Der aktuelle Trend ist eindeutig für die zweite Variante. „Pregnancy Longevity“ ist der Lifestyle für Frauen, die schon vorher nach den Longevity-Prinzipien lebten und das in der Schwangerschaft fortführen wollen – für das gesündeste aller Ergebnisse für Mutter und Kind.
Ist das wirklich nötig? Wie anstrengend ist das – in der ohnehin schon oft kräftezehrenden Zeit der Schwangerschaft? Und: Wie viel Neues steckt in dem Konzept? Hier gibt es alle Antworten und die Einschätzung einer Expertin.
Was hinter der Idee steckt
So englisch der Begriff klingt: Geprägt hat ihn die deutsche Ärztin Dr. Anne Latz, die als Podcasterin, Speakerin und Autorin im Namen des gesunden Lebensstils unterwegs ist – auch in der Schwangerschaft. Kurz zur Erklärung: Longevity bedeutet Langlebigkeit, hinter der Idee steckt die Vision, durch das eigene Verhalten für ein möglichst gesundes und langes Leben zu sorgen.
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Geht es nach Dr. Anne Latz, sollten wir diesen Ansatz auch mit Babybauch verfolgen. „Unsere POWER in der Schwangerschaft hat mich selbst umgehauen: Mit unseren täglichen Gewohnheiten und Entscheidungen können wir eine starke Basis bilden für Körper, Gehirn und Immunsystem unseres Babys“, schreibt sie bei Instagram. „Wir hinterlassen mit unseren Handlungen kleine Abdrücke auf den Genen unserer Babys.“
Gemeinsam mit weiteren internationalen Expert*innen hat sie einen Guide rund um Pregancy Longevity erstellt, der im Kern die folgenden Punkte enthält:
- Ernährung: Es geht nicht darum, für zwei zu essen, sondern Nährstoffe für zwei aufzunehmen. Ausreichend Proteine, dabei den Blutzuckerspiegel möglichst konstant halten, den Fokus auf nährstoffreiche, unverarbeitete Lebensmittel legen und bewusst mit Hunger- und Körpersignalen umgehen.
- Bewegung: Auch in der Schwangerschaft geht es um eine regelmäßige, wenn auch sanftere Bewegung. Muskulatur, Haltung und Wohlbefinden sollen dabei gestärkt werden – in einem angemessenen Rahmen. Wichtiger als die Intensität ist die Kontinuität.
- Schlaf: Hier liegt der Fokus auf körperlicher und mentaler Regenation in der Nacht. Um gut zu schlafen, können entspannende Abendroutinen und ein möglichst konstanter Schlafrhythmus helfen. Denn guter Schlaf ist wichtig für den Hormonspiegel und das Immunsystem.
- Atem und Stressregulation: Das Nervensystem der schwangeren Frau (und damit auch des Babys) sollte möglichst entspannt sein, bei der Beruhigung helfen Atemtechniken. Die emotionale Stabilität soll gezielt gefördert, Stresshormone abgebaut werden.
- Licht, Wärme und Kälte: Beim klassischen Longevity-Konzept sind Sauna, Eisbäder und Lichttherapie klassische Elemente – in der Schwangerschaft geht es deutlich moderater zu. Extremreize sollen vermieden werden, dafür kann moderate Wärme zur Entspannung und Kälte (zum Beispiel in Form einer kurzen kalten Dusche) zur Erfrischung eingesetzt werden.
- Beziehungen und Mindset: Ein stabiles soziales Umfeld und eine insgesamt positive Haltung – auch sich selbst gegenüber – sind gesund. Das sogenannte Glückshormon Oxytocin wirkt sich positiv auf den gesamten Organismus aus, hiervon bitte möglichst viel.
- Schädliche Stoffe minimieren: Ob in der Ernährung, durch Mikroplastik in Kosmetik oder Abgase der Umwelt – alles, was an schädlichen Stoffen in den mütterlichen Körper hineinkommt, schadet auch dem Baby.
