Mehr Betreuungsplätze könnten für Mütter nicht nur den Familienalltag erleichtern, sondern sich auch langfristig auf den eigenen Verdienst auswirken. Eine neue Untersuchung zeigt, wie groß dieser Effekt tatsächlich sein kann.

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    Wie der SPIEGEL berichtet, führt der Ausbau der Kinderbetreuung dazu, dass Mütter nach der Geburt häufiger wieder in Vollzeit arbeiten und langfristig mehr verdienen. Besonders spannend dabei: Der Effekt endet offenbar nicht, sobald das Kind aus dem Kita-Alter heraus ist, sondern kann die berufliche Entwicklung von Müttern noch viele Jahre später beeinflussen.

    Wenn die Betreuung stimmt, verändert sich auch die Karriere

    Für die Untersuchung hat das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) betrachtet, wie sich der Ausbau der öffentlichen Kinderbetreuung für unter Dreijährige auf die Erwerbsverläufe von Müttern ausgewirkt hat. Dabei wurden Frauen untersucht, die zwischen 2001 und 2014 ihr erstes Kind bekamen und vor der Geburt bereits berufstätig waren.

    Das Ergebnis fällt deutlich aus: Dort, wo mehr Betreuungsplätze zur Verfügung standen, arbeiteten Mütter nach der Geburt langfristig häufiger in Vollzeit und waren seltener in geringfügiger Beschäftigung, etwa einem Minijob. Diese Veränderungen wirken sich wiederum auf das Einkommen aus und können damit auch für die weitere berufliche Entwicklung entscheidend sein.

    Die frühkindliche Betreuung beeinflusst auch die weitere Karriereentwicklung von Müttern dauerhaft

    erklärt IAB-Forscherin Lisa-Marie Duletzki.

    Gerade die ersten Jahre können entscheidend sein

    Nach der Geburt des ersten Kindes reduzieren viele Mütter ihre Arbeitszeit oder steigen zunächst ganz aus dem Beruf aus. Was als vorübergehende Lösung für die ersten Jahre gedacht ist, kann allerdings langfristige Folgen haben: Wer über längere Zeit weniger arbeitet, verdient nicht nur aktuell weniger, sondern hat häufig auch schlechtere Voraussetzungen für die weitere berufliche Entwicklung.

    Ein ausreichendes Betreuungsangebot kann hier einen entscheidenden Unterschied machen, weil es Müttern ermöglicht, früher wieder mehr zu arbeiten, wenn sie das möchten.

    Laut der Untersuchung gingen 56 Prozent des gesamten Rückgangs bei den Erwerbseinbußen von Müttern auf den Ausbau der Kinderbetreuung zurück.

    Homeoffice mit Kleinkind: Für viele Mütter gehört der Spagat zwischen Job und Familienalltag zum Alltag. Gute Betreuung kann dabei neue Freiräume schaffen.
    Homeoffice mit Kleinkind: Für viele Mütter gehört der Spagat zwischen Job und Familienalltag zum Alltag. Gute Betreuung kann dabei neue Freiräume schaffen. Foto: unsplash

    Besonders dort, wo vorher kaum Plätze vorhanden waren

    Besonders deutlich zeigte sich der positive Effekt in Regionen, in denen Mütter ihre Erwerbstätigkeit nach der Geburt zuvor besonders stark reduziert hatten. Gleichzeitig waren dort die Betreuungsquoten für unter Dreijährige häufig vergleichsweise niedrig.

    Das legt laut den Forschern nahe, dass gerade dort ein besonders großer Bedarf an zusätzlichen Plätzen bestand. Sobald mehr Betreuungsmöglichkeiten geschaffen wurden, konnten Mütter ihre Arbeitszeit offenbar leichter wieder erhöhen.

    Noch immer fehlen extrem viele Plätze

    Ganz entspannt ist die Situation in Deutschland allerdings längst nicht.

    Nach Angaben der IAB-Forscherin fehlen derzeit noch rund 300.000 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren.

    Die Untersuchung macht damit deutlich, dass Kinderbetreuung weit mehr ist als eine Frage der Organisation im Familienalltag. Sie kann darüber mitentscheiden, ob eine Mutter nach der Geburt den Anschluss an ihren Beruf halten kann, wie sich ihr Einkommen entwickelt und welche Möglichkeiten ihr später offenstehen.

    Auch für die Kinder kann die Kita eine wertvolle Zeit sein – mit neuen Freundschaften, gemeinsamen Erlebnissen und ganz viel Raum zum Spielen und Entdecken.
    Auch für die Kinder kann die Kita eine wertvolle Zeit sein – mit neuen Freundschaften, gemeinsamen Erlebnissen und ganz viel Raum zum Spielen und Entdecken. Foto: pexels

    Es geht um mehr als nur ums Geld

    Bei einer solchen Studie könnte man schnell denken: Mehr Kita-Plätze sorgen dafür, dass Mütter wieder mehr arbeiten und dadurch mehr verdienen. Doch eigentlich steckt dahinter eine viel größere Frage – nämlich die, wie frei Mütter ihre eigene berufliche Zukunft überhaupt gestalten können.

    Denn natürlich möchte nicht jede Mutter möglichst schnell wieder in Vollzeit arbeiten. Manche möchten länger zu Hause bleiben, andere würden gerne früher zurück in den Beruf, wieder andere wünschen sich zunächst Teilzeit und wollen ihre Stunden später erhöhen. All diese Entscheidungen sollten möglich sein, ohne dass die fehlende Kinderbetreuung am Ende vorgibt, welche davon überhaupt realistisch ist.

    Genau deshalb ist ein Kita-Platz eben nicht nur ein Platz für ein Kind. Er kann für eine Mutter auch bedeuten, dass sie ihren Beruf weiterführen, finanziell unabhängiger bleiben und ihre Arbeitszeit so gestalten kann, wie es zu ihrem Leben passt.

    Umso wichtiger ist es, dass es ausreichend verlässliche Kinderbetreuung gibt. An Kita-Plätzen darf deshalb nicht gespart werden. Denn sie sind nicht nur eine Entlastung für Familien, sondern können entscheidend dafür sein, welche beruflichen und finanziellen Möglichkeiten Müttern offenstehen.

    Hat die Kinderbetreuung bei euch eher für Entlastung gesorgt – oder war die Suche nach einem Platz selbst schon eine Belastung? Schreibt es in die Kommentare.