Postpartale Depression

Wenn eine Mama nach der Geburt an einer postpartalen Depression erkrankt, fehlen Freunden und Familie oft die richtigen Worte. Wie kannst du ihr wirklich helfen?

Inhalt dieses Artikels

    Prominente Fälle machen aufmerksam

    Es ist ein Thema, über das lange kaum gesprochen wurde. Dabei erleben viele Mütter die Zeit nach der Geburt nicht so, wie sie es sich vorgestellt haben, denn statt Glück und inniger Verbundenheit sind da plötzlich Angst, Überforderung, Leere oder das Gefühl, einfach nicht mehr zu können. Und weil nach außen oft trotzdem alles weiterläuft, bleiben diese Gefühle nicht selten lange verborgen.

    Inzwischen erzählen immer mehr Mamas öffentlich davon, wie sehr sie nach der Geburt gekämpft haben. Auch die kürzlich verstorbene Schauspielerin Hayden Panettiere hat vor Jahren offen darüber gesprochen, wie sehr sie nach der Geburt ihrer Tochter mit einer postpartalen Depression zu kämpfen hatte – und wie lange es gedauert hat, bis sie sich Hilfe holen konnte.

    Wie wichtig es ist, postpartale psychische Erkrankungen ernst zu nehmen, zeigen auch Fälle, in denen aus einer zunächst unsichtbaren Krise eine akute Gefahr für die Mutter oder ihr Kind entstehen kann. Der viel diskutierte Fall von Lindsay Clancy, die aufgrund einer Wochenbettpsychose ihre drei Kinder erstickt haben soll, hat zuletzt erneut Aufmerksamkeit darauf gelenkt, wie schwerwiegend postpartale Depressionen, Psychosen und andere psychische Erkrankungen nach einer Geburt verlaufen können.

    Eine postpartale Depression beginnt nicht erst dann, wenn eine Situation eskaliert – oft fängt sie viel leiser an:

    Mit einer Mama, die immer müde ist.

    Einer Mama, die sich zurückzieht.

    Einer Mama, die sagt, sie sei keine gute Mutter.

    Einer Mama, die ihr Baby liebt und sich gleichzeitig schuldig fühlt, weil sie diese Liebe gerade nicht so spüren kann, wie sie es erwartet hat.

    Postpartale Depression oder Baby Blues?

    Eine postpartale Depression – auch Wochenbettdepression genannt – ist eine ernsthafte psychische Erkrankung, die nach der Geburt eines Kindes auftreten kann. Sie kann sich bereits kurz nach der Geburt entwickeln, aber auch erst Wochen oder Monate später und im gesamten ersten Jahr nach der Geburt auftreten. Anders als eine vorübergehende Stimmungstiefphase verschwindet sie nicht einfach von allein und sollte professionell behandelt werden.

    Davon zu unterscheiden ist der sogenannte Baby-Blues: Bei vielen Müttern kommt es in den ersten Tagen nach der Geburt zu Stimmungsschwankungen, Tränen, Reizbarkeit oder großer Empfindlichkeit. Auslöser sind unter anderem die hormonelle Umstellung, Schlafmangel und die enorme körperliche und emotionale Belastung der ersten Tage. Meist klingt der Baby-Blues innerhalb weniger Tage von selbst wieder ab.

    6 Sätze, die du einer Mama mit diesen Symptomen sagen kannst:

     

    • „Ich nehme das ernst – und du musst mir nichts beweisen.“ Ein schnelles „Das geht schon wieder vorbei“ fühlt sich für Betroffene oft wie Abwimmeln an, selbst wenn es liebevoll gemeint ist. Wer stattdessen signalisiert, dass die Sorge angekommen ist, nimmt der Mutter das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen.

    • „Ich bin für dich da – und zwar nehme ich dir das ab…“ Ein bloßes Hilfsangebot verpufft schnell, wenn nichts Konkretes folgt. Wirklich stützend wird der Satz erst, wenn ein festes Versprechen dranhängt, das auch eingehalten wird.

    • „Lass uns gemeinsam schauen, wer dir professionell helfen kann.“ Der Rat, sich Hilfe zu holen, kommt oft von den Menschen, die selbst nicht mehr weiterwissen. Damit er ankommt statt abzuschrecken, hilft es, ihn behutsam zu äußern und die betroffene Mutter beim ersten Schritt – Anruf, Termin, Kasse – zu begleiten, statt sie damit allein zu lassen.

    • „Ich liebe dich./ Ich hab dich lieb.“ Klingt simpel, wirkt aber oft am tiefsten. Er sagt: Ich akzeptiere dich genau so, wie du gerade bist, und wir stehen das gemeinsam durch – auch wenn die Mutter das Gefühl im Moment selbst nicht spüren kann.

    • „Vergleich dich nicht mit anderen Mamas – das ist dein Leben.“ Gerade auf Social Media sieht das Mama-Sein oft makellos aus. Dieser Vergleich verstärkt bei vielen Müttern genau das Schuldgefühl, das eine Depression ohnehin schon nährt.

    • „Leg dich hin und schlaf ein bisschen, ich passe auf.“ Schlafmangel verschärft eine postpartale Depression massiv – und oft ist genau das der Satz, den eine erschöpfte Mutter am dringendsten braucht, aber sich selbst nicht erlaubt.

    Sei Aufmerksam

    Am wichtigsten ist: hinschauen, bevor es zu spät ist. Postpartale Erkrankungen entwickeln sich oft im Verborgenen, weil viele Mütter Angst haben, als überfordert oder „nicht liebevoll genug“ wahrgenommen zu werden. Gerade deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen – auch wenn sie auf die Frage „Wie geht’s dir?“ mit „Gut“ antwortet.

    Statt nur zu fragen, können konkrete Angebote helfen: „Ich komme morgen vorbei und nehme dir das Baby für eine Stunde ab.“ Oder: „Wenn du möchtest, suche ich mit dir gemeinsam nach Hilfe.“ Denn es geht nicht darum, die richtigen Worte zu finden oder die Depression selbst lösen zu können. Es geht darum, da zu sein und ein Stück der Last mitzutragen.

    Ich finde, wir sollten uns wieder öfter die Zeit nehmen, wirklich hinzuschauen. Unser Alltag ist schnelllebig geworden, vieles passiert nebenbei, und oft sind wir so sehr mit uns selbst und unseren eigenen Herausforderungen beschäftigt, dass wir gar nicht merken, wenn es einem Menschen neben uns nicht gut geht. Dabei braucht es manchmal gar nicht viel: ein paar Minuten echtes Zuhören, einen Besuch, eine konkrete Hilfe oder einfach das Gefühl, nicht allein zu sein.

    Du kannst dich auch an die Wochenbettdepressions-Hotline wenden: 01577 / 47 42 654.

    Wie ging es dir nach der Geburt und was hätte dir geholfen? Schreibe es in die Kommentare.

     data-lazy-src=