Zwischen Windeln und Babybrei: Kommt die Lust auf Sex jemals zurück?

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Ich weiß noch ganz genau, wie ich vor meiner ersten Schwangerschaft alle Freundinnen belächelt habe, die nach der Geburt so gar keine Lust mehr auf Sex hatten. Das kannte ich bislang tatsächlich nur aus den ersten drei Monaten mit Baby im Bauch, einfach, weil mir die ganze Zeit so unglaublich übel war, dass ich am liebsten den ganzen Tag vom Sofa an die Decke gestarrt habe.

Tja, was soll ich sagen: Da sitze ich nun beim nächtlichen Stillen, neben mir mein Partner am Schnarchen und erinnere mich an mein Vor-Mama-Ich. An wilde Nächte, Zungenküsse und leidenschaftlichen Sex. Die Nacht wurde zum Tag, das waren noch Zeiten. Obwohl, wollen wir fair bleiben, seit ich Mama bin, sind die Nächte auch zum Tag geworden, aber eben anders. Statt heißem Sex heißt es nun Windeln wechseln und Baby füttern. Aber irgendwie stört es mich nicht – und das wiederum macht mir gerade ziemlich Angst.

Sexuelle Unlust nach der Geburt ist ein riesengroßes Thema, über das viel zu wenig gesprochen wird. Wenn das Kind kommt und die Lust geht – das scheint noch immer ein echtes Tabu zu sein. Selbst in meinem Freundeskreis ist das so. Da sind die Freundinnen, die bereits kurz nach dem Wochenbett wieder jede Menge Lust auf Sex haben und die, die völlig erschöpft und mit Babykotze auf dem T-Shirt einnicken. Dreimal dürft ihr raten zu welcher Kategorie ich zähle … Frisch gebackene Mütter haben vieles im Kopf – Sex gehört nicht immer dazu. Zumindest ist es bei mir so: Meine Libido ist seit der Geburt einfach unauffindbar. Auch die sechs Wochen Regeneration haben daran bis heute nichts geändert – so wurden aus einigen Wochen schnell ganze Monate ohne Sex.

Babyschlaf oder Beischlaf?

„Es langsam wieder angehen lassen!“ Diesen Ratschlag höre ich so oft. Aber irgendwie ist mir nicht danach. Klar, schon in der Schwangerschaft war mir bewusst, dass sich unser Sexleben mit einem Kind verändern würde – doch so extrem? Ist das Sexleben als Mama überhaupt noch existent? Oder anders gefragt: Sex und Muttersein – funktioniert das? Bitte gebt mir Hoffnung! Tatsächlich fällt auch mein Partner abends lieber platt ins Bett, als sich für meine Brüste mit Milcheinschuss zu interessieren. Es sei ihm gegönnt. Natürlich fehlt mir trotz Sexflaute schon irgendwie das Gefühl, auch nach der Geburt immer noch die heißeste Frau des Planeten zu sein. Für Sex bin ich aber ebenfalls zu kaputt, zu lustlos und wenn dann auch noch plötzlich das Baby schreit …

Den eigenen Körper nach der Geburt akzeptieren

Zwar ist unsere Rückbildung in der Regel nach sechs Wochen abgeschlossen, mein Körper fühlt sich nach der Schwangerschaft aber anders an und daran muss ich mich erst einmal gewöhnen. Hier eine Delle, da ein paar Dehnungsstreifen mehr und dann die tropfenden Brüste. Wenn ich mich selbst im Spiegel betrachte, vergeht mir selbst die Lust auf Sex. Obwohl das totaler Quatsch ist. Findet übrigens auch mein Partner und dafür bin ich ihm unglaublich dankbar.

Dazu kicken nach der Geburt auch die Hormone ganz schön. Das Stillhormon Prolaktin hemmt die sexuelle Lust und das Bindungshormon Oxytocin sorgt dafür, dass sich alles nur noch um das Baby dreht. Der bloße Gedanke an Sex ist für mich grundsätzlich irgendwie anstrengend. Die Mutter als sexuelles Wesen, die sich im Bett ganz ohne schlechtes Gewissen austobt? Existiert in meiner Welt gerade nicht. Bei mir kickt die Lust derzeit so gar nicht und ich bin wohl ein Paradebeispiel für das Klischee, dass für Mamas nicht selten andere Dinge wichtiger sind als Sex.