- Gezielte Nahrungsergänzungsmittel: Longevity-Anhängerinnen haben meist eine hohe Dosis an Supplements, das geht in der Schwangerschaft in angepasster Form weiter. Hier liegt der Fokus auf Folsäure, Omega-3, Eisen, Jod und Vitamin D.
- Epigenetik: Insgesamt gehen die Expert:innen hinter dem Konzept davon aus, dass der Lebensstil der Mutter die Gen-Aktivität des ungeborenen Babys beeinflusst. Für eine gesunde Entwicklung und langfristige Gesundheit des Kindes ist ein gesunder, bewusster Lebensstil in der Schwangerschaft also unerlässlich.
Wie viel Pregnancy Longevity ist wirklich machbar?
Bei dieser Übersicht wird klar: Einige Punkte gehen Schwangere sicher ohnehin bereits an. Auf eine gute Versorgung mit Folsäure setzen die meisten Frauen auf Rat von Gynäkolog:innen bereits in der Kinderwunschphase. Dass Schadstoffe und Mikroplastik eine negative Wirkung haben, ist genauso offensichtlich wie die Tatsache, dass regelmäßige Bewegung gesund ist.
Andere Faktoren – wie die Einnahme weiterer Supplements, bewusster Umgang mit Wärme und Kälte, gezielte Proteinzufuhr oder der Einsatz von stressreduzierenden Atemtechniken – sind sicher Extra-Punkte auf der langen Liste an Dingen, bei der Schwangere oft das Gefühl haben, sie unbedingt beachten zu müssen. Der Druck in der Schwangerschaft durch gut gemeinte Ratschläge aus dem Umfeld, Tipps bei Social Media oder die eigenen Ansprüche ist hoch genug. Wie sinnvoll ist es dann, auch noch nach dem Prinzip von Pregnancy Longevity zu leben?
Was eine Kinderärztin zu Pregnancy Longevity sagt
Dr. med. Snjezana-Maria Schütt ist als die „Kinderherztin“ bekannt und sie hat sich für „Echte Mamas“ angeschaut, welche Aspekte von Pregnancy Longevity wirklich sinnvoll sind – und was vielleicht gar nicht so neu ist, wie das Konzept auf den ersten Blick klingt.
„Grundsätzlich kann ich sagen, dass die allgemeinen Empfehlungen zu einem gesunden Lebensstil wie zum Beispiel eine ausgewogene und gesunde Ernährung, die Zufuhr essenzieller Nährstoffe, ausreichend Schlaf und körperliche Bewegung natürlich auch in der Schwangerschaft gültig sind“, sagt sie.
„In dieser Zeit sogar ganz besonders, denn sie beeinflussen nicht nur die Gesundheit der werdenden Mutter, sondern auch die Entwicklung und Gesundheit des Kindes.“
Die ersten 1000 Tage eines Kindes – gerechnet von der Empfängnis bis etwa zum zweiten Geburtstag – sind der Expertin zufolge eine besonders sensible Phase für die Entwicklung eines Kindes. Hier lohnt es sich also, in der Schwangerschaft entsprechend zu leben. „Insbesondere die Ernährung nimmt dabei eine zentrale Rolle ein“, sagt Snjezana-Maria Schütt.
„Schon die Ernährung der Schwangeren und eine ausreichende Versorgung mit Energie, Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen ist nicht nur wichtig für die Zellteilung und Entwicklung der kindlichen Organe und des Nervensystems, sondern beeinflusst auch die Zusammensetzung des kindlichen Mikrobioms und des Immunsystems.“ Das spätere Auftreten von Allergien, Autoimmunerkrankungen, Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht können durch die Ernährung in der Schwangerschaft beeinflusst werden.
Das bedeutet also: Ja, die spätere Gesundheit des Kindes hängt davon ab, wie wir uns als werdende Mutter in der Schwangerschaft ernähren. Hier ist es also sinnvoll, auf eine gesunde Nährstoffzufuhr zu achten – sofern das Morgenübelkeit oder Heißhungerphasen zulassen.
