Schulschwimmen oder Kinder, die vor jeder Schwimmstunde weinen, Eltern, die mit der Organisation überfordert sind und ein System. das so nicht mehr zu funktionieren scheint. Aber woran hakt’s?

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    Meine große Tochter kommt nach den Sommerferien in die dritte Klasse. Dann steht in Hamburg auch der Schwimmunterricht auf dem Stundenplan.

    Bereits beim Elternabend, als diese Neuigkeit angekündigt wurde, fiel mir auf, dass viele Eltern mit älteren Geschwisterkindern wenig begeistert reagierten – ganz im Gegenteil. Schnell wurde mir auch klar, warum.

    Da zahlreiche Schwimmhallen geschlossen sind oder derzeit renoviert werden, muss der schulische Schwimmunterricht in einer mehrere Kilometer entfernten Schwimmhalle stattfinden. Das bedeutet, dass die Eltern ihre Kinder in den dunklen Wintermonaten bereits morgens um 7 Uhr dorthin bringen müssen – oder dass die Schule einen Shuttle organisieren muss, der ebenfalls sehr früh zur Schwimmhalle aufbricht.

    Diese Situation hat mich verwirrt – und damit war ich nicht allein. Vielen anderen Eltern ging es genauso.

    Ich war verwirrt – und so ging es nicht nur mir, sondern auch vielen anderen Eltern.

    Schwimmunterricht in der Grundschule: Was gilt in Deutschland?

    Viele Eltern (mich eingeschlossen) fragen sich, ob Schwimmunterricht an Grundschulen in Deutschland verpflichtend ist. Die Antwort lautet: Ja und nein. Eine bundesweit einheitliche Regelung gibt es nicht, denn Bildung ist in Deutschland Ländersache. Jedes Bundesland entscheidet selbst über die Ausgestaltung seiner Lehrpläne.

    In der Praxis gehört Schwimmunterricht jedoch in nahezu allen Bundesländern zum Sportunterricht der Grundschule. Die meisten Kinder kommen erstmals in der dritten oder vierten Klasse mit dem schulischen Schwimmunterricht in Berührung. In einigen Ländern beginnt er bereits früher oder erstreckt sich über mehrere Jahrgangsstufen.

    Besonders verbindlich geregelt ist der Schwimmunterricht beispielsweise bei uns in Hamburg. Dort nehmen alle Grundschulkinder in der dritten und vierten Klasse an einem festgelegten Schwimmprogramm teil. Auch in den übrigen Bundesländern ist Schwimmen in der Regel als verpflichtender Bestandteil des Sportunterrichts vorgesehen.

    Allerdings gibt es zwischen Anspruch und Wirklichkeit mitunter Unterschiede. Nicht jede Schule kann den vorgesehenen Schwimmunterricht im geplanten Umfang anbieten.

    Gründe dafür sind wie auch bei uns der Fall unter anderem fehlende Schwimmhallen, lange Anfahrtswege, Sanierungen von Bädern oder ein Mangel an qualifizierten Lehrkräften. Deshalb kann es vorkommen, dass Unterrichtsstunden verschoben, in Blockform organisiert oder zeitweise ausgesetzt werden.

    In Hamburg schaltet sich jetzt sogar die Elternkammer ein

    Wie der NDR berichtet, weist die Elternkammer darauf hin, dass Schulen teilweise keinen zusätzlichen Bus mehr für den Transport der Kinder zum Schwimmunterricht erhalten. Stattdessen müssen die Schüler längere Strecken zu Fuß zurücklegen oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen, um die Schwimmhallen zu erreichen. Dadurch verlängert sich die An- und Abreise erheblich, während die Kinder oft nur etwa 30 Minuten im Wasser verbringen.

    Bevor die Kinder überhaupt das Wasser berühren, müssen sie eine lange, komplizierte Anreise in Kauf nehmen.
    Bevor die Kinder überhaupt das Wasser berühren, müssen sie eine lange, komplizierte Anreise in Kauf nehmen. Foto: Unsplash

    Ein weiteres großes Hindernis ist der Mangel an Betreuungspersonal. Teilweise begleitet nur eine Person eine gesamte Schulklasse in die Schwimmhalle, während an anderen Schulen die Eltern die Unterstützung übernehmen.

