„Ich bin Lena, 37 Jahre alt und Mama von zwei Jungs. Als mein Mann und ich Freunden und Familie erzählt haben, dass wir mit unseren Kindern auf Weltreise gehen wollen, hielten manche das für verrückt. Ehrlich gesagt fühlte es sich manchmal selbst ein bisschen verrückt an.
Doch nach einem Beinahe-Unfall wurde uns klar, dass wir nicht ewig auf den richtigen Zeitpunkt warten wollten. Also haben wir unseren Traum wahr gemacht und sind für 133 Tage mit AIDA auf Weltreise gegangen. Heute weiß ich: Diese Entscheidung hat nicht nur unser Leben bereichert, sondern auch unsere Kinder geprägt – auf eine Weise, die wir vorher nie hätten erahnen können. Hier kommt der ganze Bericht ⬇️
„Wir leben jetzt, nicht später.“
Eigentlich begann unsere Weltreise lange bevor wir in Hamburg an Bord gingen. Damals planten wir noch eine ganz andere Reise. Doch dann hatten wir beinahe einen schweren Autounfall, zum Glück ist nichts passiert. Trotzdem hat dieser Moment etwas in uns verändert. Uns wurde bewusst, wie zerbrechlich alles sein kann und wie oft wir unsere Träume auf irgendwann verschieben.
Der Satz „Wir leben jetzt, nicht später“ wurde zu unserem Motto. Wir wollten nicht auf den perfekten Zeitpunkt warten. Nicht darauf, dass die Kinder größer sind, dass wir mehr Zeit haben oder dass alles noch ein bisschen besser passt. Denn vermutlich hätte es immer einen Grund gegeben, die Reise nicht zu machen. Also haben mein Mann Richard und ich in unseren Jobs Elternzeit genommen und unseren Traum verwirklicht.
Am 10. November 2025 standen wir mit unseren beiden Söhnen am Hamburger Hafen. Unser Großer war damals acht Jahre alt, unser Kleiner vier. Vor uns lagen 133 Tage auf See, 55 Häfen und vier Kontinente. Mit AIDA ging es zunächst über England nach Nordamerika, weiter durch Mittelamerika und den Panamakanal bis an die Westküste der USA. Von dort fuhren wir nach Hawaii, später weiter nach Japan, Südkorea, Taiwan und Südostasien. Über Sri Lanka, die Malediven, die Seychellen und Südafrika führte uns die Route schließlich zurück nach Europa. Tatsächlich bietet AIDA jedes Jahr eine Weltreise an (man kann auch nur Teilstücke buchen) – und genau dieses Abenteuer hatten wir uns vorgenommen.
Natürlich waren wir aufgeregt, aber noch größer war die Vorfreude. Trotzdem dauerte es eine Weile, bis ich wirklich begriff, was wir da eigentlich machten. Der Moment kam in New York. Schon die Einfahrt war ein absoluter Gänsehautmoment. Als die Skyline langsam vor uns auftauchte, standen wir wie gebannt an Deck. Für einen Augenblick fühlte sich alles unwirklich an. Da waren wir nun – mit unseren Kindern auf Weltreise. Ich glaube, genau in diesem Moment wurde uns klar, dass wir uns gerade einen Lebenstraum erfüllten.
„Zum ersten Mal fühlte es sich nicht mehr wie eine Kreuzfahrt an, sondern wie eine echte Weltreise.“
Die zwei Tage dort waren unglaublich intensiv. Wir liefen durch die Straßen, schauten uns alles an und versuchten, jeden einzelnen Eindruck aufzusaugen. Abends waren wir völlig erschöpft, aber auf eine gute Art. Immer wieder dachte ich: Wie unglaublich besonders ist es, diese Momente gemeinsam mit meinen Kindern erleben zu dürfen?
Unser Leben zwischen Abenteuer und Alltag
Mit der Zeit passierte etwas, womit ich gar nicht gerechnet hatte. AIDA wurde für uns nicht einfach nur ein Schiff, sondern unser Zuhause. Der Ort, an den wir nach jedem Abenteuer zurückkehrten, an dem unsere Kinder Freundschaften schlossen, wir gemeinsam frühstückten und jeden Abend von den Erlebnissen des Tages erzählten. Irgendwann konnten wir uns kaum noch vorstellen, wie es sein würde, dieses Zuhause wieder zu verlassen. Unsere Kinder fühlten sich dort unglaublich schnell wohl. Sie wussten genau, wo sie hinmussten, kannten ihre Lieblingsorte und bewegten sich an Bord mit einer Selbstverständlichkeit, die mich manchmal selbst überrascht hat.
