Leben

Ich höre Stimmen: Warum ich als Neu-Mama nie in Ruhe duschen kann

Foto: Jay Cee auf Unsplash

„Am Anfang schlafen Babys doch eh die meiste Zeit!“ Haha, wer hat diesen schlauen Satz denn nun wieder in Umlauf gebracht?

So ein kleiner Mensch kann einen ganz schön auf Trab halten, irgendwie kommt man zu nix. Und so ist es eines der wertvollsten Dinge für mich als Neu-Mama, eine Dusche zu nehmen. Wenn es doch nur so einfach wäre…

Der Vorsatz: Duschen. Nur ganz kurz. Zehn Minütchen für mich alleine. Zum Mal-wieder-richtig-Wachwerden. Und frisch fühlen. Dazu müsste das Nickerchen meines Babys doch reichen, oder? Es ist gerade so friedlich eingedöst.

In Wirklichkeit läuft meine Express-Wellness-Einheit dann aber eher so ab:

Minute 1: Letzter Check: Mein Schatz liegt tief schlafend an einem sicheren Ort, von dem sie nicht abstürzen kann oder Ähnliches. Hurra, das wird was! Nichts wie raus aus den Klamotten und rein ins Duschvergnügen.

Minute 2: Herrlich, dieses warme Wasser! Öh, was zum… Diese verdammte Müdigkeit: Die Unterwäsche sollte ich vor dem Duschen auch noch ausziehen. Statt mir gemütlich das Wasser auf den Kopf prasseln zu lassen, denke ich: Hmm, kann mein Baby auch wirklich nicht aus dem Stubenwagen fallen? Ich gucke lieber noch einmal hin. Nackt und tropfend, natürlich. Aber es ist alles in Butter. Die Maus schläft immer noch und nein,  wenn sie (drei Monate alt) nicht ganz spontan das Klettern erlernt, wird sie auch nicht stürzen.

Minute 3: Zurück in der Dusche. Jetzt aber. Ich erlaube mir einen Moment, der nur mir gehört: Das heiße Wasser, das meine Schultern massiert. Das duftende Shampoo, das mich an die Frische von Zitronen erinnert. Das laute Prasseln des Wassers, das alle anderen Geräusche ausschließt.

Minute 4: Aber Moment, war das jetzt nicht das Weinen meines Babys!? Hat mein Baby etwa nach mir gerufen? Wasser aus, Kopf aus der Dusche gesteckt. Ich höre: nichts. Na, das habe ich mir wohl nur eingebildet. Trotzdem, nur für den Fall: Shampoo im Eiltempo auswaschen und Duschgel auftragen, verreiben… Ob ich noch genug Zeit für diese 1-Minute-Haarkur (danke für diese Erfindung, Kosmetikindustrie!) habe? Da, jetzt schreit das Baby aber eindeutig! Jetzt so schnell wie schnell raus hier. Duschgel abduschen, schnell, schnell…. argh!

Minute 5: Das Baby schreit unglaublich laut. Mein Gott, warum musste ich auch unbedingt duschen? Mein Kind verzweifelt und denkt, es ist einsam und verlassen…

Minute 6: Endlich ist der Schaum runter, und ich drehe hektisch das Wasser ab. Da ist – komplette Stille. Hat mein Baby nun aufgehört zu schreien oder hat es nie geschrien? Wahrscheinlich Letzteres: Egal, jetzt ist doch noch Zeit für die Haarkur.

Minute 7: Aber warum ist die Kleine denn eigentlich so ruhig… ist alles okay?„Ma-haus – ist alles okay?,“ rufe ich vorsichtshalber. Maus (weiterhin drei Monate alt) antwortet nicht. Oh mein Gott – meinem Baby ist vielleicht etwas passiert?

Minute 8: Meine Kleine fängt an zu weinen. Kein Wunder, hat die Mama doch plötzlich so laut geschrien. Sorry, aber noch nie habe ich mich so über das Geschrei von ihr gefreut. Ein Lebenszeichen!

Minute 9: Nackt und nass renne ich zu meinem Baby und reiße es an mich: „Alles ist gut, ich bin da! Mama ist da! Es tut mir so leid, mein Schatz – ich werde nie wieder duschen!“

Minute 10: Hmpf, die Haarkur ist noch auf meinem Kopf.

Ich weiß, mit etwas mehr Ruhe und Vernunft (von meiner Seite) würde alles viel besser klappen. Aber ich kann einfach nicht anders.

Und für meine Mama-Instinkte mag ich mich nicht entschuldigen.