„Mein 2-Jähriger Sohn büxte aus der Kita aus und kam allein nach Hause.”

„Ich bin Mama von zwei Kindern: meine Tochter ist neun Monate alt und mein Sohn wird bald drei und ist mitten in der Autonomiephase. Ich habe den Beitrag „Aus Kita weggelaufen: Mutter trifft ihren 2-Jährigen auf der Straße” gelesen und meine eigenen Erfahrung wiedererkannt.

Mein kleiner Mann ist vor einigen Wochen an einem Freitag aus der Kita ausgebüxt und kam alleine heim. Für ihn sind es ca. 15 Minuten Weg und er muss mindestens zwei unüberschaubare Straßen überqueren.

Sie zeigt, dass es trotz eines solch beängstigenden Vorfalls eine Art Versöhnung zwischen Eltern und Kita geben kann.

Nur ein paar Tage vorher hatte ich zufällig darüber nachgedacht, dass unser Sohn mal alleine von der Kita nach Hause kommen könnte. Denn meine Schwiegermutter hatte mal erzählt, dass mein Mann mit drei Jahren ausbüxte und alleine nach Hause kam, als er mit der Kita auf dem Spielplatz war.

Der Gedanke kam mir plötzlich wieder und ich dachte noch, dass unser Sohn in so einem Fall hoffentlich nicht in die andere Richtung gehen würde, denn dort sind ungesicherte Bahnschienen. Und dann kam er wirklich alleine nach Hause. Irgendwie seltsam, ich weiß auch nicht, wie ich es einordnen soll. Ob unser Mutterinstinkt wirklich so weit geht oder ob es einfach Zufall war.

An dem besagten Freitag hatte ich meine Tochter schon angezogen, um den Großen abzuholen, da klingelte es an der Tür.

Mein Sohn war wohl schon in unserer Straße angekommen, als ihn eine ältere Dame ansprach, die sich darüber wunderte, was ein kleiner Junge alleine an der Straße machte. Er sagte was von ‚Mama, nach Hause‘ und zeigte ihr unser Haus. Sie erzählte mir, dass er sehr zutraulich gewesen sei.

Die Dame klingelte im ganzen Haus, ich kam schließlich raus und mein Sohn lief in meine Arme. Die ältere Dame fragte mich dann, ob ich mein Kind nicht vermisse. Ich war völlig perplex. Mein erster Gedanke war, dass meine Uhr falsch geht und ich ihn in der Kita vergessen habe. Ich habe mich sehr bei der Frau bedankt und dann sofort in der Kita angerufen. Da stand ich noch total neben mir. Die Erzieherin war genauso geschockt wie ich, als sie hörte, dass mein Kind alleine nach Hause gelaufen war.

Wir fuhren direkt dorthin zum Gespräch.

Als es passierte, waren die Kinder auf dem Spielhof der Kita und er hat sich davongeschlichen. Er schaffte es offenbar, das schwere Eisentor aufzumachen, welches zu den Abholzeiten nicht verschlossen wurde. Die anwesenden Erzieherinnen waren sichtlich mitgenommen.

Das Geschehene brachte einige Räder zum Laufen. Es wurde direkt dem Träger gemeldet und der Bezirksleiter reiste am selben Tag an, obwohl es ein Freitagnachmittag war. Rückblickend kann ich nicht erklären, wie ich so cool bleiben konnte, als es passiert ist. Dass ich nicht in den Angriffsmodus verfiel, wie eine Löwenmama, dass ihr Kind beschützen möchte. Wahrscheinlich lag es erstmal an dem Schock und der Fassungslosigkeit.

Übers Wochenende entstanden Zweifel, ob ich mein Kind wieder in diese Kita geben kann.

Die Situation war schließlich nicht nur für mich beängstigend, sondern auch für unseren Sohn. Er musste das auch erst einmal verarbeiten. Außerdem hatte er schon eine Woche vor dem Vorfall ein paar mal geäußert, dass er lieber zuhause bleiben und nicht in die Kita möchte. Mich beschlich ein ungutes Gefühl.

Mein Sohn spricht noch nicht sehr gut, er ist, wie der Papa, nicht besonders redselig. Es liegt aber auch am Gehör, wie der Ohrenarzt bestätigte. Er benötigt wahrscheinlich Paukenröhrchen. Deswegen befürchtete ich, dass er sich im Kindergarten vielleicht generell nicht wohl fühlt oder ihm Ungerechtigkeiten widerfahren, aufgrund der sprachlichen Defizite.

Die Leitung sowie der Bezirksleiter riefen mich dann noch mal am Montag an und haben sich zutiefst entschuldigt.

Wir verabredeten am Mittag erneut ein Gespräch, welches 1,5 Stunden dauerte. Ich konnte meine Sorgen und mitteilen und die Erzieherinnen konnten mich beruhigen, dass mein Sohn sich gut mitteilt, wenn etwas ist. Danach durfte ich einige Tage in der Kita hospitieren, da mein Vertrauen erschüttert wurde.

Alle Erzieherinnen, die an dem Freitag anwesend waren, haben mich in den darauffolgenden Tagen angesprochen und ihr Mitgefühl ausgesprochen. Da in dem Fall keine bestimmte Person die alleinige Schuld trug, haben sich alle schuldig gefühlt und es hat alle sehr beschäftigt. Seitdem zählt der Azubi mehrmals am Tag die Kinder durch. Alle Tore und Türen wurden vom Techniker überprüft und sind seither auch zu den Bring- und Abholzeiten verschlossen und werden manuell aufgeschlossen.

Wir hatten einen engen Bezug zu den Erziehern und Erzieherinnen und die Maßnahmen und die aufrichtigen Entschuldigungen konnten den zum Glück wieder herstellen.

Obwohl sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben, kann ich heute sagen, dass ich ihnen wieder vertraue. Das liegt daran, dass sie wirklich viel verändert und verbessert und vor allem sofort reagiert haben, damit so etwas nicht noch einmal passiert.

In der Kita meines Sohnes gibt es ein offenes Konzept, das heißt die Kinder dürfen sich überall aufhalten und es ist bestimmt unübersichtlich, wo sie herumschwirren. Natürlich darf so etwas eigentlich trotzdem nicht passieren, aber wo Menschen arbeiten, passieren nun mal Fehler. Wenn die Verantwortlichen ihre Fehler bereuen und alles daransetzen, diese wiedergutzumachen und Konzepte entwickeln, wie sie zukünftig verhindert werden können, dann haben sie eine Chance verdient.

Das Wichtigste ist, dass meinem Kind nichts passiert ist und es wohlauf nach Hause gefunden hat.

Noch einmal darf es aber nicht vorkommen, ansonsten würden wir rechtliche Schritte einleiten.”


Liebe Nika, vielen Dank, dass du uns deine Geschichte anvertraut hast. Wir wünschen dir und deiner Familie alles Liebe für die Zukunft!

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Lena Krause

Ich lebe mit meinem kleinen Hund Lasse in Hamburg. Am liebsten erkunde ich mit ihm die vielen grünen Ecken der Stadt.

Auch wenn ich selbst noch keine Mama bin, gehören Babys und Kinder zu meinem Leben dazu. Meine Freundinnen machen mir nämlich fleißig vor, wie das mit dem Mamasein funktioniert und ich komme als „Tante Lena“ zum Einsatz.

Schon als Kind habe ich das Schreiben geliebt – und bei Echte Mamas darf ich mich dabei auch noch mit so einem schönen Thema befassen. Das passt einfach!

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