Survival-Tipps für Eltern

Wie verliert man bei stundenlangen Diskussionen über Datenschutz auf kleinen Holzstühlen nicht den Verstand? Autorin Marlene Hellene erzählt, wie man selbst die schlimmsten Elternabende übersteht.

Inhalt dieses Artikels

    Worauf mich niemand vorbereitet hat, bevor ich Mutter wurde: der Elternabend. Da habe ich nämlich bereits Szenen erlebt, die es eigentlich bis auf die Theaterbühne hätten schaffen sollen. Damit bin ich nicht die Einzige, denn die Journalistin und Zweifach-Mama Marlene Hellene, die für ihren spitzen Humor und ihre ehrlichen Elternthemen bekannt ist, hat ein neues Buch geschrieben: „Elternabend – Absurditäten aus dem Schulalltag zwischen Hausaufgaben und Haareraufen„.

    Kaum ein Elternteil kann den Elternabend in der Kita oder in der Schule umgehen. Aber:

    Wie können wir uns da durchmogeln? Wir haben die Autorin zum Interview getroffen.

    Echte Mamas:

    Was hättest du gern über den Elternabend gewusst, bevor deine Kinder eingeschult wurden?

    Marlene Hellene:

    Dass man gar keine Strafarbeit bekommt, wenn man nicht hingeht und sich die Mitschriebe von einem anderen Elternteil besorgt.

    Echte Mamas:

    Kann man sich richtig auf einen Elternabend vorbereiten? Ich persönlich würde nie wieder ohne Pulli und ohne vorher etwas gegessen zu haben zu einem gehen.

    Marlene Hellene:

    Damit sprichst du schonmal die wichtigsten Tipps an. Niemals mit leerem Magen oder zu dünn bekleidet auf den Elternabend gehen. Es ist immer zu kalt und man hat immer Hunger. Das liegt vor allem daran, dass Elternabende grundsätzlich zur besten Abendessenszeit stattfinden.

    Doch statt vor dem Teller dampfender Spaghetti findet man sich auf viel zu harten Stühlen in viel zu zugigen Klassenzimmern wieder, wo man darüber diskutieren muss, ob man dem Kind zwei oder drei lange Unterhosen auf Klassenfahrt mitgeben sollte.

    Leider gibt es nie ein Catering und den Kamin schmeißt auch niemand an. Egal, wie oft man (ich) danach mit bebender Stimme schreit.

    Stundenlang auf kleinen Holzstühlen IM Klassenzimmer zu sitzen und über Datenschutz zu diskutieren, ist nichts für schwache Nerven. Foto: KI
    Stundenlang auf kleinen Holzstühlen IM Klassenzimmer zu sitzen und über Datenschutz zu diskutieren, ist nichts für schwache Nerven. Foto: KI
    Echte Mamas:

    Wie überlebt man drei Stunden auf harten Holzstühlen zur Datenschutz-Diskussion?

    Marlene Hellene:

    Astralreisen! Das geistige Ich verlässt dabei den physischen, gefolterten Körper und reist in eine alternative Wirklichkeit.

    Am besten man übt das vorher: In langweiligen Besprechungen, während man mit dem Kind zum 838. Mal die Folge von Peppa Wutz und der Schildkröte auf dem Baum anschaut oder während des Termins beim Steuerberater.

    Für die psychische Gesundheit halte ich das Konzept der alternativen Realität für absolut überlebenswichtig. Am besten gleich anfangen mit dem Training.

    Echte Mamas:

    Welche Elternabend-Typen hast du in der Elternschaft festgestellt?

    Marlene Hellene:

    Elternabende sind Schule 2.0. Herr Dr. Meyer wird wieder zum Streber, der sich ständig meldet, weil er alles besser weiß. Frau Schmidt und Frau Müller kichern die ganze Zeit über die Frisur des Nebensitzers und der ehemalige Klassenclown Herr Klein beschmeißt alle mit eingespeichelten Papierkügelchen.

    Ein Raum voller Erwachsener? Haha, das sieht nur auf den ersten Blick so aus.

    Marlene Hellene

    Echte Mamas:

    Wie verhältst du dich auf Elternabenden? Was ist deine Rolle?

    Marlene Hellene:

    Ich beginne als seriöse, etwas müde Erwachsene und ende kichernd mit meinen Freundinnen auf dem Mädchenklo, wo ich „Mathe ist doof“ an die Wand schreibe.

    Echte Mamas:

    Würdest du dich je zur Elternvertreterin wählen lassen und falls nicht, hast du Strategien um von sich abzulenken?

    Marlene Hellene:

    Jein! Natürlich habe ich keine Zeit für das Amt der Elternvertreterin und natürlich ist meine Lust darauf etwa so niedrig wie das Budget an öffentlichen Schulen.

    Aber noch mehr ärgere ich mich. Ich ärgere mich über zu große Schulklassen, zu dreckige Toiletten, zu wenig Lehrpersonal, zu viel hiervon, zu wenig davon. Und deswegen rate ich dazu, einfach mal die Hand zu heben, wenn es zur Wahl der Elternvertreterin kommt.

    Dann muss nicht mehr nur brummelig vor sich hin meckern, sondern kann zumindest ein wenig mitwirken. Außerdem ist der Abend dann schneller zu Ende und dafür lohnt es sich allemal.

    Laut Marlene Hellene gibt es unterschiedliche Elternabend-Typen. Welcher bist du? Foto: KI
    Laut Marlene Hellene gibt es unterschiedliche Elternabend-Typen. Welcher bist du? Foto: KI
    Echte Mamas:

    Denkst du manchmal auch „die armen Lehrer“ auf dem Elternabend? 

    Marlene Hellene:

    Natürlich. Lehrkräfte – und das mag jetzt überraschen – sind auch nur Menschen. Sie haben auch Hunger, sie frieren, sie wollen auf die Couch und sie dürfen nicht einmal Nachsitzen anordnen, wenn der Papierflieger des 43-jährigen Klassenclowns in ihrem Auge landet.

    Echte Mamas:

    Welche Erkenntnisse hast du nach dem Schreiben des Buches für dich persönlich gehabt?

    Marlene Hellene:

    Die Gewissheit, dass unsere Kinder fürs Lernen vor allem eines brauchen: ganz viel Zuckerbrot statt Peitsche.

    Am 14. August 2026 erscheint „Elternabend – Absurditäten aus dem Schulalltag zwischen Hausaufgaben und Haareraufen
    Am 14. August 2026 erscheint „Elternabend – Absurditäten aus dem Schulalltag zwischen Hausaufgaben und Haareraufen" im Rowohlt Verlag. Foto: Rowohlt Verlag

    Wer noch mehr lustige Elternabend-Anekdoten von Marlene Hellene lesen möchte, kann das in ihrem Buch „Elternabend – Absurditäten aus dem Schulalltag zwischen Hausaufgaben und Haareraufen“ (Rowohlt Verlag) tun, das heute erschienen ist.

     

    Wie findet ihr Elternabende? Und was sind eure Survival-Strategien? Verratet es uns gern in den Kommentaren.

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