Es tut gerade so unglaublich gut diese Worte aufzuschreiben, über dieses Thema zu sprechen und es endlich aus der Tabu-Ecke herausholen. Das hat sich auch Netflix gedacht und dem Thema Mutterschaft und Sex eine ganze Serie gewidmet.

Der heiße Ex als Lösung für sexuelle Unlust?

Wo früher pure Erotik herrschte, sind nun To-do-Listen, zerzauste Haare und ein flüchtiger Wangenkuss zur Begrüßung angesagt. Die Netflix-Serie SEX/LIFE erzählt die Geschichte einer Dreiecksbeziehung zwischen einer Frau, ihrem Mann und ihrer Vergangenheit, die einen provokanten Blick auf die weibliche Identität und deren Begehren wirft.

Billie Connelly (Sarah Shahi) ist verheiratet, Mutter und sexuell unerfüllt. Gemeinsam mit ihrem Mann lebt sie ein scheinbar perfektes Leben in einem Vorort von Connecticut. Doch irgendwann beginnt sie sich zu fragen, ob das jetzt schon alles im Leben gewesen ein soll. Schließlich war sie vor der Geburt ein wildes Single-Girl in New York und hat gemeinsam mit ihrer besten Freundin keinen Hottie anbrennen lassen. Der stressige Mama-Alltag treibt Billie nun an ihre Grenzen, deshalb beginnt sie Tagebuch zu führen und über ihre leidenschaftliche Beziehung mit ihrem heißen Ex zu fantasieren, der plötzlich sogar auf ihrer Matte steht – und dann findet ihr Mann auch noch das Tagebuch. Wird die Wahrheit über Billies Vergangenheit eine sexuelle Revolution in ihrer Ehe auslösen?

Mehr wird noch nicht verraten, lehnt euch einfach ab dem 25. Juni 2021 zur neuen Netflix-Serie SEX/LIFE zurück und genießt die Show.

Die Partnerschaft sollte mindestens einen so hohen Stellenwert haben wie das Kind

Dass man als frisch gebackene Mama keine Lust auf Sex hat, ist nicht unnormal. Kritisch wird es allerdings, wenn das Gefühl der sexuellen Unlust für mehr als vier bis sechs Monate nach der Geburt anhält. Das sagen jedenfalls Paartherapeuten. Schließlich sind Leidenschaft und Sex in einer Beziehung wichtig und gehören absolut dazu. Ich führe mit meinem Partner ja keine Zweck-WG. Je länger man allerdings abstinent lebt, desto schwieriger wird es irgendwann. Auf Dauer wird es nicht funktionieren. Es reicht eben nicht aus, nur gute Gespräche zu führen, zu kuscheln oder gute Eltern für das Kind zu sein.

Viele Paarberater berichten, dass einige Eltern sogar Skrupel davor haben, sich explizit Zeit für Zweisamkeit und Intimität zu nehmen – aus Angst, dass sie dann schlechte Eltern wären. Dabei ist es genau umgekehrt: Eine Partnerschaft funktioniert nur dann, wenn man auch mit der Sexualität zufrieden ist. Schließlich ist daraus ja auch das Kind entstanden. Experten raten daher, sich spätestens nach sechs Monaten wieder zu zweit zu verabreden und Zeit ohne den Nachwuchs zu verbringen. Dabei steht nicht unbedingt der Sex im Vordergrund, sondern gemeinsamer Spaß. Für den Anfang reicht auch erst einmal ein Coffee to go oder ein gemütlicher Spaziergang – ohne in dieser Zeit über das Baby zu reden.

Grundsätzlich ist die sexuelle Wiederannäherung eine Teamaufgabe, an der gemeinsam gearbeitet werden muss. Dann steht der nächste Sex hoffentlich schon in den Startlöchern. Vielleicht nicht heute, vielleicht nicht morgen. Aber die Lust kommt sicherlich zurück – bis dahin heißt es für mich: Date-Night, ich komme!

Judith Sylla

Ich habe zwei Kinder (2015 und 2019 geboren). Als Mama habe ich eines früh gelernt: Vorsätze sind da, um sie wieder über Bord zu werfen. Intuitiv handeln, statt nach Prinzipien, macht so ziemlich alles und alle entspannter.

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