„Mein Mann und ich haben uns sehr jung kennengelernt: Er war 14, ich war 16 Jahre alt. Mit 17 wurde ich zum ersten Mal Mama und David mit 15 zum ersten Mal Papa. Aus zwei wurden drei und unser Leben bekam plötzlich eine ganz neue Richtung. Unsere kleine Familie wuchs weiter.
Als wir vor zwei Jahren über ein weiteres Kind gesprochen haben, waren wir bereits Eltern von fünf Kindern. Zu dem Zeitpunkt waren wir 25 und 27 Jahre alt und seit sieben Jahren verheiratet.
Unser Alltag war natürlich auch damals schon voll, aber gleichzeitig recht strukturiert. Wir arbeiten beide in der Versicherungsbranche – mein Mann in der privaten und ich in der gesetzlichen Versicherung. Außerdem planten wir zu dieser Zeit den Umzug in unser jetziges Haus.
Der Wunsch nach vielen Kindern war nie ein großer Plan. Es war eher ein Bauchgefühl. Diese Ahnung, dass unsere Familie vielleicht noch nicht ganz komplett ist und da noch jemand fehlt.
Das Gespräch über ein weiteres Kind kam auf, als wir darüber nachgedacht haben, wie wir künftig verhüten möchten. Also ob wir einen endgültigen Schlussstrich ziehen oder uns die Möglichkeit noch offenhalten.
Für uns stand allerdings immer fest, dass wir unsere Familienplanung bis zu meinem 30. Geburtstag abgeschlossen haben möchten. Deshalb haben wir entschieden, es einfach auf uns zukommen zu lassen.
An den Moment, als ich erfahren habe, dass ich schwanger bin, erinnere ich mich sehr gut.
Als der Test positiv war, war meine erste Reaktion ehrlich gesagt nicht Freude, sondern eher Angst. Wir hatten bereits ein Jahr gehofft und mussten uns auch schon von einer Schwangerschaft wieder verabschieden. Deshalb war meine größte Sorge, dass ich das Baby wieder früh verlieren könnte.
Natürlich wurde ich nach fünf Jungs oft gefragt, ob wir uns ein Mädchen gewünscht haben. Der Gedanke war natürlich da. Aber es war nie unser Ziel, so lange Kinder zu bekommen, bis ein Mädchen dabei ist.
Das Geschlecht spielte in diesem Moment, als ich den positiven Test in den Händen hielt, überhaupt keine Rolle.
Ich wollte einfach nur, dass die Schwangerschaft bleibt.
Bei der Untersuchung in der siebten Woche war noch alles ganz normal: ein Baby. Alles sah gut aus.
Als ich in der zehnten Woche wieder zur Kontrolle kam, ging es mir allerdings schon extrem schlecht. Ich konnte kaum noch Essen oder Trinken bei mir behalten. Trotzdem habe ich mir dabei nichts gedacht.
Beim Ultraschall wurde mein Arzt plötzlich still. Er schaute auf den Bildschirm, dann zu mir und fragte: ‚Sehen Sie das auch?‘
Ich sagte nur: „Aber letztes Mal war da doch nur eins.“ Und er antwortete: „Ja. Aber jetzt sind es drei.“ Das fühlte sich völlig unwirklich an.
Drei kleine Herzchen auf einmal.
Ich glaube, ich habe zuerst versucht, das irgendwie wegzulachen, weil mein Kopf gar nicht realisieren konnte, was da gerade passiert ist. Erst als ich die Praxis verließ, brach ich in Tränen aus.
Aber nach dem ersten Schock haben wir uns relativ schnell damit angefreundet, Drillinge zu erwarten.
Doch beim nächsten Termin, eine Woche später, wieder ein Schock.
Der Arzt entdeckte plötzlich noch ein viertes Baby. Von da an wurde er ernst.
Er kannte meine Vorgeschichte und sagte offen, dass er nicht glaubt, dass mein Körper eine Vierlingsschwangerschaft schaffen würde. Er riet zu einem Abbruch oder einer Reduktion.
In diesem Moment hat es mir komplett den Boden unter den Füßen weggezogen.
Dieser Gefühlszustand hielt noch einige Wochen an.
Ich fühlte mich wie in einem Albtraum gefangen – obwohl da eigentlich Freude hätte sein sollen.