Rückblickend war genau das einer der größten Vorteile der Weltreise auf AIDA. Obwohl wir ständig neue Länder und Kulturen entdeckten, mussten wir nicht jeden Abend in einem anderen Hotel ankommen oder ständig Koffer packen. Unser Zuhause reiste einfach mit uns mit. Für die Kinder bedeutete das Vertrautheit und Sicherheit – und für uns Eltern deutlich weniger organisatorischen Stress.
„AIDA war unser Zuhause auf Zeit.“
Und wie in jedem Zuhause entwickelte sich irgendwann ein Alltag. Wir standen morgens auf, gingen frühstücken, die Kinder besuchten den Kids Club, ich machte Sport oder plante die nächsten Ausflüge. Irgendwann wurden selbst die Landgänge fast zur Routine. Rucksack packen, an alles denken, rechtzeitig losgehen und natürlich immer im Blick behalten, wann man wieder zurück an Bord sein musste.
Gerade diese Mischung aus Abenteuer und Alltag hat die Reise für uns so besonders gemacht. Wir waren nicht einfach nur Touristen, wir haben auf dem Schiff gelebt. Außerdem entstanden unterwegs viele besondere Begegnungen. Obwohl (oder vielleicht gerade weil) der Altersdurchschnitt auf unserer Reise deutlich höher war als unser eigener, fanden Familien mit Kindern schnell zueinander. Oft schlossen die Kinder zuerst Freundschaften und die Eltern dann gleich mit. Manche dieser Kontakte sind bis heute geblieben. Vielleicht, weil man auf einer Reise wie dieser gemeinsam Erfahrungen macht, die man nie wieder vergisst.
Feiertage mitten auf dem Ozean
Zu den schönsten Erinnerungen der gesamten Reise gehört für mich Weihnachten. Wenn ich daran zurückdenke, spüre ich sofort wieder diese besondere Ruhe. Kein Vorweihnachtsstress, keine endlosen Besorgungen, keine Termine. Nur wir vier, mitten auf dem Meer.
Zu Hause habe ich oft das Gefühl, dass Weihnachten von Jahr zu Jahr hektischer wird. Dass sich vieles um Geschenke, Organisation und Essen dreht. Auf See war das anders. Wir konnten uns vollkommen aufeinander konzentrieren.
„Weihnachten auf See war für uns viel besinnlicher, als wir es von zu Hause kannten.“
Es waren keine großen Geschenke oder spektakulären Programmpunkte, die dieses Weihnachten für mich so besonders gemacht haben. Es war dieses Gefühl, als Familie ganz bei sich zu sein. Ohne Ablenkung, ohne Hektik, ohne Verpflichtungen. Wenn ich heute an die Reise zurückdenke, gehört dieses Weihnachtsfest noch immer zu den Momenten, die mich am meisten berühren.
Auch Abenteuer können anstrengend sein
So traumhaft die Reise war, sie war nicht immer leicht. Viele Menschen stellen sich eine Weltreise wie einen viermonatigen Urlaub vor. Die Wahrheit sieht allerdings etwas anders aus. Auf unserer Route gab es Phasen mit unglaublich vielen Hafenstopps hintereinander. Teilweise erkundeten wir acht verschiedene Orte fast ohne Pause dazwischen. Kaum hatten wir die Eindrücke eines Tages verarbeitet, wartete schon das nächste Abenteuer.
Irgendwann merkt man, dass selbst die schönsten Erlebnisse anstrengend werden können. Man möchte aus jedem Stopp das Beste herausholen. Schließlich weiß man nicht, ob man jemals wieder dorthin zurückkehrt. Doch genau dieser Anspruch kann einen manchmal auch überfordern.
