Würden wir es schaffen, nicht bei jedem ihrer Verdauungsprobleme direkt wieder ins Krankenhaus zu rasen?
Noch schlimmer wurde dieses Gefühl, als wir dann nach Hause durften. Mit im Gepäck: Ein Schreiben, dass wir künftig „in Krippe, Kita und Schule“ abgeben sollten, damit Erzieher*innen und Lehrer*innen auch wüssten, was zu tun sei, wenn unsere Tochter über starke Bauchschmerzen und Verstopfung klagen sollte. Nämlich den Krankenwagen rufen und die Kinderklinik informieren, dass ein Notfall auf dem Weg sei – und das, bevor sie uns anrufen. Denn bis heute kann keiner erklären, woher ihre Darmprobleme auf der Neonatologie kamen.
Ehrlich, ich sah uns beide mehrfach die Woche in der Notaufnahme mit einem schreienden Baby auf der Matte stehen. Und kein Auge zumachen. Ich hatte große Angst, die meine Freude auf der Heimfahrt trübte.
Um einmal zu spoilern: Irgendwie schafften wir es, nicht ein einziges Mal in die Klinik zu fahren.
Und zwar nicht, weil wir supercool waren – im Gegenteil. Und es ist auch nicht so, als hätten wir nie überlegt, zu fahren.
Aber sobald wir in Ruhe zu Hause waren, hatten wir irgendwie ein gutes Bauchgefühl, was unser Baby anging. (Dem hätten wir natürlich nicht blind vertraut, wenn etwas wirklich hätte brenzlig sein können!) Und auch unsere Tochter spürte wohl irgendwie, dass sie jetzt endlich angekommen war. In der ersten Nacht im Beistellbettchen schlief sie seelenruhig sieben Stunden durch. Vorher unvorstellbar!
Sie war ein entspanntes, ruhiges Baby. Man hört so oft: „Babys, die auf der Neonatologie waren, sind kleine Kämpfer!“ Was klingt wie eine Floskel, ist wahr. Wir wussten: Unsere Kleine hatte schon so viel geschafft! Und wir spürten: Trotz der wertvollen ersten Zeit ihres Lebens, die wir sie nicht bei uns zu Hause hatten, kannten wir sie gut.
Wir hatten ein Gefühl für sie: Nicht jedes Wimmern war ein Notfall. Bei weitem nicht.
Zudem hatten wir die Kinderkrankenschwestern, Ärztinnen und Ärzte auf der Neonatologie wochenlang erlebt und wussten, dass sie uns unser Baby nicht leichtfertig „mitgegeben“ hatten. Und letzten Endes hatten wir großes Glück mit unserem Kinderarzt und unserer Hebamme. Diese gaben uns ebenfalls viel Sicherheit und beantworteten mit ganz viel Geduld all unsere Fragen. Wieder und wieder.
Wir lernten, zu vertrauen. Uns und ihr. Wir ließen es langsam angehen, holten das Wochenbett nach.
Ließen das Leben dort draußen erstmal ohne uns weitergehen und genossen zu dritt unsere kleine Höhle. Und so erholten wir uns Tag für Tag kuschelnd von diesen traumatischen ersten Wochen.
Für alle, die sich gerade in einer ähnlichen Situation befinden: Verliert nicht den Mut. Und nicht das Vertrauen in euch selbst. Macht alles, was sich für euch richtig anfühlt:
• Fahrt in die Klinik, lieber einmal zu viel als zu wenig. Oder fahrt nicht.
• Holt euch Hilfe von außen, um auch mal Pause zu haben. Oder genießt die Zwei- oder Dreisamkeit.
• Und wer nur schwer mental wieder „auf die Beine“ kommt, der sollte sich besten Gewissens therapeutische Hilfe holen.
Denn das alles ist es wert! Ich schaue heute auf eine freche, „riesige“ Zehnjährige. Nichts mehr erinnert an ihr an das zarte, zu früh geborene Baby. Ich werde aber niemals vergessen, dass diese Sorglosigkeit nicht selbstverständlich ist.
Und wenn dein Baby gerade auf der Neonatologie liegt, hilft dir vielleicht dieser Text ein wenig:
Die Zeit steht still: 5 Tipps, um die Neonatologie zu überleben
Ich kann das sehr nachvollziehen.
Unser Kind wurde 9 Wochen zu früh wegen meiner Schwangerschaftsvergiftung geholt.
Und das auch noch zu Corona. Ich hatte nach dem Kaiserschnitt Fieber und durfte ihn nicht zusammen mit meinem Mann sehen am ersten Tag (die einzige Möglichkeit während Corona). Nach 22 Tagen haben wir ihn das erste Mal gemeinsam gesehen und vorher war eine anstrengende Zeit mit täglichem Wechsel – ein Tag Papa- ein Tag Mama.
Aber irgendwie haben wir die Zeit überstanden und heute merkt man meinem 5 Jährigen die Anfangszeit nicht mehr an.
Ich fühle mit allen Frühchen-Mamas aber du und auch dein Kind gehen stärker aus dieser Situation raus.
LG
Liebe J., ganz lieben Dank für deine Worte, ich habe mich sehr gefreut! Oh, dass das ganze während Corona noch viel nervenaufreibender war, kann ich mir sehr gut vorstellen!
Aber ich bin ganz glücklich zu lesen, dass es auch deinem Kind inzwischen rundum gut geht. Ein echter Segen, oder?
Ganz liebe Grüße, Laura