    Die Elternkammer möchte deshalb das Gespräch mit der Schulbehörde suchen, um bestehende Abläufe zu überprüfen und die Organisation zu verbessern. Wie der NDR berichtet, teilte die Behörde mit, dass im neuen Schuljahr für 59 Schulen eine von ihr finanzierte Beförderung zum Schwimmbad angeboten werde. Voraussetzung sei, dass der Weg von der Schule zur Schwimmhalle mehr als 30 Minuten dauert. Auch bei der Umsetzung dieser Regelung gibt es jedoch unterschiedliche Auffassungen.

    Was in Hamburg passiert, ist kein Einzelfall – und besonders Kinder geraten in Panik

    Influencerin Johanna Pinkepank berichtet auf Instagram von ihren Erfahrungen mit dem Schulschwimmen ihrer Kinder. „Das, was unsere Kinder da mitmachen, würde sich kein Erwachsener gefallen lassen“, schreibt sie. Damit spricht sie die Situation ihres dritten Kindes an, die sie nach eigenen Angaben bereits von ihren beiden älteren Kindern kennt.

     

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    Ein Beitrag geteilt von Johanna Pinkepank (@pinkepanki)

    „Der Bus, der die Kinder zum 2,4 km entfernten Schwimmbad bringt, wurde gestrichen, weil der Weg laut HVV App unter 30 Minuten dauert. Berechnungsgrundlage? Ein Erwachsener mit normalem Gehtempo. Realität? 50 Drittklässler:innen mit zwei Erzieher:innen.“

    Nicht nur die Anreise sei stressig, sondern auch der Unterricht selbst:

    Vorm Schwimmen Stress und Druck, beim Schwimmen Stress und Druck und nach dem Schwimmen Stress und Druck.

    Johanna Pinkepank

    Laut der Content Creatorin bleibt für viele grundlegende Abläufe nach dem Schwimmunterricht kaum Zeit. Duschen mit Duschgel, Haare waschen, Föhnen, gründliches Abtrocknen oder entspanntes Anziehen seien aufgrund des engen Zeitplans oft nicht möglich. Insgesamt würden für rund 20 Minuten im Wasser etwa zwei Stunden aufgewendet. Die Folge: Kinder kehrten teilweise mit nassen Haaren und kaum Zeit für ihr Pausenbrot ins Klassenzimmer zurück – auch im Winter.

    Ein Einzelfall? Wohl kaum.

    Der Beitrag wurde mehr als 10.000 Mal gelikt, zahlreiche Eltern aus ganz Deutschland berichten in den Kommentaren von ähnlichen Erfahrungen.

    „In unserer Schule in Thüringen genau das Gleiche. Sammelumkleiden gibt es nur für jede zweite Klasse am Tag des Schwimmunterrichts. Unsere Kinder müssen sich nach dem Schwimmen auf dem Flur umziehen – während des laufenden Badebetriebs. Andere Gäste laufen an den nackten oder halbnackten Kindern vorbei. Ohne Worte. Das Schulamt unternimmt nichts, und die Therme hält an dieser Praxis fest“, schreibt eine Mutter.

    „Gleiches Problem bei uns im Saarland. Hat zwei Kindern total den Spaß am Wasser versaut, endete damit, dass sie nicht schwimmen lernten (nämlich auch nicht mehr in den privaten Schwimmunterricht gehen wollen) und von der KJP (Kinder- und Jugendpsychatrie) jedes Jahr vom Schwimmen befreit werden müssen“, erzählt eine andere Mutter.

    Wie können wir unseren Kindern den Schwimmunterricht so gestalten, dass er ihnen wieder Spaß macht?
    Wie können wir unseren Kindern den Schwimmunterricht so gestalten, dass er ihnen wieder Spaß macht? Foto: Unsplash

    Was braucht es, damit Kinder wieder gern zum Schwimmunterricht gehen?

