Warum ich keine Jogginghosen-Mama sein will

Neulich traf mein Mann eine alte Bekannte wieder. Sie hatte vor ein paar Monaten ein Kind bekommen. Als er nach Hause kam, erzählte er mir von dem Treffen, und als ich ihn fragte, wie es ihr ginge, sagte er nur: „Aus ihr ist jetzt so eine Jogginghosen-Mami geworden.“

Bevor ich kurz mal explodieren und meinem Mann erklären wollte, dass sie gerade ein Kind bekommen hat, und er mal locker bleiben soll, und man als Frau außerdem nicht nur zur visuellen Befriedigung von Männern existiert, musste ich kurz innehalten. Ich fragte mich, wie mein moderner Mann und Papa unseres Kindes überhaupt auf so eine Aussage kam.

Dann kam es mir – er denkt so, weil ich es ihm vorlebe. Ich dachte an ein Foto, dass es von mir gibt, auf dem ich in einem langen, schwarzen Spitzenkleid im Kinderzimmer sitze und Milch abpumpe, um zwei Stunden mit meinem Mann essen zu gehen, während meine Mutter auf unser Töchterchen aufpasste.

Ich liebe es einfach, hübsche Dinge zu tragen (und nein, keine Designersachen, mein Schrank besteht zu 90% aus Zara und &other stories). Ich hatte vor dem Kind einen Job, der schicke Outfits erforderte, und habe in der Elternzeit einfach nicht damit aufgehört, sie zu tragen. Ich bin die Mama, die mit Leopardenprint-Jacke, engen Jeans und Absatzschuhen mit ihrem Kind in der Sandkiste hockt und spielt. Ich finde, die Tage mit einem Baby sind oft eintönig, mir macht es gute Laune, nicht auch noch ein eintöniges Outfit zu tragen. Mein Motto: Das Leben ist kurz, trag den bunten Rock!

Allerdings zieht sich diese Einstellung durch alles: Im Zweifel sitzt auch mein Kind im Kleidchen in der Sandkiste.

Foto: ©Echte Mamas

Ich kaufe gern schöne Sachen für meine Tochter, dekoriere das Kinderzimmer ständig um oder will, dass mein Kind in einem stylishen Kinderwagen sitzt: Es musste ein „Xplory“ von Stokke sein, weil die Form einfach so schön außergewöhnlich ist. Weil es ihn in den schönsten Farben gibt. Und weil ich finde, dass sich hübsch und praktisch nicht ausschließen müssen.

Der schönste und praktischste Kinderwagen, den es gibt: Der „Xplory“ von Stokke. Weil man den Sitz so hochstellen kann, dass das Baby ganz nah bei einem sitzt. Und er sich gut über Treppenstufen ziehen lässt. Und weil er ultrawendig ist!

Das kann man oberflächlich nennen, denn kommt es denn nicht auf ganz andere Dinge an? Ja, kommt es. Aber nur weil mein Kind in einem schicken Stokke-Kinderwagen herumfährt, bedeutet das nicht, dass die Liebe zu kurz kommt. Wir lachen, spielen und kuscheln so viel es nur geht, und sie darf so lange in der Mitte schlafen, wie sie will.

Ich weiß gar nicht, warum man immer unterstellt bekommt, dass, wenn man Wert auf sein Äußeres und schöne Dinge legt, automatisch den Blick für’s Wesentliche verliert und keine gute Mama sein kann.

Das heißt umgedreht natürlich auch nicht, dass ich finde, dass man in Jogginghosen keine gute Mama ist. Auch ich hatte eine Zeit, in der ich nachmittags noch ungeduscht, mit verwuschelten Haaren und Milchflecken auf dem XXL-T-Shirts meines Mannes auf der Couch saß. Es hat nur meiner Stimmung nicht gut getan. Und ich habe beschlossen, dass ich das Schöne, was ich beeinflussen kann, anpacke.

Ich finde, wir Mamas dürfen alles sein: Zauberhaft und übermüdet in Leggings oder chaotisch und stylish im Spitzen-Oberteil. Was auch immer gerade zu unserem Leben und unserer Laune passt. Und niemand sollte darüber urteilen. Auch wir nicht übereinander.

Foto: © Stokke

 

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