Kennt ihr schon Nora? Nein? Das muss sich ändern! Wir möchten euch die Podcast-Hostin unseres „Ehrlich gesagt“-Podcasts genauer vorstellen und erfahren, wie die Mama hinterm Mikro so tickt.
Nora spricht als Mama zweier Töchter in unserem Interview ganz ehrlich darüber, wie einsam sich die erste Zeit mit Baby anfühlen kann, warum sie gern ihr Bett zurück hätte und wie sie schmerzhaft gelernt hat, gut auf sich selbst aufzupassen. Aber lest aber besten selbst:
Liebe Nora, du bist seit Anfang des Jahres die neue Hostin unseres Podcasts, aber magst du dich mehr selbst vorstellen?
„Aber na klar: Ich bin Nora Becker, 40 Jahre alt und wohne mit meinem Mann, unseren zwei Töchtern und unserem Hund im Speckgürtel von Hamburg. Wir sind 2020 rausgezogen, weil wir keine passende Wohnung in Hamburg gefunden haben und mittlerweile auch mega happy so ländlich zu wohnen. Ich komme ursprünglich aus dem Münsterland in NRW, nahe der holländischen Grenze und habe in den Niederlanden Jazzgesang studiert.
Nach einigen rastlosen Jahren bin ich seit 2010 dem Norden treu geblieben, arbeite und wohne in und um Hamburg freiberuflich als Sängerin, Sprecherin sowie Coach für Stimme und Performance – und bin seit Januar Host von dem wundervollen „Ehrlich gesagt“-Podcast unterwegs.“
Du bist selbst Mama von zwei Töchtern: Warum ist es dir so wichtig, dass wir Mamas uns noch viel mehr vernetzen, voneinander lernen und austauschen?
„Ich selbst habe die Zeit nach der Geburt meiner ersten Tochter als die einsamste Phase meines Lebens empfunden. Ich hatte leider nicht das Glück, bis auf eine Freundin, echte Mum Friends in der Nähe zu haben. Zwar konnte ich meine eigene Mutter fragen, aber ich habe mich einfach nicht wirklich verstanden gefühlt. Es gab noch eine Freundin, die aber zu der Zeit nicht in Hamburg lebte, mit der ich regelmäßig telefonierte und die mir wirklich Halt gegeben hat, weil sie auch eine Tochter hatte. Sie war meine Anlaufstelle, wenn ich Fragen zum Thema Stillen, Beikost oder Schlaf hatte.
Mein Mann hat alles gegeben, aber es war leider nicht genug. Da habe ich verstanden, wie wichtig es ist, dass wir Mamas uns austauschen – ohne Tabus.
Denn nur, wenn wir das Gefühl haben, nicht alleine zu sein, trauen wir uns wirklich über tiefste Bedürfnisse und Emotionen zu sprechen und können die Scham ablegen.
Der Austausch schafft Nähe und den Freiraum Fehler machen zu dürfen, Ängste zu haben und darüber zu reden – das ist einfach sehr wertvoll.“
Wie würdest du dich selbst als Mama beschreiben und welches Learning würdest du anderen Mamas gern mit auf den Weg geben?
„Ich würde mich als Halbglucke beschreiben. Ich liebe meine Kinder mehr als alles andere auf der Welt und würde alles für die beiden tun. Gleichzeitig lerne ich mehr und mehr mich selbst an erster Stelle zu stellen. Ich bin beispielsweise nicht so gut im Grenzen setzen und kann oft nicht so gut einschätzen, ob ich noch kann oder mir etwas eigentlich schon zu viel ist. Das Thema Schlaf und ein Bett teilen ist so ein Beispiel.
Unsere Kinder schlafen oft noch in unserem Bett, aber eigentlich vermisse ich die Zweisamkeit mit meinem Mann.
Da bin ich aktuell noch hin- und hergerissen. Ansonsten würde ich sagen, dass ich eine Mama bin, die sehr erpicht darauf ist, dass unsere Kinder selbstständig, mutig, authentisch und resilient sind. Ich wünsche mir, dass meine Kinder wissen, was ihre Leidenschaften sind und worin ihr Potential als Individuum steckt. Mein Ziel ist es, dass sie Mitgefühl und Teamfähigkeit von uns lernen und sich auf dem Weg dorthin geliebt und geschätzt fühlen.“
Du kommst ja eigentlich aus dem Vocal Coaching und bist die Sängerin einer eignen Band. Kannst du deinen Job auf der Bühne gut mit dem Mamasein zu vereinen?
