Heiraten und Baby in nur 90 Minuten

Kathi und ihr Mann wollen in der 37. Schwangerschaftswoche noch schnell vor der Geburt ihres Sohnes heiraten. Schnell im wahrsten Sinne des Wortes, denn nur 90 Minuten später sind die beiden nicht nur Ehepaar, sondern auch Eltern.

Inhalt dieses Artikels

    „Hi, ich bin Kathi und möchte euch heute von unserem ereignisreichen, ungewöhnlichen Hochzeitstag erzählen:

    Am 30. Mai 2026 hatten mein Mann und ich eine kleine Standesamtliche Hochzeit geplant – bevor unser Baby geboren wird.

    Ich war in der 37. Schwangerschaftswoche, es war knapp, aber wir hatten ja noch Zeit, so dachte ich jedenfalls.

    Also organisierten wir noch mit bestem Gewissen eine kleine Hochzeit, schließlich fühlte ich mich bis dahin gut und von der Frauenärztin gab es auch keine Bedenken. Klein bedeutet bei unseren Familien ca. 50 Personen. Geplant war eine Trauung im Standesamt um 12.30 Uhr mit einer anschließenden Party im Garten meiner Eltern.

    Am Morgen des 30. Mai bin ich noch zu meinen Eltern gefahren, um ihnen bei den letzten Vorbereitungen zu helfen. Ich habe mich anschließend in Ruhe fertig gemacht und war fit.

     

    Bis ich um 10 Uhr dann wahrscheinlich einen Blasensprung hatte. Es war aber nicht so wie im Film, dass plötzlich die Fruchtblase platzt und alles voller Wasser ist.

    Es fühlte sich eher so an als hätte sich der Kleine einfach blöd auf die Blase gelegt und als ob ich deshalb den Urin nicht mehr so gut halten konnte.

    Ich habe noch gedacht: Es sind ja nur noch drei Wochen bis zum ET, wahrscheinlich bin ich langsam wirklich „undicht“.

    Ich hab dann auch leichte Schmerzen bekommen, aber sie nicht mit Geburtswehen in Verbindung gebracht. Auch hier dachte ich noch, dass es bestimmt Senkwehen sind, weil sich mein Bauch noch nicht gesenkt hatte.

    Ich habe mir eingeredet: „Das sind einfach Senkwehen. Beruhige dich. Du bist einfach etwas aufgeregt wegen der Hochzeit und wenn die Trauung vorbei ist, wird es weniger stressig und dann geht das von alleine wieder weg und du hast noch ein paar Wochen bis das Baby kommt.“

     

    Kathis Hochzeit sollte ein unvergesslicher Tag werden – und wurde es auch. Anders als gedacht. Foto: privat
    Kathis Hochzeit sollte ein unvergesslicher Tag werden – und das wurde er auch. Anders als gedacht. Foto: Suse Ferber

    Die „Senkwehen“ sind dann immer wieder gekommen und gegangen, ich habe dann noch meinen Freund angerufen und ihm gesagt, dass ich so blöde Senkwehen habe. Er hat in dem Moment gedacht, dass ich gestresst bin und vor Aufregung übertreibe.

     

    Wir sind zum Standesamt gefahren und die Schmerzen wurden immer stärker.

    Ich wusste teilweise nicht mehr genau, wie ich mich bewegen sollte. Wir sind dann zu Fuß ins Standesamt reingegangen und ich habe zum dem Zeitpunkt auch kaum noch Gäst:innen begrüßt, weil ich mich nicht mehr gut gefühlt habe – ich wollte einfach schnell die Trauung hinter mich bringen.

    Die Standesbeamtin hat schnell gemerkt, dass etwas los ist und hatte direkt Panik – und als wir dann vorne vor ihr saßen, musste ich schon Wehen veratmen.

    Im Standesamt ging alles dann sehr schnell

    Die Standesbeamtin wollte anfangen und als ich minütlich Wehen bekam, fragte sie uns, ob sie lieber die schnelle Version durchziehen soll. Wir schauten uns beide an und sagten: Ja!

    Sie fragte dann nur, ob wir beide mit der Heirat einverstanden sind, was wir mit Ja beantwortet haben, dann haben wir noch schnell die Ringe getauscht und unterschrieben.

    Unter starken Wehen gab sich das Paar schnell noch das Ja-Wort. Foto: privat
    Unter starken Wehen gab sich das Paar schnell noch das Ja-Wort. Foto: Suse Ferber

    Wir waren in neun Minuten verheiratet, in diesen neun Minuten hatte ich alle drei Minuten wehen. 

    Eine gute Freundin von mir, sie war vor acht Monaten selber Mama geworden, hat die Wehen getrackt und ist direkt zu uns gekommen. Sie meinte, dass sie in so kurzen Abständen kommen und wir schnell einen Krankenwagen rufen sollten. Ich habe noch abgewunken, es seien nur Senkwehen und es werde bestimmt gleich besser. Sie protestierte und sagte, dass Senkwehen nicht in so kurzen Abständen kommen würden und ich sofort ins Krankenhaus müsste.

