Das aus meiner Sicht größte Problem:
Die kindliche Überforderung in Streaming-Diensten. Ein Kanal im öffentlich-rechtlichen hat feste Sendezeiten, eine klare Struktur – das gibt Orientierung. Im Streaming-Dschungel von heute verlieren sich Kinder vielleicht schneller, wenn sie zwischen den verschiedenen Plattformen springen. Wer kennt es nicht, wie reizvoll all die anderen Angebote auf der Oberfläche der Streaming-Dienste sind – und man eigentlich ALLES sehen will? Das geht mir mit meinen 46 Jahren schon so. Wie soll es dann Kindern gehen? Fernsehen ist das geruhsamere Medium und überfordert meiner Meinung nach nicht so schnell wie die „unendlichen Möglichkeiten“ des Internets.
Weitere Kritik an dem Vorhaben
Wie schon anfangs erwähnt, ist KiKA ist für viele Eltern ein sicherer Hafen im Medienalltag ihrer Kinder – ein Programm, das verlässlich, pädagogisch wertvoll und werbefrei ist. Deswegen gibt es viele Kritikpunkte, die laut werden.
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Zugangsgerechtigkeit: Nicht alle Familien haben gleich guten Internetzugang oder passende Endgeräte. Ein reiner Online-KiKA könnte Kinder in benachteiligten Haushalten ausschließen. „Für viele Familien ist KiKA der einfachste Zugang zu Medien, Wissen und politischer Orientierung, und zwar unabhängig von Einkommen oder Internetanbindung“, schreibt auch Amy Kirchhoff von der Bundesschülerkonferenz in einer Pressemitteilung.
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Gemeinsame Rituale: Für viele Familien ist das gemeinsame Einschalten von KiKA im Fernsehen ein lieb gewonnenes Ritual – etwas, das mit dem On-Demand-Streaming entfallen kann.
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Symbol-Charakter: Der KiKA war seit seinem Start 1997 ein Leuchtturm für öffentlich-rechtliches Kinderfernsehen. Sein Verschwinden aus dem klassischen TV wirkt fast wie das Ende einer Ära.
Warum gibt es diese Pläne überhaupt?
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Die Mediennutzung hat sich verändert: Kinder wachsen zunehmend mit digitalen Geräten auf. ARD und ZDF argumentieren, dass Streaming, Mediatheken und Online-Apps moderner sind und besser zum Nutzungsverhalten der jungen Generation passen.
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Effizienz & Sparmaßnahmen: Durch die Reform sollen Kosten eingespart werden, etwa durch die Reduzierung von linearen Spartenkanälen. KiKA soll so Teil eines schlankeren öffentlich-rechtlichen Angebots werden.
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Zukunftssicherheit: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk will sich zukunftsfähig aufstellen und stärker dort präsent sein, wo vor allem junge Menschen sind – eben digital.
Die Petition – gerne unterschreiben!
Die Wehmut trifft nicht nur meine Generation, sondern auch Jüngere, die selbst mit dem KiKA groß geworden sind: Eine 18-Jährige aus Schleswig-Holstein startete die Onlinepetition #KiKAretten, die schon von mehr als 50.000 Menschen unterzeichnet wurde. Sie sei inzwischen auf Tiktok aktiv, sagt sie, „aber ohne KiKA im TV wäre ich nie die geworden, die ich heute bin“.
Mein Fazit:
Die Überlegungen von ARD/ZDF sind absolut nachvollziehbar – trotzdem habe ich das Gefühl, dass etwas sehr Wertvolles verloren geht. Nicht nur ein Sender, sondern ein ganzer geschützter Raum, in dem Kinder zeitgleich lernen und träumen können. Und eine Menge Tradition, denn hat es nicht irgendwie etwas Geruhsames, Besonderes und Schönes, gezielt eine Sendung im Fernsehen einzuschalten?
Quellen:
„Entscheidung gefallen: ARD-Sender steht nach 27 Jahren vor dem Aus“ auf ruhr24.de, abgerufen am 25.11.25
„Im Strudel der Reform – Studie attestiert Kinderkanal hohe Akzeptanz bei Eltern und Kindern“ auf mediendienst.kna.de, abgerufen am 25.11.25
TV-Aus für den KiKA? Warum das ein echter Verlust ist
Von
Laura Dieckmann
25. November 2025