Rolle weg, acht Tage vor Drehstart
Caro Cult, bekannt aus Produktionen wie „Babylon Berlin“, hatte die Hauptrolle in der ARD-Produktion „Schattenseite“ bereits sicher. Kostümproben und Vorbereitungen liefen, der Dreh stand kurz bevor.
Dann informierte sie die Produktionsfirma Dreamtool Entertainment über ihre Schwangerschaft.
Nur acht Tage vor Drehbeginn wurde sie ersetzt.
Der Fall ereignete sich bereits 2024 und landete schließlich vor dem Arbeitsgericht Berlin. Die Produktionsfirma erklärte die Umbesetzung mit Mutterschutzregelungen, geplanten winterlichen Nachtdrehs, Versicherungsfragen und organisatorischen Abläufen am Set. Eine schwangere Schauspielerin habe die Rolle unter diesen Bedingungen nicht übernehmen können.
Für Caro Cult war diese Begründung nicht nachvollziehbar. Ihrer Ansicht nach hätte sich die Schwangerschaft problemlos kaschieren lassen – notfalls auch mit einem Body-Double.
Besonders für Aufsehen sorgte jedoch eine Aussage, die ihre Agentin von einer Mitarbeiterin der Produktionsfirma gehört haben soll. Weil die Rolle mehrere intime Szenen beinhaltete, habe man erklärt:
Caro Cult habe als Schwangere nicht mehr den notwendigen Sex-Appeal
Die Produktionsfirma räumte später ein, dass diese Formulierung unangebracht gewesen sei. Ausschlaggebend für die Entscheidung sei sie jedoch nicht gewesen.
Kein Urteil – aber ein wichtiges Signal
Zu einem Gerichtsurteil kam es letztlich nicht. Beide Seiten einigten sich außergerichtlich: Die Produktionsfirma zahlt Caro Cult die Hälfte ihrer ursprünglich vereinbarten Gage.
Doch ums Geld ging es der Schauspielerin nach eigener Aussage nie.
Auf Instagram schrieb sie:
Es kann doch nicht sein, dass wir Mütter alle so tun, als würden wir keine Kinder bekommen – aus Angst, dass uns unsere Jobs weggenommen werden!
Außerdem machte sie deutlich, dass Frauen sich nicht zwischen Familie und Beruf entscheiden müssen sollten. Ihr Fazit: Die Branche sei noch immer nicht gleichberechtigt.
Kennst du einen Mann, der seinen Job verloren hat, weil er Vater wird?
Natürlich gibt es Berufe, in denen eine Schwangerschaft besondere Herausforderungen mit sich bringen kann. Bei Dreharbeiten müssen Abläufe geplant werden, bestimmte Szenen lassen sich nicht immer einfach verschieben und manchmal braucht es kreative Lösungen.
Aber genau hier liegt der entscheidende Punkt: Herausforderungen gibt es – doch warum führen sie so oft dazu, dass Frauen die beruflichen Konsequenzen tragen?
Denn die Frage ist: Kennst du einen Mann, der seinen Job verliert, weil er Vater wird? Oder der eine berufliche Chance nicht bekommt, weil er eine Familie gründen möchte?
Für die meisten dürfte die Antwort wohl nein lauten.
Frauen hingegen erleben noch immer, dass eine Schwangerschaft ihre berufliche Situation verändern kann. Sie werden bei Beförderungen übergangen, bei Bewerbungen kritischer betrachtet oder haben das Gefühl, ihre Familienplanung lieber nicht offen anzusprechen, um keine Nachteile zu riskieren.
Eine Schwangerschaft sollte kein Karriere-Risiko sein. Und dass diese Diskussion im Jahr 2026 überhaupt noch geführt werden muss, zeigt: Bei echter Gleichberechtigung im Job gibt es noch einiges zu tun.
Der Fall von Caro Cult ist deshalb viel mehr als eine Promi-Geschichte.
Er zeigt, dass viele Frauen offenbar immer noch das Gefühl haben, sich zwischen Karriere und Familie entscheiden zu müssen – oder zumindest befürchten, dass eine Schwangerschaft ihrer beruflichen Zukunft schaden könnte.
Solange Frauen sich fragen müssen, ob sie ihre Schwangerschaft lieber noch ein paar Wochen verschweigen, während Männer sich kaum Gedanken darüber machen müssen, ob ihnen die geplante Familiengründung beruflich schadet, sind wir von echter Gleichberechtigung noch ein gutes Stück entfernt.
Habst du selbst schon erlebt, dass eine Schwangerschaft im Job zum Problem wurde? Oder kennst du solche Geschichten aus deinem Umfeld? Erzählt uns deine Erfahrungen in den Kommentaren.
Zu schwanger für den Job? Schauspielerin Caro Cult verklagt Produktion
Von
Emmelie Feurer
24. Juli 2026