Wir bekamen einen Termin im Pränatalzentrum zur frühen Feindiagnostik und zur Beratung über eine mögliche Reduktion. Das war einer der schwersten Momente dieser Schwangerschaft.
Mein Mann und ich sind eigentlich mit der Überzeugung dorthin gefahren, alle vier Babys auszutragen – auch wenn die ärztliche Empfehlung eine andere war. Doch dort kam alles anders.
Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass eines der Babys nicht gesund war. Gleichzeitig wurden wir sehr deutlich mit Aussagen konfrontiert, die sich mir bis heute eingebrannt haben. Der Arzt sagte Dinge wie: „Sie haben ja schon genug Kinder.“
Er riet uns dringend dazu, maximal Zwillinge auszutragen – besser sogar nur ein Baby.
Und er stellte sogar die Frage, ob wir überhaupt Platz für vier Pflegebetten hätten.
Leider wurde uns nur sehr wenig Empathie entgegengebracht. Er sprach nicht von möglichen Risiken, sondern davon, dass die Kinder als lebensunfähige Frühchen zur Welt kommen würden oder alle schwerste Behinderungen hätten.
Wir haben uns deshalb einen weiteren Termin bei einem anderen Arzt geben lassen, um die Chancen für unser viertes Baby besser einschätzen zu können.
Am Ende standen wir vor einer Entscheidung, die kein Elternpaar treffen möchte.
Gegen den ärztlichen Rat haben wir uns dafür entschieden, unseren drei gesunden Babys eine Chance zu geben, aber das vierte ließen wir los.
Es war die schrecklichste Entscheidung, die ich jemals treffen musste. In dieser ganzen Zeit habe ich sehr viel geweint.
Der Eingriff wurde Ende der 13. Schwangerschaftswoche vorgenommen. Mein Mann hatte damals die Idee, einen Stern zu taufen und ihm einen Namen zu geben. Das hat mir geholfen ein Stück Trost zu finden.
Bis zur 22. Woche verlief die weitere Schwangerschaft mit den Drillingen ruhig. Ich konnte wieder im Homeoffice arbeiten und empfand diese Wochen als sehr einfach im Vergleich zu der Zeit vorher.
Dann änderte sich plötzlich alles.
Nach starken Blutungen wurde ich ins Krankenhaus gebracht. Plötzlich stand alles auf der Kippe. Da unsere Heimatklinik drei so kleine Frühchen nicht gleichzeitig versorgen konnte, wurde ich in ein Perinatalzentrum mit Maximalversorgung verlegt – etwa 130 Kilometer von zuhause entfernt. Dort bekam ich Lungenreife und wurde stetig überwacht.
Von da an war es ein ständiges Auf und Ab aus Wehen, Blutungen und der Frage, wie lange mein Körper noch durchhält. Ich hatte Bettruhe, durfte nur die nötigsten Wege gehen und sollte mich möglichst schonen, denn zu viel Bewegung verschlimmerte die Situation.
Jeder weitere Tag war Gold wert.
Anfang der 26. Woche konnte ich wieder in meine Heimatklinik verlegt werden – und dann bahnte sich auch schon recht zeitnah die Geburt der Jungs an.
Bei 25+6 sind unsere Jungs dann am 21.02.2025 geboren.
Wir hatten gehofft, dass wir es noch länger schaffen würden. Aber in der Nacht bekam ich wieder Blutungen und Wehen, die sich nicht mehr aufhalten ließen.
Also wurde beschlossen, die Babys zu holen, bevor es am Wochenende zu einem Notfall kommen würde. Ich erinnere mich noch, wie ich meinen Mann anrief und nur noch geweint habe.
Da waren so viele Gefühle gleichzeitig:
Angst vor der Operation, Angst vor der Zeit auf der Neonatologie, die Sehnsucht nach unseren Kindern zuhause – aber auch Erleichterung, weil mein Körper einfach nicht mehr konnte.
Kurz vor 14 Uhr ging es dann in den OP. Mein Mann war bei mir und hielt meine Hand. Das Team war unglaublich ruhig und behutsam und ich durfte wach bleiben. Das hatte ich mir trotz meiner Angst sehr gewünscht.