„Ich dachte erst, dass das easy geht, aber wenn ich ehrlich bin, hat es mich sehr beansprucht – und ich habe nicht gut auf mich aufgepasst. Da spricht die People-Pleaserin aus mir. Einen Beruf auszuführen, der so viel Leidenschaft erfordert, braucht zwischendurch auch Pausen. Die habe ich mir nie gegönnt, weil ich Angst hatte, den Anschluss zu verpassen. Tagsüber war ich Mama, Frau, Freundin, Sprecherin, Vocal Coach und abends auf der Bühne als Sängerin. Das ging einige Jahre lang gut, bis ich ausgezehrt war.
Gott sei Dank kann ich heute die Früchte dieser Arbeit ernten und mir meine Jobs aussuchen. Dass bedeutet zwar, dass ich immer noch viel arbeite, weil ich liebe, was ich tue, aber ich behalte besser den Überblick und achte darauf, dass es mir gut geht – und damit auch meiner Familie.“
Mehr Sichtbarkeit wünschen sich viele Mamas – nicht unbedingt auf einer Bühne, sondern vielleicht für ihre Tätigkeiten in der Familie, im Job oder für ein Thema. das ihnen persönlich wichtig ist. Was würdest du ihnen raten?
„Ich möchte erstmal sagen, dass wenn ein Mensch das tiefe Bedürfnis hat, über etwas zu sprechen, dann sollte man dem auf die Spur gehen. Warum muss das raus? An wen ist die Botschaft gerichtet und kann ich, nachdem ich mich geäußert habe, mit den Reaktionen umgehen? Sowohl positiv als auch negativ. Wenn man sich dessen klar ist und wirklich alle Szenarien im Kopf oder mit einem Gegenüber als Spielpartner durchgegangen ist, fühlt man sich ready für den „Auftritt“.
Mach dir deine Botschaft und die Dringlichkeit vorher ganz klar, sodass sich Lampenfieber eher anfühlt wie: „Jetzt sag ich’s allen – alle sollen es hören und zwar von mir!“
Und dann würde ich noch raten negative Reaktionen nicht wie einen Angriff aufzunehmen, sondern wie eine Erweiterung des Kerngedankens. Es muss nicht die große Bühne sein, diese Taktik funktioniert auch, wenn man im Gespräch mit einer Freundin Grenzen setzen will oder bei Gehaltsverhandlungen mit der Chefin. Das ist reine Übungssache und man sollte sich nicht abschrecken lassen, sondern sich die Sichtbarkeit für die eigenen Themen mit etwas Vorbereitung einfach nehmen.
Welche Gäst:innen würdest du gern mal für den „Ehrlich gesagt“-Podcast interviewen?
- Eine Leihmutter, weil ich gern verstehen würde, warum man sich für den Prozess entscheidet.
- Anke Engelke, weil ich gern wüsste, was sie für eine Mama ist.
- Eine Frau, die sich ganz bewusst gegen Kinder entschieden hat, weil mich interessiert, ob sie es zu einem Zeitpunkt bereut hat?
Welcher vergangene Podcast ist die besonders im Gedächtnis geblieben?
„Die Folge „Ungewollt kinderlos – ich hatte das Gefühl, ich hätte versagt“ mit Nova Meierhenrich und meiner Vorgängerin Nora Pinck. Die Geschichte hat mich sehr berührt und gefesselt. Falls ihr euch das Gespräch noch nicht angehört habt, klickt unbedingt nochmal rein.“
Deine Kinder haben das Babyalter schon überstanden, aber hast du einen Tipp für eine Mama, die mitten in der Phase steckt?
„Es kommt, wie es kommt.
Ich weiß, dass es manchmal sau hart ist, im Moment zu sein. Aber bitte beeile dich nicht.
Die Zeit läuft eh weiter. Es gibt also keinen Grund, sie überholen zu wollen und zu versuchen vor ihr da zu sein. Außerdem stimmt es leider, was alle sagen: Auch wenn es sich in dem Moment nicht so anfühlt, geht die Babyzeit doch im Nachhinein schnell vorbei. Du schaffst das und du machst das gut, liebe Mama.“
Wer noch mehr von Nora erfahren möchte, findet hier alle Folgen des „Ehrlich gesagt“-Podcasts. In der aktuellen Episode spricht Nora mit Moderatorin, Zweifach-Mama und Beauty-Expertin Wana Limar über Spiritualität, über Co-Sleeping ohne Scham, über Gemeinschaft und das, was wir vielleicht verlernt haben: Urvertrauen. Hört unbedingt rein! Plus: Hier geht’s zum „Ehrlich gesagt“-Instagram-Account mit weiteren Behind-the-Scenes-Eindrücken.
Habt ihr noch Fragen an Nora? Dann kommentiert sie gern in der Kommentarfunktion und sie wird sie euch persönlich beantworten.
„Das erste Babyjahr war die einsamste Zeit meines Lebens“
Von
Marie Kahle
6. März 2026