Meine große Tochter ist fast acht Jahre alt, schaut gern Bibi Blocksberg im Fernsehen und interessiert sich natürlich inzwischen auch für ein eigenes Handy. Noch wissen wir, welche Inhalte sie online konsumiert, und behalten das gut im Blick. Doch schon jetzt kommt immer häufiger die Diskussion auf, dass andere Kinder aus ihrer Klasse bereits ein eigenes Smartphone besitzen. Unsere Tochter wünscht sich deshalb natürlich ebenfalls eins.
Genau an diesem Punkt wird es für viele Eltern schwierig – und auch für uns. Wie gut überlegt diese Entscheidung tatsächlich sein sollte, hat mir eine gerade erst erschienene TV-Dokumentation noch einmal vor Augen geführt, über die derzeit viele Eltern in meinem Umfeld sprechen.
In der dreiteiligen Dokureihe „Generation Porno – was unsere Kinder online sehen“, die ihr aktuell hier in der ZDF-Mediathek anschauen könnt, geht es darum, wie Kinder mit Pornografie in Berührung kommen und zwar schon viel früher als wir Eltern annehmen – meist durch eigene Handys oder die von Freund:innen. Und welche gravierenden Folgen das haben kann.
Ich habe die Dokumentation vorab gesehen und musste wirklich heftig schlucken
Dort erzählen mehrere befragte Jugendliche, dass sie bereits mit 11 Jahren Pornografie konsumiert zu haben – meist unfreiwillig, ganz nebenbei im Internet. Ein paar Klicks und schon waren die Jugendlichen auf Pornoseiten oder sie haben die Videos von Freund:innen gezeigt bekommen.
Das belegen auch Studien: In einer Umfrage der Studie der Landesanstalt für Medien NRW, die auch in der Dokumentation zitiert wird, geben 56 Prozent der 14- bis 17-Jährigen an bereits mit Pornos in Berührung gekommen zu sein. Bei den 11- bis 13-Jährigen sind es 32 Prozent – also knapp jede:r Dritte. Die Dunkelzimmer ist wahrscheinlich noch viel höher.
Was die befragten Schüler:innen in der Dokumentation erzählen, klingt wie in einem schlechten Film, der ein Horror-Szenario von Social Media zeigt.
Da ist zum Beispiel der Teenager Merlin, der mit 8 Jahren ein Handy bekam und auch schnell auf pornografische Inhalte gestoßen ist. Seine Mutter Inge bekam davon nichts mit und musste während Corona oft statt einer Kinderbetreuung auf Bildschirmzeit zurückgreifen.
In dieser Zeit verlor sie aus dem Blick, was sich Merlin tagtäglich (und nachts!) auf seinem Smartphone ansah. Wie Inge geht es in der Dokumentation vielen anderen Eltern im realen Leben. Sie sind unwissend – und die meisten Kinder machen das, was sie online gesehen haben, mit sich selbst aus.
Wir Eltern statten unsere Kinder mit Smartphones aus, um ihnen Sicherheit zu geben. Gleichzeitig öffnen wir ihnen damit aber auch ein Tor zur Welt inklusiver aller Gefahren, auf die sie und auch wir nicht vorbereitet sind.
Dieser Gedanke beschäftigt mich in letzter Zeit immer öfter. Mein Mann und ich haben uns bereits gefragt, ob es nicht sinnvoll wäre, unserer Tochter eine Smartwatch zu kaufen, damit sie uns kurz informieren kann, wenn sie sicher bei ihrer Freundin angekommen ist.
Natürlich kennen auch wir die Situation, dass die Kinder ständig unsere Handys zum Musikhören nutzen möchten. Da wirkt ein eigenes Smartphone schnell wie eine praktische Lösung. Die Dokumentation zeigt jedoch eindrücklich, wie viele Gefahren damit verbunden sind – Gefahren, die Kinder kaum erkennen und erst recht nicht selbstständig bewältigen können.
Wenn wir nicht mit unseren Kindern über Pornografie sprechen, tun es andere.
In dem TV-Format kommen Expert:innen aus unterschiedlichen Bereichen zu Wort, darunter Cybercrime-Ermittler:innen der Polizei, Eltern, Lehrkräfte, Medienpädagog:innen und sogar eine Pornodarstellerin. Besonders eindrücklich ist eine Szene, in der ein Cybercrime-Experte der Polizei vor Eltern einen Vortrag hält und sie zu Apps und Plattformen befragt, die ihre Kinder vermutlich nutzen.
TikTok, Instagram und WhatsApp kennen die meisten von uns – doch wie sieht es mit den Chats in Computerspielen aus? Viele der genannten Plattformen waren mir völlig unbekannt, und den Reaktionen nach ging es den anwesenden Eltern ganz ähnlich.
