil ich es körperlich und psychisch nicht mehr geschafft habe.

Ich bin so dankbar, für jede Sekunde mit meinem Engel. Und doch es wird immer diese Momente geben, in denen mich das Erlebnis einholt.

In stillen Momenten weine ich, vor Glück und vor Trauer! Und dann wische ich die Tränen weg, stehe auf und mache weiter. Denn jetzt bin ich Mama und das ist eine Verantwortung für ein Leben. Darauf bin ich stolz!“