Endlich ruhige Nächte

Sie begleitet seit mehr als 20 Jahren Familien und weiß, worauf es beim Thema Babyschlaf ankommt: Expertin Heike vom Heede. Im Interview verrät Heike, was viele Eltern beim Babyschlaf oft übersehen.

Inhalt dieses Artikels

    Heike vom Heede ist Diplom-Sozialpädagogin, Mutter von zwei Söhnen und Gründerin des Familieninstituts in Düsseldorf. Sie hält Vorträge, gibt Workshops und teilt bei Instagram hilfreiche Tipps fürs Leben mit Baby. Im „Echte Mamas“-Interview mit Julia Felicitas Allmann verrät Heike, wie Babys und ihre Eltern wieder besser schlafen – und warum Trage und Federwiege keine Lösung sind.

    Echte Mamas:

    Das Thema Babyschlaf ist für junge Eltern oft der belastendste Punkt überhaupt. Warum?

    Heike vom Heede:

    Weil eine unglaubliche Erschöpfung eintritt, wenn das Baby nicht gut schläft. Erschöpfung verursacht Unmut und schlechte Laune, man schafft nicht mehr die Dinge, die man regeln müsste – weil man sich nur dazu legen möchte, wenn das Baby endlich schläft.

    Am schwierigsten ist es, wenn das Baby und beide Eltern nicht schlafen können und so alle drei in Erschöpfung geraten.

    Der Traum von dem Leben, das man sich vorgestellt hat, wenn man ein Baby bekommt, und die Vorstellung, dass alles noch schöner wird, das kippt leider häufig aufgrund von Schlafmangel.

    Heike vom Heede

    Wie lässt sich der Schlaf besser unter Eltern aufteilen?

    Echte Mamas:

    Direkt gefragt: Sollten wir uns als Eltern stärker aufteilen, wenn wir von der Situation mit Mutter, Vater und Baby ausgehen? Sodass beide abwechselnd genug Schlaf abbekommen?

    Heike vom Heede:

    Auf jeden Fall. Ich rede nicht von Neugeborenen, die gehören ganz nah an die Mutter. Aber wenn das Baby etwa drei, vier Monate alt ist und beide Elternteile gut kennt, sollte man sich aufteilen.

    Natürlich hängt es stark von der Familie ab, was funktioniert: Aber ich rate Müttern dazu, auch mal abzupumpen und dem Baby das Geschenk zu machen, dass es auch lernen darf, aus der Flasche zu trinken.

    Babys nehmen die Welt so an, wie wir sie gestalten. Wenn der Vater mit aller Liebe die Flasche gibt, während die Mutter drei Tage hintereinander durchschlafen kann, bevor sie sich wieder abwechseln, dann gewinnt die ganze Familie.

    So sind die Eltern viel ausgeruhter und leistungsfähiger, sie können die Zeit mit dem Kind stärker genießen. Das Baby kommt dadurch in einen viel ruhigeren Flow, was sich positiv auf den Schlaf auswirkt.

    Als Eltern wünscht man sich ja meist nur ein paar gute Nächte, um mal wieder auftanken zu können. Da muss es doch Tricks geben, Heike vom Heede?
    Als Eltern wünscht man sich ja meist nur ein paar gute Nächte, um mal wieder auftanken zu können. Da muss es doch Tricks geben, Heike vom Heede?

    In wie weit können wir den Schlaf unseres Babys wirklich beeinflussen?

    Echte Mamas:

    Wovon hängt es ab, ob ein Kind gut schläft oder nicht? Wie viel haben wir selbst in der Hand?

    Heike vom Heede:

    Ich glaube, wir haben einen großen Teil selbst in der Hand. Nämlich die Tatsache, wie unruhig und aufgeregt wir selbst sind.

    Eltern, die ständig nervös sind, übertragen das aufs Kind. Auch Überreizung spielt eine große Rolle: Kommt ein Baby ganz still und in sich ruhend zur Welt, geht dann aber direkt mit in die Stadt und abends zum Fußballspiel, wirkt sich das auf den Schlaf aus.

    Gleichzeitig bringen die Kinder ganz viel von ihrem eigenen Temperament mit – und der Geburtsverlauf entscheidet auch mit darüber, wie gut ein Baby schläft.

    Heike vom Heede

    Echte Mamas:

    Gilt das nur für die Zeit direkt nach der Geburt oder wirkt sich das länger aus?

    Heike vom Heede:

    Da streiten sich die Geister etwas, aber Kinderpsycholog*innen und Trauma-Expert*innen gehen davon aus, dass es ein längerer Prozess sein kann.

    Bei schwierigen Geburten empfehle ich für Mutter und Kind – und gern auch für den Vater – dass man sich cranio-sacral behandeln lässt. Osteopathie behandelt eher den knöchernen Bereich, die Cranio-Sacral-Therapie geht auch an die Weichteile, sodass der ganze Stress aus dem Körper herauskommen kann.