    Schwimmunterricht in der Schule ist kein nettes Extra, sondern für viele Kinder die einzige Möglichkeit, schwimmen zu lernen. Schwimmkurse sind vielerorts lange im Voraus ausgebucht oder kosten bis zu 300 Euro pro Kurs – eine Summe, die sich nicht jede Familie leisten kann. Umso wichtiger ist es, die Bedingungen im Schulschwimmen zu verbessern.

    Damit Schulschwimmen wieder zuverlässig funktioniert und Kinder sowie Eltern ohne Sorgen daran teilnehmen können, braucht es ausreichend qualifizierte Lehrkräfte und Aufsichtspersonen, sichere und gut ausgestattete Schwimmbäder sowie einen regelmäßigen und gut organisierten Unterricht.

    Ebenso wichtig sind transparente Sicherheitskonzepte und eine offene Kommunikation mit den Eltern. Nur wenn Vertrauen geschaffen wird und die Rahmenbedingungen stimmen, kann Schwimmunterricht seinem eigentlichen Zweck gerecht werden: Kindern eine lebenswichtige Fähigkeit zu vermitteln.

    Für meine große Tochter kommen diese Diskussionen leider zu spät. Doch je mehr Aufmerksamkeit das Thema erhält, desto größer ist die Chance, dass es dort ankommt, wo Veränderungen angestoßen werden können – bei den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung, die die Rahmenbedingungen für ein besseres Schulschwimmen schaffen können.

    Wie steht ihr dazu? War das Schulschwimmen bei euren Kindern auch eine Herausforderung oder steht es euch noch bevor? Verratet es gern in den Kommentaren. 

    4 Kommentare

  1. User Avatar
    Therri

    Ich finde es gut, dass so viele Schulen Schwimmunterricht anbieten. Wenn man bedenkt, wie viele Kinder in dem Alter und auch älter nicht sicher schwimmen können, hat das schon seine Richtigkeit.Mein Sohn hatte im zweiten Halbjahr der dritten Klasse Schulschwimmen, und das wird nach den Sommerferien weitergeführt in der vierten Klasse.Obwohl er außerschulisch sehr gerne schwimmen geht, ist das Schulschwimmen eine andere Hausnummer, die ihm leider keinen Spaß macht. Umziehen, Schulbus und die Aufgaben im Wasser…alles ist sehr stressig und eng getaktet. Alle Kinder in seiner Klasse haben keine Lust! Ich kann mir vorstellen, dass Privatschulen besser organisiert sind.

    • User Avatar
      marie

      Hallo liebe Therri, danke für deine Worte. Meine Tochter ist eigentlich auch eine echte Wasser-Maus und ich hoffe, dass ihr die Lust am Schwimmen mit all dem Stress um die Anreise nicht abhanden kommt. Wie war das bei deinem Sohn? Herzliche Grüße, Marie

      • User Avatar
        Therri

        Hallo Marie,ich hoffe, mein Kommentar ist nicht zu negativ rübergekommen. Natürlich hängt die Organisation und Umsetzung von der jeweiligen Schule ab. Hier werden die Kinder in der Frühstückspause vom Bus abgeholt, der sie zum Schwimmbad fährt. Frühstücken ist gerade noch so möglich in der Pause, aber Spiele oder Rekreation sind zeitlich nicht drin. Im Schwimmbad müssen sie sich zeitig umziehen und duschen. Im Wasser gibt es zwei Gruppen für „erfahrene Schwimmer“ und Anfänger. Danach wird sich wieder zeitig geduscht und umgezogen, bevor er es mit dem Bus zurück zur Schule geht. Ich kann meinen Sohn schon verstehen, wenn wir privat im Schwimmbad sind, bleiben wir einige Stunden und es ist nicht stressig. Beim Schulschwimmen geht das nicht. 

      • User Avatar
        marie

        Hallo liebe Therri, ne, ist gar nicht negativ rüber gekommen. Freue mich, dass du deine Erfahrungen hier mit uns teilst. Ich bin nach all den Geschichten schon sehr gespannt, was uns erwartet. Liebe Grüße, Marie

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