Pisa-Studie ist alarmierend.

Deutschland erreicht in der neuen PISA-Studie einen historischen Tiefstand. Welche Faktoren beeinflussen die Bildungschancen von Kindern und welche Rolle spielt dabei das Elternhaus?

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    Es sind Zahlen, die Eltern, Schulen und Politik aufhorchen lassen dürften: 25 Jahre nach dem ersten großen Pisa-Schock schneiden Deutschlands 15-Jährige in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften so schlecht ab wie nie zuvor, berichtet der Spiegel.

    Die neue Pisa-Studie zeigt: Der Abwärtstrend, der sich bereits seit einigen Jahren abzeichnet, hat sich weiter verschärft. Gleichzeitig wird der Unterschied zwischen Jugendlichen aus sozial privilegierten und sozial benachteiligten Familien immer größer.

    Was ist die PISA-Studie?

    PISA steht für „Programme for International Student Assessment“ und ist eine internationale Bildungsstudie der OECD. Sie untersucht, wie gut 15-Jährige wichtige Kompetenzen für ihren weiteren Bildungsweg und Alltag beherrschen.

    Im Mittelpunkt stehen vor allem Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Die Ergebnisse zeigen nicht nur, wie Deutschland im internationalen Vergleich abschneidet, sondern auch, welche Faktoren den Bildungserfolg beeinflussen – etwa die soziale Herkunft.

    Die Studie wird seit 2000 regelmäßig im Abstand von drei Jahren durchgeführt.

     

    Historischer Tiefstand in drei Bereichen

    Nach ersten Verbesserungen in den Jahren nach dem Pisa-Schock ging es für Deutschland vor mehr als zehn Jahren wieder bergab. Seit 2018 hat sich dieser Negativtrend noch einmal verstärkt.

    Inzwischen liegen die Leistungen der Jugendlichen in allen drei Bereichen ungefähr im OECD-Durchschnitt. Das klingt zunächst weniger dramatisch – doch der Blick auf die Entwicklung zeigt, wie ernst die Lage ist: Die deutschen Ergebnisse haben einen historischen Tiefstand erreicht.

    Besonders viele Jugendliche scheitern an den Grundlagen

    Besonders beunruhigend ist der Blick auf die sogenannten Basiskompetenzen.

    Wer bei PISA unter Kompetenzstufe II bleibt, hat Schwierigkeiten, grundlegende Anforderungen zu erfüllen – und genau diese Gruppe wird in Deutschland immer größer.

    In Mathematik gehört inzwischen etwa ein Drittel der 15-Jährigen zu den Leistungsschwächsten. Das bedeutet zum Beispiel, dass es diesen Jugendlichen schwerfallen kann, im Alltag einzuschätzen, ob sich ein Rabattangebot tatsächlich lohnt.

    Auch beim Lesen verfügt fast ein Drittel nur über rudimentäre Fähigkeiten. Eine Kompetenz, die eigentlich für nahezu alles wichtig ist – vom Lernen in der Schule bis hin zum späteren Berufsleben.

    In den Naturwissenschaften liegen 27 Prozent unter der wichtigen Kompetenzstufe II. Sehr besorgniserregend ist auch, dass fast genauso viele Jugendliche zur sogenannten Risikogruppe gehören, weil sie in keinem der drei Bereiche über ausreichende Basiskompetenzen verfügen.

    Besonders alarmierend: Immer mehr Jugendliche erreichen selbst grundlegende Kompetenzen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften nicht.
    Besonders alarmierend: Immer mehr Jugendliche erreichen selbst grundlegende Kompetenzen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften nicht. Foto: pexels

    Auch die Leistungsspitze wird kleiner

    Doch nicht nur die Zahl der leistungsschwachen Jugendlichen gibt Anlass zur Sorge.

    Auch an der Spitze wird die Gruppe kleiner:

    In allen drei getesteten Bereichen schaffen es weniger als zehn Prozent der Jugendlichen auf eine der beiden höchsten Kompetenzstufen.

    Das bedeutet: Deutschland verliert offenbar gleichzeitig an beiden Enden – immer mehr Jugendliche erreichen die grundlegenden Anforderungen nicht, während auch die Gruppe der besonders leistungsstarken Schülerinnen und Schüler schrumpft.

    Bildung hängt wieder stärker vom Elternhaus ab

    Noch eine Entwicklung dürfte besonders nachdenklich machen: Die soziale Herkunft entscheidet in Deutschland wieder stärker über die Bildungschancen, nachdem sich dieser Zusammenhang nach dem ersten Pisa-Schock zunächst etwas abgeschwächt hatte, seit 2015 jedoch wieder deutlich stärker geworden ist.

    Für das Jahr 2025 ermittelten die Pisa-Forscher schließlich den höchsten Wert des gesamten Beobachtungszeitraums, was zeigt, dass der Einfluss der sozialen Herkunft auf den Bildungserfolg inzwischen so groß ist wie nie zuvor

    Besonders deutlich wird der Unterschied beim Blick auf die soziale Herkunft.