    Handelt es sich um Frühchen, die vielleicht kurz abgesaugt werden mussten, was sie als unangenehm empfinden oder sie haben andere Erfahrungen mit negativer Berührung gemacht, merkt man das später auch.

    Das sind oft Kinder, die stark die Kontrolle behalten wollen, die sich schwerer auf den Schlaf einlassen. Bei Frühchen ist die Situation ohnehin ganz besonders, hier brauchen Eltern und Kind über eine lange Zeit eine gute Schutzhülle und müssen von der Umgebung getragen werden.

    War es eine schwere Geburt, rate ich, schnell Hilfe an die Seite zu holen, um alles zu verarbeiten. Das unterstützt auch den Schlaf.

    Damit ein Baby gut schläft, sollte auch das Umfeld ruhiger sein. Wie bekommt man das hin? Foto: Unsplash

    Mit welchen Tricks lässt sich Ruhe in die Schlafsituation bringen?

    Echte Mamas:

    Es klingt, als müssten wir für einen guten Schlaf vor allem viel Ruhe in das Umfeld des Babys bringen?

    Heike vom Heede:

    Ja. Und Ruhe in mich selbst als Mutter und Vater – das ist das oberste Gebot. Deshalb finde ich es so wichtig, dass man sich abwechselt. Dass die Mutter eine Runde allein um den Block geht, dass sie wirklich einplant, das Haus zu verlassen.

    Vielleicht geht sie zum Friseur, vielleicht trifft sie sich das erste Mal nach der Geburt mit einer Freundin, vielleicht geht sie zum Rückbildungskurs ohne Baby.

    Dabei bezieht man idealerweise das Umfeld ein: Gibt es eine Oma oder eine Freundin, die gut mit dem Baby umgehen kann? Es ist auch für die Kinder wertvoll, wenn sie früh lernen, dass es nicht nur Mama und Papa sind, bei denen sie sich gut aufgehoben fühlen.

    Echte Mamas:

    Können wir auch dafür sorgen, dass das Kind durch kleine Rituale oder besondere Elemente besser schläft?

    Heike vom Heede:

    Hilfreich ist es, früh einen gewissen Rhythmus einzuführen, die Kinder an ihren Schlafplatz zu gewöhnen, sie nicht nur in der Trage schlafen zu lassen.

    Die Schlafposition in der Trage ist eine ganz andere als die Liegeposition – warum sollte ein Tragebaby auf einmal auf einer Matratze schlafen können, wenn es sonst stundenlang in der Trage schläft? Außerdem fehlt ihm im Bettchen dann der Kokon, das Baby kommt mit seinen Bewegungen nirgendwo an, ihm fehlt der Halt.

    Um das Kind dabei zu begleiten, im Bett zu schlafen, mag ich den Cosy-Me-Schlafsack sehr gern, der den Babys ein Gefühl von Halt gibt.

    Man kann auch auf begleitetes Pucken mit einem Tuch setzen, das man löst, sobald das Kind schläft. Oder wir legen dem Baby etwas zum Beschweren auf den Körper.

    Viele Babys mögen es, wenn man ihnen beim Einschlafen die Ärmchen nah am Körper festhält.  Es ist wichtig, dass Kinder Kontaktpunkte haben und sich selbst spüren können.

    Heike vom Heede

    Echte Mamas:

    Was könnten wir zum Beschweren auf den Bauch legen und welchen Effekt hat das?

    Heike vom Heede:

    Es gibt verschiedene Kissen oder gefüllte Tiere mit Dinkelspelz, ich liebe zum Beispiel eine Gans, die einen längeren Hals hat und am Körper etwas stärker gefüllt ist. Das Kissen sollte beschweren, aber natürlich nicht zu schwer sein, da können Eltern für sich eine Auswahl treffen.

    Ziel ist es, ein Gefühl von Geborgenheit und Halt am Schlafplatz zu geben. Uns muss klar sein:

    Das Kind kommt aus einer engen Fruchtblase, in der es sich kaum bewegen konnte, jede Bewegung war geführt. Im Moment der Geburt verlässt es diesen Kokon. Das ist der größte Umzug, den wir als Menschen jemals erleben.

    Heike vom Heede

    Haut auf Haut oder jeder in seinem Bett – was ist besser? Diese Frage beantwortet Expertin Heike vom Heede.
    Haut auf Haut oder jeder in seinem Bett – was ist besser? Diese Frage beantwortet Expertin Heike vom Heede. Foto: Unsplash
    Echte Mamas:

    Wie wichtig – oder vielleicht auch störend – ist körperliche Nähe beim Einschlafen?

