Original Play: Verein äußert sich zu den Vorwürfen

Dieses Spielkonzept steht weiterhin unter Kritik: Nun hat sich der Original Play Verein ausführlich zu Wort gemeldet und sämtliche Vorwürfe zurückgewiesen.

Bei Original Play spielen Erwachsene in engem Körperkontakt mit jeweils einem Kind. Es wird gerauft und gebalgt und durch diese „ursprüngliche Form des Spielens“ die „emotionale Widerstandsfähigkeit, das Wohlbefinden und soziale Kompetenz“ gefördert werden.

Vergangene Woche hingegen wurden (erneut) Vorwürfe laut, dass Original Play-Lehrlinge, wie die durchführenden Erwachsenen genannt werden, Kinder sexuell schwer missbraucht hätten. Von mindestens fünf Kindern war die Rede, und von Lehrlingen, die nach einem Workshop selbstständig „Original Play“ an Kinderbetreuungseinrichtungen anbieten – ohne, dass diese ein Führungszeugnis vorlegen oder bei einer offiziellen Stelle Meldung machen müssten.

Original Play Verein widerspricht sich selbst

Das seien Fehlinformationen, so Sonja Sille im offiziellen Statement des Vereins: „Um Original Play professionell anbieten zu können, bedarf es einer grundlegenden, 3 Jahre dauernden Ausbildung, die auch in weiterer Folge immer wieder durch Auffrischungskurse auf hohem Nivau [sic] gehalten wird.“

Außerdem seien alle Lehrlinge auf der Homepage gelistet. Allerdings sind dort für ganz Deutschland nur zwei aufgezählt. In Österreich sind es einige mehr, nur hat der Original Play Verein vor seinem Statement offenbar nicht deren Profil-Informationen angesehen. Die meisten schreiben davon, dass sie ein bis zwei Jahre nach dem ersten Workshop bereits in KiTas als Lehrlinge tätig waren.

Sonja Sille, Sprecherin des Vereins, sieht das trotzdem anders: „Lehrlinge dürfen sich nur diejenigen nennen, die mindestens diese dreijährige Ausbildung haben. Alle anderen, die noch im Prozess sind, können uns begleiten. Sie können anfragen, ob sie mit in eine Spielgruppe gehen können. Zuerst können sie zuschauen und dann mitspielen. Weil man das Original Play von den Kindern lernt, ist es wichtig, dass das praktische Training dabei ist. Sie sind aber nie alleine mit den Kindern, ich bin immer dabei. Meistens ist auch die Kindergärtnerin dabei. Kindergärten und Schulen haben alle die Richtlinie, dass fremde Personen, die Projekte durchführen, mit den Kindern nicht alleine sein dürfen“, erklärte sie gegenüber dem ORF.

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Mattenspiele seien freiwillig

Damit schiebt sie den schwarzen Peter den Einrichtungen zu, in denen die Kinder offenbar doch alleine mit einem Lehrling auf der Matte spielten. Aber auch grundsätzlich sei Missbrauch im Kontext dieses Spiels schwer vorstellbar: „Es ist total freiwillig. Und es ist in Ordnung, wenn ein Kind nicht spielen will. Die erste Berührung geht vom Kind aus. Es gibt mir zum Beispiel die Hand und dann entwickeln sich die Berührungen.“

Ähnlich sieht das auch der Anbieter von „Original Play“ in Hamburg. Der Mann versuchte, gegenüber der MOPO die Vorwürfe eines Mädchens zu erklären, indem er über dessen Familiensituation sprach: „Das Mädchen kommt aus einer schwierigen Familie. In der Familie gibt es drei Kinder. Das älteste ist im Teenageralter und steht wegen sexueller Übergriffigkeit unter Beobachtung.“

Tatsächlich gab es wohl „ein Kinderschutz-Verfahren“, bestätigte Monika Rulfs, die Sprecherin des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Hamburg-West, auf Anfrage der MOPO. Dieses sei durchgeführt worden, nachdem die Mutter „Original Play“ des Missbrauches beschuldigt habe. Es ist inzwischen abgeschlossen und sowohl eine Mitarbeiterin einer Hamburger Behörde, der Kinderschutz und das Jugendamt kamen zum Ergebnis, dass „eine Kindeswohlgefährdung (…) dabei nicht erkannt werden“ konnte.

„Wohl der Kinder liegt mir am Herzen“

Trotzdem ist der „Original Play“-Anbieter überzeugt, dass sein Konzept keine Schuld trifft. Das Mädchen sei schon vor dem „Spielen“ auffällig gewesen: „Sie wollte sich oft nicht wickeln lassen. Und erzählte von einem ,Dorn im Po’“.

Auch er beruft sich auf die angeblich dreijährige Ausbildungszeit: „Welcher Pädophile sollte so einen Aufwand betreiben?“ Und wie auch Sonja Sille meint er: „Wichtig ist uns, die Kinder nie anzuleiten. Sie entscheiden, was sie wollen und was nicht. Sie berühren mich, nicht ich sie. Das Wohl der Kinder liegt mir mehr als alles andere am Herzen.“

Über die anderen vier mutmaßlichen Opfer allerdings hat noch niemand gesprochen. Das könnte sich aber ändern, denn derzeit beschäftigen sich sowohl der Senat, als auch der Kinderschutzbund und Jugendämter mit dem Thema.

Rebecca

Schon seit rund einer Dekade jongliere ich, mal mehr, mal weniger erfolgreich, das Dasein als Schreiberling und Mama. Diese zwei Pole machen mich aus und haben eines gemeinsam: emotionale Geschichten!

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