Das Elterngeld ist doch steuerfrei, wie sollt es dann Auswirkungen auf die Steuer haben? Ganz so einfach ist es nicht! Wenn du nicht aufpasst, musst du ordentlich nachzahlen – wir erklären dir wieso und wie du das vermeidest.

Inhalt dieses Artikels

    Elterngeld gilt als steuerfrei – doch für viele Familien kommt später trotzdem Post vom Finanzamt. Der Grund: Die Leistung kann euren persönlichen Steuersatz erhöhen.

     

    Warum Elterngeld die Steuer im Nachhinein beeinflusst

    Neben Elterngeld bekommen jedes Jahr Millionen Menschen in Deutschland sogenannte Lohnersatzleistungen – zum Beispiel Krankengeld, Mutterschaftsgeld, Kurzarbeitergeld oder Arbeitslosengeld I. Sie sollen Einkommensausfälle ausgleichen und werden ohne direkten Steuerabzug ausgezahlt.

    Genau das führt bei vielen zu einem Missverständnis: Auch wenn diese Leistungen steuerfrei sind, können sie später angerechnet werden – und zwar aus einem ganz bestimmten Grund, wie der Merkur berichtet.

     

    Wegen Progressionsvorbehalt: Elterngeld relevant für Steuererklärung

    Der Progressionsvorbehalt ist im § 32b Einkommensteuergesetz geregelt. Dabei wird das steuerfreie Geld bei der Berechnung des Steuersatzes berücksichtigt. Die Folge: Am Ende kann es zu einer Steuernachzahlung kommen, obwohl das Elterngeld selbst gar nicht versteuert wird.

    Gut zu Wissen

    Der Progressionsvorbehalt bedeutet, dass bestimmte Einnahmen zwar steuerfrei sind (wie Elterngeld), sie können aber den Steuersatz für dein anderes Einkommen erhöhen. 

    Wann ihr eine Steuererklärung abgeben müsst

    Was viele ebenfalls nicht wissen: Wer im Jahr mehr als 410 Euro solcher Lohnersatzleistungen erhält, muss eine Einkommensteuererklärung abgeben. Dazu gehören unter anderem:

    • Elterngeld
    • Krankengeld
    • Mutterschaftsgeld
    • Kurzarbeitergeld
    • Arbeitslosengeld I

    Diese Pflicht ergibt sich laut § 46 Absatz 2 Nummer 1 Einkommensteuergesetz. Gerade Eltern merken das manchmal erst spät – zum Beispiel, wenn das Finanzamt eine Erinnerung oder Mahnung schickt.

     

    Was passiert, wenn du die Steuererklärung verschwitzt?

    Wer die Frist verpasst, muss laut § 152 Abgabenordnung mit einem Verspätungszuschlag rechnen. Dieser beträgt mindestens 25 Euro pro angefangenem Monat oder 0,25 Prozent der festgesetzten Steuer, maximal jedoch 25.000 Euro.

    Außerdem kann das Finanzamt eine Schätzung der Steuer vornehmen, wenn Unterlagen fehlen oder keine Erklärung abgegeben wird. Solche Schätzungen fallen laut Steuerexperten häufig eher zu Ungunsten der Betroffenen aus.

     

    Was Familien tun können

    Für viele Familien ist das erst einmal überraschend. Deshalb kann es sinnvoll sein, schon während der Elternzeit im Blick zu behalten, dass möglicherweise noch eine Steuererklärung auf euch zukommt – und im Zweifel etwas Geld für eine mögliche Nachzahlung zurückzulegen.

    Wenn du dir unsicher bist, kannst du direkt beim Finanzamt anrufen und nachfragen.

    Frage an unsere Community: Habt ihr beim Elterngeld schon einmal eine Steuer-Nachzahlung erlebt – oder war euch der Progressionsvorbehalt vorher gar nicht bekannt?