    Heike vom Heede:

    Bei den ganz Kleinen gehört Nähe definitiv dazu: Das Kind liegt am liebsten auf den Eltern. Ab dem fünften oder sechsten Monat darf es das eigene Bett werden.

    Schwierig wird es, wenn man den Wechsel erst vollzieht, wenn die Kinder in Bewegung sind. Wenn sie sich im Bettchen hinknien oder sogar aufstehen können, ist es ein großer Prozess für das Kind, und für Eltern schwer, hier konsequent zu bleiben.

    Es hilft Kindern, dass sie früh kennenlernen dürfen, wie es sich anfühlt, im eigenen Bettchen zu schlafen. Im Zimmer der Eltern und nah bei ihnen, trotzdem darf eine Ablösung erfolgen.

    Vielen Kindern hilft es, wenn die Bettchen Rollen haben, sodass man sie ganz langsam hin- und her bewegen kann. Legt man ihnen zusätzlich etwas Beschwertes auf den Bauch, können wir die Babys so ganz langsam und gut gehalten in den Schlaf führen.

    Wichtig ist mir, dass wir das liebevoll begleiten und niemals mit Schreien.

    Heike vom Heede

    Und wenn alles nicht funktioniert?

    Echte Mamas:

    Viele Eltern werden sicher trotzdem sagen: Bei uns klappt es einfach nicht, dass das Baby im Liegen einschläft. Was rätst du ihnen?

    Heike vom Heede:

    Das kann ich nie pauschal beantworten, dafür sind Hausbesuche und das Kennenlernen der Familie wichtig.

    Die Frage ist: Wie ist es überhaupt dazu gekommen? Doch insgesamt können Kinder lernen, im eigenen Bett gut zu schlafen, wenn wir sie dahin begleiten.

    Weint das Baby, nimmt man es wieder hoch, sobald es sich beruhigt hat, legt man es wieder hin. Das Kind sollte keinesfalls lernen, dass Schreien zum Einschlafen dazugehört.

    Echte Mamas:

    Das erfordert natürlich viel Geduld. In ihrer Erschöpfung setzen Eltern heute oft auf Geräte, Apps und Gadgets, die man kaufen kann, damit Babys besser schlafen. Was hältst du davon?

    Heike vom Heede:

    Ich möchte das nicht verurteilen, weil alles, was liebevoll fürs Kind angeschafft wird, irgendwie ein Hilferuf ist.

    Doch in meiner Beratungsarbeit schaffe ich das alles ab. Das Baby soll zu sich selbst kommen, es darf lernen, sich selbst auszuhalten und als Eltern müssen wir schauen, warum das dem Baby so schwer fällt.

    Versuchen wir zum Beispiel mit „White Noise“, das Kind zu beruhigen, holen wir es wieder nach außen. Dabei wollen wir, dass das Kind runterkommt und in seine Mitte finden kann.

    Auch bei Federwiege und Wippe sage ich ganz klar: Das ist nicht förderlich fürs Einschlafen.

    Wenn es darum geht, dass die Eltern mal kurz einen Moment für sich brauchen oder sie Zwillinge haben und das eine Baby dort ablegen müssen, um das andere zu versorgen: Dann ist das völlig okay, ich bin überhaupt keine dogmatische Person.

    Doch im Familien-Alltag machen sich Eltern oft davon abhängig – dabei ist diese Position in der Federwiege keine, die ein Kind jemals von sich aus einnehmen würde.

    Wenn eine Familie eine Schlafumstellung schaffen will, kommt das Kind in meiner Beratung also raus aus der Federwiege. Das wird zwei oder drei Tage schwer, aber dann merken die Eltern, dass es geht. Wichtig ist, dass sie selbst die innere Haltung haben: Das machen wir jetzt so. Das spürt das Kind.

    Du hast Fragen an Heike vom Heede? Dann komm zu unserem Echte Mamas Festival am 3. September 2026 nach Hamburg. Foto: privat
    Du hast Fragen an Heike vom Heede? Dann komm zu unserem Echte Mamas Festival am 3. September 2026 nach Hamburg. Foto: privat

    Möchtest du noch mehr über Babyschlaf erfahren oder möchtest Heike vom Heede live begegnen?

    Dann komm am 3. September 2026 zu unserem Echte Mamas-Festival im Curio-Haus in Hamburg. Heike wird vor Ort sein und ihr könnt euch mit ihr rund um das Thema Babyschlaf unterhalten. On top wird es noch eine Maserclass zu dem Thema geben mit vielen weiteren hilfreichen Tipps. Das wird sooooo gut!

    Und du kannst Tickets gewinnen:

    Schreibe eine Mail an [email protected] mit dem Betreff Gewinnspiel und mit etwas Glück gewinnst du ein Ticket für dich und für deine Begleitung. Nur so lange der Vorrat reicht und der Originalpreis liegt bei 39 Euro. Bist du dabei? Wir freuen uns auf dich!

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