Vielleicht bist du selbst Mama von einem schulpflichtigen Sohn, dann kann es gut sein, dass es ihm schwerer fällt, in der Schule mitzukommen als seinen Mitschüler:innen.
Eine neue Auswertung aus dem sogenannten Chancenmonitor von „Ein Herz für Kinder” des ifo Instituts zeigt nämlich ziemlich deutlich: Jungen haben im deutschen Schulsystem oft schlechtere Karten als Mädchen.
Jungs haben seltener Chancen aufs Gymnasium
Konkret heißt das: 43,5 Prozent der Mädchen besuchen ein Gymnasium – aber nur 36,9 Prozent der Jungen. Das bedeutet: Jungen haben eine um 6,6 Prozentpunkte geringere Wahrscheinlichkeit, aufs Gymnasium zu gehen. Relativ gesehen liegen sie sogar rund 15 Prozent hinter den Mädchen.
Und das zieht sich durch fast alle Familienkonstellationen: Egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund, ob bei Alleinerziehenden oder Paarfamilien – Mädchen landen häufiger auf dem Gymnasium.
Je älter die Kinder, desto größer die Unterschiede
Dieser Unterschied wächst mit den Jahren. Bei den 16-18-Jährigen liegt er schon bei beinahe 10 Prozentpunkten. Das liegt unter anderem daran, dass Jungen häufiger das Gymnasium wieder verlassen oder gar nicht erst bis zum Abitur durchziehen.
Und das ist noch nicht alles, die Studie zeigt noch mehr Punkte, an denen Jungs schulisch Probleme haben:
Jungen werden häufiger später eingeschult
Sie haben öfter Lernschwierigkeiten wie Lese- oder Rechtschreibprobleme
ADHS wird bei ihnen mehr als doppelt so häufig diagnostiziert
Sie wiederholen öfter Klassen
Und sie verlassen die Schule häufiger ohne Abschluss
Besonders auffällig: Beim Lesen liegen Jungen deutlich hinter Mädchen zurück – laut Studien etwa ein Drittel Schuljahr.
Neben Geschlechtereffekt: Herkunft spielt weiter eine große Rolle
Und ein weiterer Punkt der Studie zeigt: Es geht nicht nur um Jungen und Mädchen – sondern auch stark um Herkunft sowie um das Elternhaus.
Denn ganz unabhängig vom Geschlecht gilt: Kinder aus Familien mit höherem Bildungsniveau oder höherem Einkommen haben insgesamt deutlich bessere Chancen aufs Gymnasium. Gleichzeitig wird aber auch sichtbar, dass der Unterschied zwischen Jungen und Mädchen in diesen Familien etwas kleiner ausfällt als in bildungsärmeren Haushalten.
Heißt vereinfacht: Wo Eltern selbst akademisch geprägt sind, gleichen sich die Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen eher ein Stück an – ganz verschwinden tun sie aber nie.
Warum sich die Chancen im Berufsleben dennoch zugunsten der Jungen drehen
Die Wissenschaftler machen deutlich: Der Bildungsvorsprung von Mädchen ist real und zieht sich durch viele Bereiche – von besseren Noten über höhere Gymnasialquoten bis hin zu mehr Abitur- und Studienabschlüssen. Gleichzeitig zeigen sie aber auch, dass diese Vorteile später auf dem Arbeitsmarkt nicht eins zu eins ankommen.
Denn dort spielen andere Faktoren eine große Rolle. Nach Einschätzung der Studienautoren hängt der spätere Einkommensunterschied (Stichwort Gender Pay Gap) weniger mit den schulischen Leistungen zusammen, sondern vor allem mit Lebensverläufen nach der Schule: etwa mit der Berufswahl, mit Teilzeitbeschäftigung oder mit Karriereunterbrechungen, häufig im Zusammenhang mit Kindern.
