Als Erzieherin hat man täglich mit Kindern – und ihren Eltern – zu tun. Man beobachtet, hört zu, begleitet. Und natürlich macht man sich auch Gedanken über das, was man sieht.
Elterncoach Kirsten Kau, die jahrzehntelang in der Kita gearbeitet hat, sagt heute ganz offen: Als Erzieherin habe ich innerlich oft den Kopf über die Eltern geschüttelt. Sie gesteht uns, was sie sich damals wirklich gedacht hat – auch, wenn es manchmal unfair war, wie sie heute, inzwischen selbst Mama, weiß.
„In der Kita konnten die Kinder alles – zu Hause plötzlich nichts mehr“
Ein Punkt, der Kirsten Kau schon früh aufgefallen ist, war der Unterschied zwischen dem Verhalten der Kinder in der Kita und zu Hause.
„Mir war die Selbstständigkeit von Kindern immer sehr wichtig. Ich habe gesehen, was das mit ihnen macht: Sie werden sicherer, trauen sich mehr, probieren Dinge aus.“ Umso mehr wunderte sie sich, wenn dieselben Kinder bei ihren Eltern plötzlich ganz anders auftraten.
„In der Kita waren sie total selbstständig. Und bei den Eltern? Wie ausgewechselt. Da wurde diskutiert, gestritten, verhandelt – und am Ende haben die Eltern ihnen doch die Schuhe angezogen.“
„Ich habe mich oft gefragt, warum Eltern so viel auf ihre Kinder einreden“
Besonders irritiert hat sie früher das viele Erklären. „Die Eltern haben ruhig und nett erklärt, warum das jetzt wichtig ist. Aber die Kinder haben oft gar nicht zugehört. Und ich habe mir gedacht: Warum redest du immer weiter? Warum diskutiert ihr so lange? Warum setzt ihr nicht einfach klare Grenzen?“
„Ich habe Eltern verurteilt, die ihre Kinder mit Süßigkeiten bestechen.”
„Wenn du jetzt brav mitmachst, dann gibt es später noch ein Eis!” Solche Szenen hat Kirsten Kau früher häufig belustigt beobachtet. „Da habe ich innerlich oft gedacht: Das muss doch anders gehen. Kinder zu bestechen, damit sie kooperieren, fand ich verwerflich.“
„Schrecklich fand ich, wenn Eltern für ihre Kinder sprechen – und nicht mit ihnen.”
Ein weiteres Verhalten, das sie beschäftigt hat, waren Situationen, in denen Eltern stellvertretend für ihre Kinder gesprochen haben. „Dann hieß es: ‚Mein Kind möchte jetzt frühstücken.‘ Und ich habe mir gedacht: Das Kind kann das doch selbst sagen.“
„Die Eltern waren teilweise ungeduldiger als die Kinder und drängelten!”
Auch beim Thema Warten zeigte sich für sie ein Muster. Wenn beim Frühstück kein Platz frei war, konnten die Kinder damit meist gut umgehen. „Aber manche Eltern konnten das ganz schwer aushalten. Hauptsache, das eigene Kind musste nicht warten.“ Damals dachte sie oft: „Es geht hier nicht nur um dein Kind, sondern um die ganze Gruppe.“
„Dann hatte ich plötzlich selbst ein Kind – und habe genau das Gleiche gemacht“
Doch mit der Geburt ihres eigenen Kindes hat sich der Blick der ehemaligen Erzieherin grundlegend verändert.
„Früher habe ich mich oft gefragt: Warum machen Eltern das so kompliziert? Und dann saß ich selbst in solchen Situationen.“
Sie hörte sich plötzlich selbst erklären, diskutieren und nachgeben – genau das Verhalten, das sie zuvor kritisch gesehen hatte. „Du bist müde, der Tag war lang, dein Kind hat schlechte Laune – und du denkst dir: Ach komm, bevor das jetzt hier eskaliert … Und zack, machst du genau das, was du eigentlich nie machen wolltest.“
Kreislauf aus Schimpfen und Nachgeben durchbrechen
Besonders ehrlich spricht Kirsten Kau über den Kreislauf aus Erklären, Frust und schlechtem Gewissen, den viele Eltern kennen. „Am schlimmsten war es, wenn mir der Geduldsfaden gerissen ist, ich gemeckert und Dinge verboten habe, die mein Kind mochte – einfach aus Hilflosigkeit. Danach kam das schlechte Gewissen, und ich habe wieder nachgegeben.“
Sie beschreibt diesen Zustand als „ewigen Kreislauf“. Heute weiß sie: „Mit ein, zwei klaren Sätzen habe ich oft viel mehr erreicht als mit langen Erklärungen.“
„Heute will ich Eltern den Rücken stärken“
Seid sie selbst Mama ist, habe sie aufgehört, andere Eltern zu bewerten. Aus diesen Erfahrungen ist schließlich ihr heutiger Ansatz als Elterncoach entstanden. „Für mich ist heute das Wichtigste: Eltern zu unterstützen. Ihnen das Gefühl zu geben: Du machst das gut – und du bist damit nicht allein.“
Vielen Dank an unsere Expertin Kirsten Kau, schau gerne auf ihrer Webseite vorbei: kirstenkau-elterncoaching.de
Hattest du auch schon Momente, in denen du dachtest: So wollte ich als Elternteil eigentlich nie reagieren? Beichte es uns in den Kommentaren!
„Was ich wirklich über die Eltern denke”
Von
Lena Krause
30. März 2026