    Jugendliche aus dem privilegiertesten Viertel der Gesellschaft schneiden bei den Naturwissenschaften im Durchschnitt deutlich besser ab als Jugendliche aus dem sozial benachteiligsten Viertel. Vier von zehn sozial benachteiligten Schülerinnen und Schülern gehören zu den Leistungsschwächsten. Nur zwei von 100 schaffen es dagegen an die Leistungsspitze. Bei den sozial privilegierten Jugendlichen sieht es völlig anders aus: Hier erreichen 25 von 100 die Leistungsspitze.

    Die Pisa-Forscher kommen deshalb zu einem ernüchternden Ergebnis: Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Leistung ist in Deutschland besonders stark ausgeprägt – stärker als in fast allen anderen untersuchten Ländern.

    Liegt es an der Zuwanderung?

    Eine Erklärung, die bei schlechten Bildungsergebnissen immer wieder genannt wird, ist die gestiegene Zuwanderung. Doch laut Pisa-Forschern greift diese Erklärung zu kurz.

    Der Leiter der PISA-Studie in Deutschland, Samuel Greiff, weist darauf hin, dass Zuwanderung allein die schlechten Ergebnisse nicht erkläre. Entscheidend sei vor allem die sozioökonomische Situation einer Familie.

    Auch andere Faktoren spielen eine Rolle – etwa, welche Sprache zu Hause gesprochen wird, in welchem Alter ein Kind eingewandert ist oder welche Schule es besucht.

    Interessant ist dabei ein Vergleich mit anderen Ländern:

    Kanada und die Schweiz haben ebenfalls einen hohen Anteil an Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte. Trotzdem fallen die Leistungsunterschiede dort teilweise deutlich geringer aus.

    Lesefreude nimmt ebenfalls ab

    Und noch eine Entwicklung dürfte vielen Eltern bekannt vorkommen: Immer weniger Jugendliche lesen freiwillig. Zwischen 2009 und 2018 ging die Lesefreude in Deutschland stärker zurück als in nahezu allen anderen OECD-Staaten, denn knapp die Hälfte der 15-Jährigen gibt an, nur dann zu lesen, wenn es unbedingt sein muss.

    Ganz so düster ist es trotzdem nicht!

    Bei all den alarmierenden Zahlen gibt es immerhin auch einige Lichtblicke, denn rund drei Viertel der 15-Jährigen fühlen sich ihrer Schule zugehörig. Damit liegt Deutschland über dem OECD-Durchschnitt, jedoch  fühlen sich sozial benachteiligte und zugewanderte Jugendliche im Schnitt etwas weniger stark zugehörig.

    Auch beim Thema digitale Kompetenzen zeigt die Studie ein differenziertes Bild. 2025 wurde erstmals untersucht, wie gut Jugendliche digitale Werkzeuge nutzen können, um selbstständig Wissen zu erwerben und Probleme zu lösen. Deutschland landet auch hier nur im Mittelfeld. Gleichzeitig erreichen aber rund ein Viertel der Jugendlichen die beiden höchsten Kompetenzstufen.

    Was muss sich jetzt ändern?

    Die neue Pisa-Studie ist zweifellos ein Warnsignal. Gerade für Eltern dürfte dabei eine Frage besonders wichtig sein: Warum hängt der Bildungserfolg eines Kindes in Deutschland noch immer so stark davon ab, in welche Familie es hineingeboren wird?

    Die Studie selbst liefert zumindest einen Grund zur Hoffnung. Denn Deutschland hat nach dem ersten PISA-Schock bereits einmal gezeigt, dass Verbesserungen möglich sind. Die Forscher betonen deshalb:

    Positive Entwicklungen seien möglich. Deutschland kann sich also wieder vom Tiefpunkt hocharbeiten.

    Dafür braucht es allerdings Veränderungen, die nicht erst dann ansetzen, wenn Jugendliche mit 15 Jahren an grundlegenden Kompetenzen scheitern.

    Auch in den Reaktionen auf die Ergebnisse wird deutlich: Viele sehen dringenden Reformbedarf im deutschen Bildungssystem. Genannt werden unter anderem mehr Personal, kleinere Klassen, weniger Unterrichtsausfall und eine bessere Förderung von Kindern, die zu Hause weniger Unterstützung bekommen. Klar ist: Wenn sich langfristig etwas verbessern soll, muss sich auch im Bildungssystem grundlegend etwas verändern.

    Für Eltern bedeutet die PISA-Studie auch: Sie sollten den Bildungserfolg ihrer Kinder nicht allein auffangen müssen. Nicht jede Familie kann Nachhilfe bezahlen oder täglich beim Lernen helfen. Umso wichtiger sind frühe Förderung, kostenlose Lernangebote und eine Schule, die Kinder gezielt unterstützt. Eltern können viel beitragen – etwa durch gemeinsames Lesen, Interesse und Ermutigung. Doch am Ende darf Bildung nicht davon abhängen, wie viel Zeit, Geld oder Bildungswissen eine Familie mitbringt.

    Was denkst du: Macht dir das Ergebnis der neuen Pisa-Studie Sorgen? Und was müsste sich deiner Meinung nach in Deutschlands Schulen dringend ändern?