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    Vielleicht kennst du diese Gedanken: Reicht das Stillen? Sollte ich zufüttern? Oder ist die Flasche für uns einfach der bessere Weg? Kaum ein Thema rund ums Baby wird so emotional diskutiert wie das Stillen – und gleichzeitig wollen doch alle Mamas vor allem eins: dass es ihrem Kind gut geht.

    Jetzt gibt es erstmals eine offizielle deutsche Leitlinie, die klar empfiehlt: Babys sollten in den ersten sechs Lebensmonaten voll gestillt werden. Herausgegeben wurde sie von 26 Fachgesellschaften und -verbänden. Wir möchten aber einmal vorwegnehmen: Jede Frau sollte das ganz für sich allein entscheiden, denn es ist ganz allein ihr Körper, der stillt oder eben nicht.

     

    Was genau wird empfohlen?

    Die neue Leitlinie sagt:

    • Die ersten sechs Monate ausschließlich stillen.
    • Danach schrittweise Beikost einführen.
    • Und möglichst bis zum ersten Geburtstag weiterstillen – begleitend zur normalen Ernährung.

    Bisher hieß es eher: Ab dem vierten Monat kann mit dem ersten Brei begonnen werden. Ein konkreter Zeitrahmen fürs Weiterstillen war bislang nicht festgelegt.

     

    Worauf stützen sich die Fachleute?

    Die Leitlinie, die von Medien wie der Tagesschau aufgegriffen wurde, basiert auf der Auswertung von großen internationale Übersichtsarbeiten. Das Ergebnis: In den meisten untersuchten Bereichen zeigten sich Vorteile, wenn Babys sechs Monate voll gestillt wurden und insgesamt etwa ein Jahr oder länger gestillt wurden – verglichen mit kürzerem oder gar keinem Stillen.

    Bei den Kindern wurden unter anderem folgende Zusammenhänge beobachtet:

    • weniger Mittelohrentzündungen
    • weniger Magen-Darm-Infekte
    • geringeres Risiko für Leukämie
    • Hinweise auf ein reduziertes Risiko für Autismus und ADHS
    • Auch ein möglicher schützender Effekt gegenüber Asthma wurde gefunden.

     

    Wo ist die Datenlage nicht eindeutig?

    Nicht für alle Erkrankungen ist die Studienlage klar. Beim Thema Übergewicht (Adipositas) zum Beispiel ließ sich kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Stilldauer im ersten halben Jahr und späterem Risiko belegen.

    Das liegt auch an der Art der Studien: Meist handelt es sich um Beobachtungsstudien. Dabei werden stillende und nicht stillende Mütter im Alltag begleitet – aber viele andere Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle, etwa:

    Solche Einflüsse lassen sich wissenschaftlich nie komplett „herausrechnen“. Trotzdem sprechen die Autorinnen und Autoren der Leitlinie von der stärksten Datenlage, die aktuell verfügbar ist – weil viele internationale Studien zu ähnlichen Ergebnissen kommen.

     

    Vorteile auch für Mütter

    Untersucht wurden auch neun gesundheitliche Effekte bei stillenden Frauen. Besonders deutlich ist laut Leitlinie der Zusammenhang zwischen längerer Stilldauer und einem verringerten Brustkrebsrisiko. Je nach Auswertung kann das Risiko bei sehr langer Stilldauer um 25 bis 40 Prozent sinken.

    Auch ein positiver Einfluss auf Wochenbett-Depressionen wird beschrieben.

     

    Stillen oder Fläschchen: Jede Frau entscheidet das für sich

    Aber  jetzt kommt der entscheidende Punkt – gerade für uns als Community: Die Leitlinie richtet sich in erster Linie an medizinisches Fachpersonal, das Mütter individuell berät. Sie ist keine Verpflichtung.

    Die Expertinnen und Experten betonen ausdrücklich: Jede Frau entscheidet selbst, ob und wie lange sie stillen möchte oder kann. Es soll kein moralischer Druck entstehen. Wenn du dir deine Entscheidung gut überlegt hast und dir sicher bist, dass das Stillen für dich mehr Schlechtes als Gutes tut, dann gibt es keinen Grund, ein schlechtes Gewissen zu haben oder der Welt eine Erklärung geben zu müssen.

    Am Ende zählt nicht ob Fläschchen oder Stillen, sondern auch Nähe, Zuwendung, Sicherheit. Ein sattes Baby im Arm einer entspannten Bezugsperson – das ist ebenfalls Gesundheit.

    Wie stehst du zum Thema Stillen? Hast du selbst gestillt oder bist du eine Fläschchen-Mama? Verrate es uns in den Kommentaren!