Die Rolle von Bewegung, Schadstoffen und Nahrungsergänzungsmitteln
Auch in Sachen Bewegung stimmt die „Kinderherztin“ den Expert*innen aus dem Pregnancy-Longevity-Umfeld zu: „Moderate körperliche Aktivität in der Schwangerschaft kann zum Beispiel das Risiko für die Entstehung eines Schwangerschaftsdiabetes reduzieren und somit auch die damit einhergehenden Auswirkungen auf das Geburtsgewicht des Kindes und sein späteres Risiko für Übergewicht und Stoffwechselstörungen beeinflussen.“ Wichtig sei es, die Bewegung individuell an den Gesundheitszustand der Mutter anzupassen.
Wenn es um Schadstoffe geht, sagt Snjezana-Maria Schütt: „Während der Schwangerschaft ist der Fötus besonders empfindlich gegenüber Umweltfaktoren. Schadstoffe aus der Umwelt können über den Körper der Mutter aufgenommen werden, teilweise die Plazenta passieren und zum Beispiel die Entwicklung von Organen beeinflussen.“
So werde vermutet, dass Mikroplastik Entzündungsreaktionen auslösen könne und Pestizide den Hormonstoffwechsel beeinflussen. „Auch wenn die genauen Mechanismen noch nicht ausreichend erforscht sind, ist ein achtsamer Umgang und eine Reduktion der Schadstoffbelastung in der Schwangerschaft wichtig, um die Risiken für die Gesundheit des Kindes möglichst gering zu halten.“
Dass werdende Mütter besonders auf die Aufnahme von Nährstoffen achten und dabei auf Nahrungsergänzungsmittel setzen sollten: Das sieht auch Expertin Snjezana-Maria Schütt so. „Die Empfehlungen zur Zufuhr wichtiger Nährstoffe in der Schwangerschaft sind unabhängig von speziellen ‚Trends‘ gültig. Hierbei spielen Folsäure, Omega-3, Eisen, Jod und Vitamin D eine besonders wichtige Rolle.“
Fazit: Pregnancy Longevity – ja oder nein?
Klar ist: Wer vor der Schwangerschaft bereits den Longevity-Lifestyle verkörperte, auf Biohacking durch Eisbäder und Supplements setzte, den eigenen Schlaf trackte und Schadstoffe möglichst aus dem Leben verbannte, wird das mit Beginn der Schwangerschaft nicht komplett loslassen, sondern anpassen. Diese Frauen sollten darauf achten, es mit intensivem Sport, Hitzezufuhr und Kälte nicht zu übertreiben. Viele weitere Routinen können in abgewandelter Form fortgeführt werden.
Für alle anderen Frauen gilt:
Es ist ratsam, auf einen gesunden Lebensstil in der Schwangerschaft zu setzen. Ob man sich dafür entscheidet, auf Kosmetikprodukte ohne Mikroplastik und Bio-Lebensmittel ohne Pestizide zu setzen (was auch ohne Baby im Bauch gesund ist), ist natürlich jeder Frau selbst überlassen
Das Gleiche gilt mit Blick auf Schlafqualität und Stressreduktion: Entspannungstechniken und erholsamer Schlaf tun jeder Frau gut, in der Schwangerschaft ganz besonders.
Wie viel Zeit und Energie man hier investiert, dürfen wir alle selbst entscheiden. Wichtig ist sicher, dass die Umsetzung all dieser Ratschläge nicht zusätzlichen Stress verursacht – denn dieser ist nachweislich schädlich für Mutter und Baby.
Konntet ihr eure Gesundheit während der Schwangerschaft optimieren – oder habt ihr aufgrund von Heißhunger-Attacken oder Schwangerschaftsübelkeit darüber nicht mal nachdenken können? Wir sind so gespannt, wie ihr zu dem Thema steht. Lasst es uns in den Kommentaren wissen.
Whut? Laut eines Hypes sollten wir die Schwangerschaft maximal optimieren?
Von
Marie Kahle
18. März 2026