    Also wurde der Rettungswagen gerufen, was auch genau richtig war.

    Ich habe zu dem Zeitpunkt schon kaum noch etwas mitbekommen. Die Gäst:innen haben uns gratuliert, aber das weiß ich alles schon nicht mehr genau. Wir wollten dann aus dem Trauzimmer raus gehen, aber ich habe es nur noch auf einen Stuhl im Vorzimmer geschafft zu laufen.
    Der Rettungswagen kam dann mit Sonderrechten und hat mich direkt mitgenommen. Wir sind um ca. 12 Uhr ins Krankenhaus gefahren. Die Fahrt hat ca. 20 Minuten gedauert, ich bin dann sofort in den Kreisssaal gebracht worden.

    Da waren wir direkt das Highlight des Tages, ein Brautpaar im Anzug und Hochzeitskleid hatten sie auch noch nie.

    Die Geburt ging sofort los

    Die Hebamme hat mir dann als erstes das Brautkleid ausgezogen und dann ging es auch sofort los. Zu dem Zeitpunkt habe ich gar nicht verstanden, wie knapp das alles war. Mein Muttermund war bei der Ankunft im Krankenhaus schon komplett geöffnet.
    Das CTG war dann etwas schwierig, weil die Herztöne vom Kleinen immer wieder nicht zu finden waren. Sie haben dann eine Sonde in seinen Kopf gelegt, um sie darüber abzuleiten.
    Dann habe ich direkt Presswehen bekommen und ich sollte dann auch pressen. Die Herztöne unseres Babys sind abgefallen, die Ärztin hat dann versucht mit der Saugglocke weiter zu helfen. Das hat beim ersten Versuch nicht geklappt, der Kleine steckte fest.

    Dann sind die Herztöne noch schlechter geworden und es hieß auf einmal „Notkaiserschnitt“, was für mich die absolute Hölle gewesen wäre.

    Ich habe dann die nächste Presswehe genutzt und noch mal gepresst und dann hat die Ärztin gesagt, dass wir es nochmal versuchen, sie hat dann mit der Saugglocke mitgezogen und dann kam unser Baby, hat geschrien und wurde mir auf die Brust gelegt. Unserem Jungen ging es gut.

     

    Das war um 12:58 Uhr. Wir haben innerhalb von eineinhalb Stunden geheiratet und sind Eltern geworden.

    Diesen Tag werden wir niemals vergessen. Ich hatte so viele Gefühle auf einmal und hatte kurz große Angst um unser Kind, aber es ist alles gut gegangen.
    Nach dem ersten Kuscheln hat das Paar im Krankenhauszimmer erstmal die Hochzeitstorte gegessen.
    Nach dem ersten Kuscheln hat das Paar im Krankenhauszimmer erstmal die Hochzeitstorte gegessen. Foto: privat
    Die Hochzeitsgäste haben in der Zeit trotzdem im Garten weiter gefeiert und konnten dann alle zusammen auf den kleinen Emiliano anstoßen – sie haben sich alle zusammen gefreut.
    Später sind dann die engsten Familienmitglieder ins Krankenhaus gekommen und haben den Kleinen begrüßt sowie dem Krankenhauspersonal noch Hochzeitstorte und Essen von der Hochzeit mitgebracht. Wir hatten eine zweistöckige Hochzeitstorte und haben den oberen Teil mit ins Krankenhaus gebracht bekommen.
    In unserem Familienzimmer konnten wir unsere Torte zusammen anschneiden, so wie es eigentlich geplant war – nur diesmal noch mit Baby auf dem Arm.
    Mittlerweile sind wir Zuhause und leben uns als Familie ein. Der Kleine trinkt wie ein Weltmeister und auch wenn es anstrengend ist, sind wir vollkommen verliebt in dieses kleine hilflose Wesen, was unseren Alltag momentan bestimmt und der schon jetzt ein echter Hochzeitscrasher ist.“
    Danke liebe Kathi fürs Teilen deiner Geschichte!
    Hast du auch schwanger geheiratet und würde das für dich nicht in Frage kommen? Verrate es uns in den Kommentaren. 

    3 Kommentare

  1. User Avatar
    Elisabeth

    Das ist ja heftig  😳  Diesen Tag wird einfach niemand mehr vergessen 😍 

  2. User Avatar
    Lena

    Diese Geschichte hat mich echt verblüfft! Wie lustig die Mama aber auch im Nachhinein darüber schreibt  😀  Mein Favorit ist das Bild mit dem Hochzeitskuchen im Krankenhaus  ❤️ Zum Glück ist alles gut ausgegangen!

  3. User Avatar
    Lauraa

    Wenn Kirchenglocken und Babygeschrei gleichzeitig starten! Wie unfassbar ist diese Echte Geschichte denn?! Ich glaube, so eine Geburtsgeschichte hab ich noch nie gehört  😆 

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