„Am Abenteuer selbst habe ich nie gezweifelt. Aber manchmal wäre eine Pause vom Abenteuer gut gewesen.“
Rückblickend wird mir klar, wie wichtig die Seetage dazwischen waren. Sie gaben uns die Möglichkeit, durchzuatmen und die vielen Eindrücke zu verarbeiten. Einfach mal nichts zu müssen. Manchmal blieben wir sogar bewusst an Bord, während andere Gäste einen Ausflug machten. Früher hätte ich vielleicht gedacht, dass man dadurch etwas verpasst, aber heute weiß ich: Manchmal gewinnt man genau dadurch etwas.
Die größten Veränderungen nahmen wir erst nach der Reise wahr
Wenn ich gefragt werde, was die Reise mit unseren Kindern gemacht hat, muss ich nicht lange überlegen. Sie hat sie verändert, und zwar auf die schönste Art. Unser jüngerer Sohn machte plötzlich riesige Entwicklungsschritte beim Sprechen. Beide Kinder wurden selbstständiger, mutiger und selbstbewusster. Sie lernten schwimmen, fanden neue Freunde und meisterten Situationen, die sie vorher vielleicht noch verunsichert hätten.
Vor allem aber lernten sie von den Menschen um sie herum. Nicht nur von uns als Eltern, sondern auch von den Menschen um sie herum. Von anderen Kindern oder von den Mitreisenden. Sie haben Dinge erlebt, Abenteuer bestanden und sind daran gewachsen.
Viele der besonderen Momente ihrer Weltreise hat Lena übrigens auch auf Instagram festgehalten. Wer noch mehr Eindrücke von der Reise der Familie sehen möchte, findet diese auf ihrem Account @familie2go.
„Die Kinder sind nach dieser Reise nicht mehr dieselben.“
Wenn wir heute Fotos anschauen, sehe ich nicht nur die Orte, die wir besucht haben. Ich sehe auch, wie sehr unsere Kinder gewachsen sind. Und das ist wahrscheinlich das größte Geschenk, das uns diese Reise gemacht hat.
Was ich über mich selbst gelernt habe
Mindestens genauso viel gelernt habe allerdings ich. Als Mama hat man oft das Gefühl, immer zuerst für alle anderen da sein zu müssen: Für die Kinder, den Partner, die Familie. Die eigenen Bedürfnisse kommen häufig ganz zum Schluss. Auf der Reise habe ich versucht, das zu ändern. Ich habe mehr Sport gemacht, gesünder gegessen und mir bewusst Zeit genommen, ein Buch zu lesen oder einfach aufs Meer zu schauen. Das klingt vielleicht nicht spektakulär aber genau diese kleinen Momente haben mir gezeigt, wie wichtig sie sind.
„Wir Mamas dürfen uns selbst nicht verlieren.“
Diese Erkenntnis habe ich mit nach Hause genommen. Und vielleicht ist sie genauso wertvoll wie all die Erinnerungen an New York, Japan oder Weihnachten auf See.
Wirf deine Zweifel über Bord
Wenn mich heute eine Mutter fragt, ob ich eine solche Reise empfehlen würde, lautet meine Antwort ganz klar: Ja. Nicht, weil immer alles perfekt war. Nicht, weil es keine anstrengenden Tage gab. Sondern weil wir als Familie Erinnerungen gesammelt haben, die uns niemand mehr nehmen kann.
Es sind die großen Momente, an die ich denke. Die Einfahrt nach New York. Weihnachten mitten auf dem Ozean. Unser Tag im Kimono in Kyoto. Aber genauso die vielen kleinen Augenblicke dazwischen, die wir sonst vielleicht nie miteinander gehabt hätten.
„Die Erinnerungen an diese Zeit – an Bord und an Land – kann mir niemand mehr nehmen.“
Ich bin unendlich dankbar, dass wir den Mut hatten, diese Reise zu machen. Die Erinnerungen an diese Zeit werden uns ein Leben lang begleiten. An Bord und an Land haben wir so viele besondere Momente gesammelt, dass ich manchmal selbst kaum glauben kann, dass wir das alles wirklich erlebt haben. Und wenn mich heute jemand fragt, ob ich es wieder tun würde, muss ich keine Sekunde überlegen: sofort.
„Wir leben jetzt, nicht später“: Was 133 Tage Weltreise mit unserer Familie gemacht haben
Von
Johanna Putensen
14. Juli 2026