Ich bin Daniela, bald 46 Jahre alt und zu meiner Familie gehören mein Ehemann, zwei Teenie-Girls (15 und 18), drei Hunde und ein Pferd.
Weil wir noch Platz in unseren Herzen hatten, sind wir 2020 zum ersten Mal eine Pflegefamilie geworden.
Unsere Entscheidung fiel mitten in der Coronazeit, was uns in diesem Fall wirklich geholfen hat. Denn alles ging sehr schnell: Es lief online, wir mussten nirgends persönlich hin und waren dadurch sehr schnell mit dem Bewerbungsprozess durch.
Wir haben uns (blauäugig) ans örtliche Jugendamt gewandt, was sich im Nachhinein als großer Fehler herausstellen sollte.
Zunächst lief alles perfekt, wir fühlten uns gut aufgehoben und waren überrascht von der Schnelligkeit und der unkomplizierten Art und Weise.
Doch dann löste sich unser ursprünglicher Plan in Luft auf.
Eigentlich wollten wir ein Baby direkt aus dem Kreißsaal übernehmen. Alles stand fest, alles war fertig und wir haben nur auf den Anruf gewartet. Der kam auch, aber anders als gedacht: ‚Tut uns leid, die Mutter ist in einen anderen Kreis gezogen und somit sind wir nicht mehr zuständig.‘
Doch dann kam direkt ‚Plan B‘ – ein Kind, das schon längere Zeit in der Bereitschaftspflege untergebracht war.
Für uns war von Anfang an klar, dass wir offen für alles sind. Mit der passenden Unterstützung wäre uns kein Weg zu schwer.
Unsere leiblichen Kinder hatten bereits ein Alter, in dem sie auch ohne große Unterstützung unsererseits klarkamen. Ich denke, dass wusste das Amt genau und sie hatten (als der Fall wieder auf den Tisch kam) direkt den Gedanken, dass wir die Richtigen sein könnten.
Vom ersten Gedanken bis zum Einzug des Kindes ist nicht mal ein halbes Jahr vergangen.
Nach dem Einzug hatten wir zwar einen Ansprechpartner, der uns unterstützen sollte. Allerdings gestaltete sich die persönliche Kommunikation durch Corona leider schwierig.
Die erste Zeit war super, das Kind hat in unserer Familie enorme Fortschritte gemacht. Es hat zum Beispiel Laufen gelernt – es leider jedoch einige Zeit später wieder verlernt.
Und dann fingen auch die ersten Probleme an.
Im Laufe der Zeit wurde uns immer mehr bewusst, dass die Herausforderungen deutlich umfangreicher waren, als wir sie zu Beginn eingeschätzt hatten. Auf medizinische oder persönliche Einzelheiten möchte ich zum Schutz des Kindes nicht eingehen.
Der Betreuungsbedarf wurde schließlich so hoch, dass wir praktisch rund um die Uhr gefordert waren und irgendwann an unsere Grenzen kamen.
Nach etwa 1,5 Jahren waren wir psychisch und körperlich am Ende.
Wir brauchten jetzt Hilfe, egal ob Corona oder nicht. Diese Hilfe sollten wir uns dann selbst suchen und haben nach einem Babysitter geschaut. Es gab acht Bewerber*innen, aber alle haben uns abgesagt, weil sie es sich nicht zugetraut haben.
Gewünscht hätten wir uns in dieser Situation, dass sofort jemand kommt und gemeinsam mit uns überlegt, plant und umsetzt.
Tatsächlich wurde uns damals sinngemäß vermittelt, dass die besonderen Bedürfnisse des Kindes eigentlich eine Familie mit entsprechender Erfahrung bzw. deutlich intensiver fachlicher Unterstützung erfordert hätten.
Das hat dann also letztendlich zum Abbruch des Pflegeverhältnisses geführt.
Und dieses Ende hat sich eingebrannt. Es war so schlimm, kaum in Worte zu fassen.
Der Tag an dem das Kind wieder abgeholt wurde, war einer der schlimmsten Tage in unserem Leben. Als wäre ein Kind gestorben.
Kontakt haben wir heute leider keinen mehr. Ich sage ja, es ist, als wäre das Kind gestorben. Man erfährt von jetzt auf gleich nichts mehr.
Danach haben wir uns geschworen: Nie wieder!
Doch viele Jahre später, im Jahr 2025, um genau zu sein, sollte es anders kommen. Wir haben noch einmal den Versuch gewagt und einen Teenager aufgenommen. Das alles hat sich ‚einfach so‘ ergeben.
Aus Rücksicht auf die Privatsphäre aller Beteiligten möchte ich über die Hintergründe und darüber, was während dieser Zeit passiert ist, nicht sprechen. Die Situation entwickelte sich jedenfalls anders, als wir gehofft hatten. Nach einigen Monaten endete deshalb auch dieses Pflegeverhältnis wieder.
Für uns war das Thema Pflegschaft damit definitiv beendet.
Trotzdem möchte ich ein positives Ende finden. Denn es ist einfach so, so wichtig, dass es Menschen gibt, die sich dieser großartigen Aufgabe annehmen.
Mein Tipp an alle (potentiellen) Pflegeeltern wäre: Hinterfragt alles!
Denkt nicht, dass ihr alles einfach hinnehmen müsst, weil ihr vielleicht Angst habt, dass ihr sonst kein Kind aufnehmen dürft.
Es ist so wichtig, alles über die Geschichte eines Kindes zu wissen, damit man aus voller Überzeugung ‚Ja‘ sagen kann und weiß, was auf einen zukommt.
Besteht sofort auf Hilfe und beharrt darauf. Lasst euch nicht abwimmeln.
Ich haben in unserer Zeit als Pflegefamilie auch gehört, dass es oftmals besser sein soll, sich an einen freien Träger zu wenden, statt an das Jugendamt. Ja – sowas gibt es! Und die sind meistens viel besser aufgestellt und bieten viel mehr Unterstützungsmöglichkeiten.“
Vielen Dank, liebe Daniela, dass wir eure Geschichte erzählen dürfen!
Wie ist es bei euch: Habt ihr auch Erfahrung als Pflegeeltern und Tipps, oder überlegt vielleicht gerade, ein Pflegekind aufzunehmen? Oder möchtet ihr Daniela eine Botschaft hinterlassen? Schreibt eure Tipps, Meinungen und Kommentare in unser Forum und tauscht euch mit anderen Mamas aus. Eure Nachrichten leiten wir natürlich an Daniela weiter.
„Wir haben 2 Pflegekinder aufgenommen, und es ging beide Male schief“
Von
Wiebke Tegtmeyer
28. September 2026