Ich muss zugeben: Als ich die Meldung der Tagesschau gelesen habe, musste ich erst einmal zweimal hinschauen. Zahnstocher als Trendprodukt? Kinder und Jugendliche, die auf aromatisierten Zahnstochern herumkauen und diese auf TikTok feiern? Davon hatte ich bislang noch nie gehört.
Experten warnen: Die harmlos anmutenden Holzstäbchen seien ein Einsteigerprodukt. Das Marketing sei dabei vor allem auf Kinder und Jugendliche ausgerichtet, um sie dauerhaft zum Konsum von Nikotinprodukten zu bringen. Die ersten Schulen treffen deswegen jetzt Maßnahmen und haben die Trend-Zahnstocher verboten.
Ein TikTok-Trend erobert die Klassenzimmer
Wie die Tagesschau berichtet, kursieren auf TikTok derzeit zahlreiche Videos über sogenannte Geschmacks-Zahnstocher. Es gibt sie beispielsweise mit Apfel-, Pfirsich-, Cola- oder Zimt-Aroma und sie werden nicht zur Zahnpflege genutzt, sondern als eine Art Lifestyleprodukt. Manche kauen darauf herum, andere nutzen sie zur Beschäftigung oder zum Entspannen.
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Das scheint besonders bei Jugendlichen und Kindern anzukommen. Immer wieder berichten Lehrkräfte, dass in ihren Klassen Schülerinnen und Schüler sitzen, die lässig auf den Zahnstochern herumkauen. „Wie kleine Cowboys“, erklärt der Konrektor einer Münchner Realschule gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. Auch in Grundschulen ist der Trend teilweise angekommen.
Okay – und wo ist da jetzt das Problem?
Den Experten geht weniger um die aromatisierten Zahnstocher selbst. Diese gelten nach aktuellem Stand als weitgehend unproblematisch, solange sie keinen Zucker enthalten.
Sorge bereiten vielmehr sogenannte Nikotin-Zahnstocher. Sie enthalten Nikotin und sind teilweise ebenfalls aromatisiert. Laut Tagesschau sind diese Produkte in Deutschland zwar nicht zugelassen, können aber relativ einfach über ausländische Online-Shops bestellt werden.
Suchtmedizinerin Andrea Rabenstein warnt: Kinder und Jugendliche könnten sich zunächst an die aromatisierten Zahnstocher gewöhnen und später leichter zu nikotinhaltigen Varianten greifen. Die Hemmschwelle sinke dadurch möglicherweise.
Nikotin gehört zu den Stoffen, die sehr schnell abhängig machen können. Besonders problematisch ist das bei Kindern und Jugendlichen, deren Gehirn sich noch entwickelt.
Hinzu kommt: Für Eltern ist kaum zu erkennen, ob ihr Kind auf einem harmlosen Geschmacks-Zahnstocher oder auf einer nikotinhaltigen Variante kaut. Optisch unterscheiden sich die Produkte kaum voneinander.
Gegenüber der Tagesschau erklärt Andrea Rabenstein, dass jede suchterzeugende Substanz, die bereits in jungen Jahren konsumiert wird, langfristige Auswirkungen auf das spätere Verhalten haben kann. Wer früh mit Nikotin in Kontakt kommt, hat ein höheres Risiko, dauerhaft abhängig zu werden oder später leichter andere Nikotinprodukte zu konsumieren.
„Auch wenn es am Anfang vielleicht nur die Zahnstocher mit Cola-Geschmack sind. In einem zweiten Schritt ist dann vielleicht doch auch mal Nikotin im Zahnstocher, weil sie verwechselt werden oder die Hemmschwelle sinkt.”
Laut der Tagesschau enthalten die Nikotin-Zahnstocher etwa 2 bis 6 Milligramm Nikotin. Zum Vergleich: Eine Zigarette enthält 2 Milligramm. Laut Andrea Rabenstein ist allerdings unklar, ob diese Menge beim Kauen dann auch tatsächlich aufgenommen wird.
Erste Versuche mit Probandinnen und Probanden deuten aber darauf hin, dass Nikotin aus den Zahnstochern schnell ins Blut gelangt. „Und je schneller eine Substanz im Gehirn ankommt, desto abhängiger macht sie“, so Andrea Rabenstein.
Was Eltern jetzt tun können
Die Expertin rät deshalb vor allem zu einem offenen Gespräch. Statt Vorwürfe zu machen oder sofort Verbote auszusprechen, sollten Eltern ihre Kinder über die Risiken von Nikotin informieren und nachfragen, was sie über den Trend wissen.
Denn viele Kinder begegnen solchen Produkten heute zuerst auf TikTok oder anderen sozialen Netzwerken. Umso wichtiger ist es, dass sie die möglichen Gefahren kennen, bevor aus einem vermeintlich harmlosen Trend mehr wird.
Habt ihr von diesen Zahnstochern schon gehört oder sind sie euch an eurer Schule beziehungsweise bei euren Kindern bereits begegnet?
Zahnstocher-Verbot an Schulen: Experten warnen vor neuer Sucht
Von
Lena Krause
24. Juni 2026