Und genau dort befindet sich die Gefahr. Jugendliche kommen mit Sex-Anfragen von wesentlich älteren Menschen in Berührung, bekommen Nackt-Fotos geschickt oder sehen sich Pornos an, die eine Vergewaltigung oder eine Gewaltverherrlichung zeigen. In dem Format sagen 75 Prozent der befragten Jugendlichen, dass sie diese Pornos für realistisch halten, ein verzerrtes, gewaltvolles Bild von Intimität entsteht.
Aber was können wir als Eltern tun? Die Politik diskutiert aktuell über strengere Verbote.
Die Dringlichkeit war selten so offensichtlich wie in diesen Wochen: Australien hat Ende 2025 als erstes Land weltweit ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige eingeführt. Die EU hat im Mai 2026 ein klares Signal gesendet: Ein EU-weites Gesetz könnte noch in diesem Sommer Realität werden. Auch Dänemark und Malaysia arbeiten an vergleichbaren Regelungen.
In Deutschland hat Bildungsministerin Karin Prien (CDU) die Expertenkommission „Jugendschutz in der digitalen Welt“ eingesetzt. Konkrete Handlungsempfehlungen werden Ende Juni 2026 erwartet, der Abschlussbericht soll im September folgen. Die SPD-Fraktion fordert ein Verbot für unter 14-Jährige, Bundeskanzler Friedrich Merz zeigt Sympathie für eine Altersgrenze von 16 Jahren.
Gleichzeitig wächst die Kritik an reinen Verbotsansätzen. Zum Internationalen Kindertag am 1. Juni 2026 forderte die Kindernothilfe einen „Social-Media-TÜV“ statt pauschaler Verbote. Auch das Deutsche Kinderhilfswerk, der Lehrerverband, die Gesellschaft für Medienwissenschaft und der Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit warnen: Verbote allein reichen nicht aus.
Genau hier setzt Florian, Co-Host unseres Echte-Papas-Podcasts, an. Er hat den Medienführerschein mitentwickelt – ein Konzept, mit dem Eltern gemeinsam mit ihren Kindern spielerisch die Chancen und Risiken der digitalen Welt entdecken. Kinder lernen dabei, Gefahren im Internet frühzeitig zu erkennen, Manipulationsversuche zu durchschauen und souverän auf problematische Situationen zu reagieren. Der Ansatz setzt nicht auf Verbote, sondern auf Medienkompetenz, Aufklärung und den gemeinsamen Austausch in der Familie.
Am wichtigsten bleibt, dass wir Eltern die Zügel nicht aus der Hand geben, sondern immer wieder das Gespräch suchen – auch wenn das vielleicht unangenehm ist.

Es ist ein neues Thema für uns Eltern, dem wir uns stellen müssen – und zwar früher als gedacht
„Kannst du dir vorstellen, mit deinem Grundschulkind über Pornografie zu sprechen? Die meisten Eltern würden wahrscheinlich sagen: „Um Gottes Willen, nein… dafür ist mein Kind noch viel zu jung.“ Im Umkehrschluss bedeutet das für mich aber auch: Dann ist es wahrscheinlich noch zu jung für ein eigenes Smartphone,“ erzählt uns Journalistin Elisabeth Koblitz, die selbst ein Buch zum Thema geschrieben hat: „Aber alle haben ein Smartphone!“ aus dem Rowohlt Verlag.
Mir hilft dabei ein einfacher Gedanke: Lieber erfährt mein Kind altersgerecht von mir, dass es solche Inhalte gibt und wie sie einzuordnen sind, als dass es unvorbereitet darauf stößt.
Elisabeth Koblitz
Weitere Expert:innen raten altersgerecht schon ab acht Jahren über die Gefahren im Internet mit den Kindern zu sprechen, sodass sie ein frühes Bewusstsein entwickeln können und sich ihre Informationen nicht von Freund:innen holen, die bereits ein Smartphone haben.
Acht Jahre wird meine Tochter bald und ich war mir bisher nicht bewusst, dass wir jetzt mit der Aufklärung beginnen sollten.
Aber was können wir denn nun am besten unseren Kindern sagen?
Aus allen Stimmen, die ich zu dem Thema in der Dokumentation aber auch in meinem Umfeld und aus meiner eigenen Recherche gehört habe, geht heraus: Mit Kindern über Gefahren im Internet zu sprechen, funktioniert meist besser als ein fortlaufendes Gespräch statt als einmalige „Warnung“. Ziel sollte sein, Kinder zu informieren und zu stärken, ohne ihnen unnötig Angst zu machen.