Nach der OP durfte ich direkt mit unserem dritten Drilling bonden. Das war trotz all der Umstände unglaublich heilsam.
Unsere ersten Wochen als achtfache Eltern waren vor allem geprägt vom Leben zwischen Zuhause und Krankenhaus.
Die Drillinge mussten nach ihrer Geburt noch lange auf der Neonatologie bleiben, während zuhause ihre fünf großen Brüder auf uns gewartet haben.
Unser Alltag bestand aus Besuchen auf der Neo, Fahrten zwischen Krankenhaus und Zuhause und dem Versuch, allen Kindern irgendwie gerecht zu werden.
Es war eine intensive und auch anstrengende Zeit, natürlich auch mit Ängsten und Sorgen verbunden – aber genauso auch mit wunderschönen Erinnerungen.
Nach dreieinhalb Monaten in der Klinik ging es dann endlich nach Hause ins richtige Familienleben. Ich empfand diesen Start als sehr angenehm, weil so viel Last endlich von uns abfallen durfte.
Unser Alltag ist tatsächlich weniger chaotisch, als viele denken.
Natürlich braucht es mit so vielen Kindern eine gewisse Struktur – sonst würde es nicht funktionieren.
Viele Dinge laufen bei uns inzwischen einfach routiniert. Jeder hat seinen Platz im Familienalltag. Mein Mann fährt die Kinder zur Kita und holt sie in meiner aktuellen Elternzeit auch wieder ab. Freizeitaktivitäten teilen wir uns auf, damit jeder der Jungs auch Zeit bekommt.
Den Haushalt haben wir schon immer gemeinsam erledigt. Auch unsere Kinder übernehmen einfache Aufgaben – altersgerecht und ohne sie zu überfordern.
Heute geht es den drei Jungs wirklich gut.
Sie sind mit den kleinen, typischen Wehwechen, die viele Frühchen haben, gesund und fit lediglich kleiner und leichter als Gleichaltrige.
Aktuell haben sie ein korrigiertes Alter von etwa 9 Monaten und entwickeln sich auch ungefähr so. Natürlich merkt man an manchen Stellen noch, dass sie Extremfrühchen sind, aber insgesamt machen sie tolle Fortschritte.
Unser dritter Drilling hatte es von Anfang an ein kleines bisschen schwerer als seine Brüder.
Er ist momentan eher auf dem Entwicklungsstand eines etwa sieben Monate alten Kindes. Um ihn hatten wir lange etwas mehr Sorge, bei ihm wurde eine Stoffwechselauffälligkeit festgestellt, bei der wir aktuell noch in der Diagnostik sind.
Nach allem, was wir bisher wissen, ist das aber nichts, was ihn in seiner Entwicklung stark einschränkt.
Obwohl wir wissen, dass wir für uns als Familie die richtigen Entscheidungen getroffen haben, erwische ich mich immer wieder bei dem Gedanken, wie es wohl gewesen wäre, wenn wir vier Babys bekommen hätten oder wie sie heute zu viert hier liegen würden.
Es gibt immer mal Tage, an denen die Gefühle mich einholen. Dann denke ich darüber nach, ob es doch eine andere Möglichkeit gegeben hätte.
Ich glaube, solche Gedanken werden mich noch eine ganze Zeit begleiten.
Aber es hat uns als Familie noch enger zusammengeschweißt und unseren Zusammenhalt unglaublich gestärkt.
Wenn ich heute auf die erste Zeit mit unseren Drillingen zurückblicke, wird mir vor allem eines bewusst: Wie wenig man im Leben wirklich planen kann. Innerhalb weniger Wochen hat sich unser ganzes Leben mehrfach komplett verändert.
Ich habe aber auch gelernt, welche Kraft der Körper haben kann, obwohl man denkt, man ist längst am Limit angekommen. Und wie viel Stärke man entwickeln kann, wenn es um die eigenen Kinder geht.”
Vielen Dank, liebe Line, dass wir deine Geschichte erzählen durften! Möchtest du mehr über Lines Alltag mit ihren acht Jungs erfahren? Dann folge ihr gerne bei Instagram: tripletsplusfive
„Wir hatten schon 5 Kinder, als sich Vierlinge ankündigten”
Von
Lena Krause
26. März 2026