Das heißt: Männer verdienen im Schnitt mehr und sind häufiger in Führungspositionen. Denn Mädchen starten zwar im Schnitt mit besseren Bildungsabschlüssen ins Erwachsenenleben – aber diese Ausgangslage führt nicht automatisch dazu, dass sich das später in gleichen Karriere- und Einkommenschancen widerspiegelt.
Was bedeuten die Ergebnisse der Studie?
Die Studienautoren betonen deutlich, dass die Ergebnisse kein „Einzelfall“ sind, sondern sich ein klares Muster zeigt, das schon früh in der Bildungslaufbahn beginnt und sich über Jahre hinweg fortsetzt. Deshalb, so ihr Fazit, müsse man genauer hinschauen – insbesondere bei Jungen, die im Schnitt in mehreren Bereichen der Schule schlechter abschneiden als Mädchen.
Die Forschenden machen deshalb deutlich, dass Bildungschancen stärker in den Blick genommen werden müssen – und zwar unabhängig vom Geschlecht. Ziel müsse es sein, früh gegenzusteuern, wenn sich Nachteile zeigen, damit weder Mädchen noch Jungen im Bildungssystem systematisch benachteiligt werden.
Hast du auch das Gefühl, dass Mädchen in der Schule besser klarkommen? Tausche dich gerne in den Kommentaren dazu aus!
Ja, schade, dass ihr euch auch keine Erklärung dafür überlegt.Eine richtige These habe ich dazu noch nicht gefunden, aber die dpa zieht den Schluss, dass es mehr männliche Erzieher in Kitas und Schulen geben sollte. Wie in den letzten 15 Jahren üblich, wird also grundsätzlich die Schuld im Bildungssystem gesehen.Was ich in meinem Umfeld beobachte (ich habe eine 7jährige Tochter und Söhne im Alter von 5, 3 und einem halben Jahr): Jungen müssen gar nichts. Sie müssen nicht am Tisch sitzen, sie müssen nicht lernen, Rücksicht zu nehmen, sie müssen sich nicht anstrengen, beispielsweise beim Laufen, sie müssen nicht im Haushalt helfen, sie müssen sich nicht anpassen, sie müssen nichts selber machen, usw.Somit kenne ich einen Haufen Fünfjährige, die sich nicht einmal ihre Jacke selber anziehen können. Bei den Mädchen ist das nicht so. Ich nehme an, dass von Mädchen mehr verlangt wird und sie damit ein anderes, intrinsisches Lernbedürfnis entwickeln – weil sie an das Lernen gewöhnt sind und auch an die damit verbundenen Erfolge. Das Belohnungszentrum freut sich nämlich auch über die Errungenschaft des Schuhebindens, nicht nur über schnell in den Mund gesteckte Fruchtriegel.Das liegt ganz bestimmt nicht an den weiblichen Erzieherinnen, sondern an einer gesamtgesellschaftlichen Mentalität. Eine Mutter, deren Sohn gerade mit einem Stock andere Kinder vom Karussell schlug, brachte diese Mentalität in aller Abartigkeit auf den Punkt: „Boys will be Boys.“
Hallo zusammen 😀,war echt nach der Überschrift auf die Erklärung gespannt. Leider wurde immer wieder wiederholt, dass Jungs Schwierigkeiten hätten. Aber wir hängt es mit dem Geschlecht nun zusammen? Wie kommen die Unterschiede? LG Irina
Hallo liebe Irina, danke dir für deinen Hinweis – total berechtigte Frage. Die Studie zeigt vor allem dass es Unterschiede gibt, weniger eindeutig warum. Laut Forschung spielen mehrere Dinge zusammen: Jungen haben im Schnitt öfter Schwierigkeiten beim Lesen, bekommen häufiger Diagnosen wie ADHS und werden teils auch anders bewertet.
Heißt: Es liegt nicht nur am Geschlecht selbst, sondern an einem Zusammenspiel aus Entwicklung, Umfeld und Schulsystem.
Liebe Grüße!