Tipp 1: Altersgerecht mit ihnen sprechen – und nicht abwarten.
Gerade mit jüngeren Kindern (zwischen 6 bis 10 Jahren) kann es sinnvoll sein einfachere Regeln an konkreten Beispielen zu erklären: „Nicht jeder im Internet ist wirklich die Person, die er:sie vorgibt zu sein“ oder „Frage einen Erwachsenen, bevor du persönliche Informationen teilst. Ältere Kinder und Jugendliche sollten mehr Hintergründe zu Datenschutz, Manipulation, Betrug, Cybermobbing oder Desinformation erfahren.
Der Cyber-Crime-Experte in der Dokumentation erklärt zum Beispiel auch, dass man sich mit strafbar macht, wenn man in einem Chat ein Nacktfoto geschickt bekommt und es weiterleitet. Daher sollte man das Bild direkt löschen und sich im Chat dafür stark machen, dass man gegen die Verbreitung sei. Spannend.
Tipp 2: Nicht nur über Gefahren sprechen
Kinder hören eher zu, wenn das Gespräch ausgewogen ist:
- Das Internet kann Spaß machen und beim Lernen helfen.
- Gleichzeitig gibt es Risiken, auf die man achten sollte.
- Vergleiche helfen: „So wie man auf der Straße auf den Verkehr achtet, muss man online auf bestimmte Dinge achten.“
Tipp 3: Verschiedene Themenbereiche ansprechen
Je nach Alter können folgende Punkte wichtig sein:
- Persönliche Daten schützen
- Name, Adresse, Telefonnummer, Schule oder Passwörter nicht weitergeben.
- Fremde Kontakte
- Nicht jede Person im Internet ist vertrauenswürdig.
- Cybermobbing
- Gemeine Nachrichten, Ausgrenzung oder Bloßstellungen ernst nehmen.
- Betrug und Abzocke
- Gewinnspiele, Geschenke oder Angebote können Täuschungen sein.
- Ungeeignete Inhalte
- Kinder können auf verstörende oder gewalttätige Inhalte stoßen.
- Künstliche Intelligenz und Falschinformationen
- Nicht alles, was man sieht oder liest, ist wahr.
Tipp 4: Gemeinsam Regeln festlegen
Statt nur Verbote auszusprechen:
- Welche Apps dürfen genutzt werden?
- Welche Informationen dürfen geteilt werden?
- Was tun bei unangenehmen Nachrichten?
- Wie viel Bildschirmzeit ist sinnvoll?
Tipp 5: Immer wieder dran bleiben und Interesse sowie Austausch suchen
Nur weil man einmal über das Thema gesprochen hat, sollte es nicht dabei bleiben. Auch wenn das vielleicht nicht gut bei den Kindern und Teenagern ankommt, sollte man sich immer wieder zeigen lassen, womit die Kids ihre Zeit online verbringen und welche Funktionen dazu gehören.
Die Dokumentation hat mich nochmal wach gerüttelt, dass wir uns als Eltern die Aufklärung nicht aus der Hand nehmen lassen sollten.
Was ich mir für meine Tochter wünsche:
Ich möchte von Anfang an einen offenen Austausch mit ihr pflegen und hoffe, dass sie sich jederzeit an mich wendet, wenn sie im Internet etwas erlebt oder sieht, das sie verunsichert oder nicht versteht. Kinder vollständig vor allen problematischen Inhalten zu schützen, ist heute kaum möglich. Deshalb ist es mir wichtiger, ihnen Vertrauen, Orientierung und die nötigen Kompetenzen mitzugeben, damit sie solchen Situationen selbstbewusst und reflektiert begegnen können.
Habt ihr schon mit euren Kindern über Themen wie digitale Gewalt oder sogar Pornografie im Internet gesprochen? Was sind eure Strategien? Verratet sie uns in den Kommentaren.
Es ist SO SO SO wichtig, mit den Kindern von Anfang an einfach ehrlich zu sein und jede Frage wirklich altersgemäß richtig zu beantworten. Die Doku muss ich mir wohl auch mal anschauen – hab aber jetzt schon ein bisschen Angst.
Ja, die Doku ist wirklich heftig, aber aufrüttelnd und ich habe daraus wichtige Aspekte für mich mitgenommen.
Sehr krasse Doku, kann ich auch nur empfehlen. Bedrückendes, verstörendes und beängstigendes Thema, aber es ist wichtig darüber zu sprechen!
Hast du sie auch geschaut? Ja das fand ich auch. Man möchte sich am liebsten vor dem Thema wegducken, dabei ist es so wichtig darüber zu sprechen, anstatt zu schweigen.