Mom-Shaming: „Jede Bemerkung sticht wie eine Nadel in die Haut.“

„Ich bin so gerne Mama. Noch viel lieber, als ich es mir vorgestellt habe.

Was ich mir auch nicht vorgestellt habe: Wie unsicher man in all diesem Glück sein kann.

Ich habe eine Tochter von zwei Jahren. Sie ist wundervoll. Und sie ist ein echter Dickkopf. Sie ist, wie Kinder eben so sind: Mal gut drauf, mal leise, mal laut, sie hat Wutanfälle vom Feinsten und sie kann sehr zickig sein.

Ich weiß, das ist normal. Aber trotzdem muss ich zugeben, dass ich manchmal nicht weiß, was ich tun soll. Wie ich ihr helfen soll, wie ich richtig reagiere.

Am schlimmsten finde ich es, wenn sie unterwegs einen Anfall bekommt. Ich spüre, wie mir heiß wird und ich ganz fahrig werde. Je nach Laune und Situation tut sie mir entweder leid, ich fühle mich einfach nur todmüde oder ich werde stinksauer.

Und: Mich ärgert es selbst, aber die größten Stressfaktoren in so einer Situation sind sie. Die anderen.

Ich habe schon so vieles erlebt. Einmal weinte meine Kleine urplötzlich, mitten auf der Straße, sie weinte und weinte. Ich hatte wirklich keine Ahnung, welche Laus ihr über die Leber gelaufen war. Sie wollte sich nicht an den Arm nehmen lassen, sie war ganz außer sich. Schlimm. Schlimmer war nur die Frau, die an uns vorbeiging und meinte: ,Mein, Gott, kann man das Kind denn nicht mal trösten???‘ Klar, dass sie es nicht zu mir sagte, sondern zu ihrem Mann. Aber auch klar, dass sie es laut genug sagte, dass ich es bloß nicht überhören konnte.

Ein anderes Mal, der Klassiker: Meine Kleine wollte im Supermarkt etwas Süßes, ich sagte nein. Sie schmiss sich auf den Boden und wütete vor sich hin. Ich stand neben ihr und wartete den Sturm ab. Ganz drei andere Kunden fühlten sich bemüßigt, ihren Senf dazu abzugeben. Ich hörte es um mich herum raunen: „Schlecht erzogen!“ oder auch „..einfach auch mal nachgeben, das arme Kind…“ Ich zog meinen Kopf ein, der hochrot war und wünschte mich ganz weit weg.

Dazu all die „nett gemeinten“ Bemerkungen über das Essen, die Kleidung, den Schlaf meiner Tochter… Ich bin es so müde.

Ich weiß eigentlich, dass es mir egal sein sollte. Das ich es nicht jedem Recht machen kann und dass ICH die Mama meiner Kleinen bin – und ich am besten weiß, was sie braucht.

Aber ich kann es nicht. Jede Bemerkung, jede kritische Frage, jeder Ratschlag macht etwas mit mir. Es fühlt sich an wie kleine Nadelstiche auf der Haut – auszuhalten, aber in der Masse richtig schmerzhaft. Ich überlege: Bin ich eine schlechte Mutter? (V)Erziehe ich mein Kind total falsch? Warum hat gefühlt keine andere Mama all diese Probleme mit ihrem Kind?

Ich weiß nicht, was ich gegen diese Verzweiflung tun soll. Dieses Mom-Shaming schürt meine Unsicherheiten und lässt mich allzu oft an mir zweifeln.“


Vielen Dank, liebe Verona, dass Du Deine Geschichte mit uns geteilt hast. Wir wünschen Dir und Deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

WIR FREUEN UNS AUF DEINE GESCHICHTE!
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Laura Dieckmann

Als waschechte Hamburgerin lebe ich mit meiner Familie in der schönsten Stadt der Welt – Umzug ausgeschlossen! Bevor das Schicksal mich zu Echte Mamas gebracht hat, habe ich in verschiedenen Zeitschriften-Verlagen gearbeitet. Seit 2015 bin ich Mama einer wundervollen Tochter.

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