„Vor 16 Jahren bin ich das erste Mal Mama geworden. Ich hatte immer den Wunsch, mehr als ein Kind zu bekommen. Doch wie das Leben so spielt, sollte viel Zeit vergehen.
Vor 10 Jahren habe ich meinen jetzigen Mann kennengelernt.
Für uns war schnell klar: Er soll der Vater meines zweiten Kindes werden. Doch auch das hat noch einige Jahre gedauert.
Am 25.02.2025 durfte ich dann endlich einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen halten.
Wir waren überglücklich. Ich habe sofort beim Frauenarzt angerufen und bekam zwei Tage später einen Termin. Alles sah gut aus.
Beim nächsten Termin wurde mir ein NIP-Test angeboten.
Völlig naiv stimmten wir zu. Es war für uns völlig abwegig, dass dieser Test positiv sein könnte. Eine Woche später, am 16.04., sollten wir das Ergebnis bekommen.
Was ist ein NIPT
Der NIPT (Nicht-invasiver Pränataltest) ist ein Bluttest in der Schwangerschaft. Er kann Hinweise auf Chromosomenabweichungen wie Trisomie 21 geben – ohne Eingriff ins Fruchtwasser. Es handelt sich um einen Screening-Test, keine sichere Diagnose.
Wir gingen ganz entspannt zum Frauenarzt. Doch diesmal ging es zuerst ins Besprechungszimmer und nicht zur Untersuchung.
Ich wusste sofort: Hier stimmt etwas nicht.
Der Test war positiv: Verdacht auf Trisomie 21.
Der Arzt erklärte uns das weitere Vorgehen und sprach auch von einem möglichen Schwangerschaftsabbruch. Ich schüttelte nur den Kopf. Wir bekamen einen Termin in einer Pränatalklinik, um den Verdacht abklären zu lassen.
Auf dem Nachhauseweg hatte ich so viele Gedanken. Hinzu kam die Sorge, ob mein Mann und ich zu den gleichen Schlüssen kommen würden, wie wir mit der Situation umgehen wollen.
Zum Glück waren wir uns schnell einig: Wir würden dieses Kind bekommen.
Der erste Termin in der Klinik gab uns große Hoffnung.
Alles war zeitgerecht entwickelt, es gab keine Organschäden. Wir entschieden uns gegen invasive Maßnahmen. Die Angst vor möglichen Komplikationen war zu groß. Also folgten sieben Monate Hoffen – dass der NIPT vielleicht falsch lag.
In dieser Zeit erzählten wir auch unserer großen Tochter von dem Verdacht. Ihre Worte werde ich nie vergessen:
„Mama, das ist mein Bruder und ich werde ihn immer lieben.“
Diese Worte gehen direkt ins Herz und verursachen bei mir noch heute Gänsehaut.
Während der Schwangerschaft habe ich mich informiert, wir haben Infomaterial und Anlaufstellen aus der Klinik bekommen.
Unser Fokus lag immer auf der zeitgerechten Entwicklung – das hat uns sehr beruhigt.
Wir sind von Anfang an sehr offen mit dem Verdacht auf Trisomie umgegangen. Auch Familie, Freunde und unser Umfeld hatten keine Berührungsängste mit diesem Thema. Für alle war klar: Dieser kleine Mensch wird geliebt.
Viele haben uns bestärkt und uns Mut gemacht. Uns wurde gezeigt, dass es heute viele Fördermöglichkeiten gibt.
Tatsächlich haben wir kein einziges negatives Wort erlebt.
Alle 14 Tage hatte ich einen Ultraschall, abwechselnd bei meiner Frauenärztin und in der Klinik. Unser Kind entwickelte sich weiterhin super.
Eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin bekam ich erhebliche Blutdruckprobleme. Ich musste ins Krankenhaus und dort bleiben. Das Fruchtwasser war nicht mehr ausreichend.
Die Geburt wurde eingeleitet.
Ängste kamen auf. Eine Einleitung hatte ich schon einmal erlebt – vor 16 Jahren bei meiner großen Tochter. Damals dauerte es drei Wochen ohne eine einzige Wehe.
Diesmal war es anders. Am Montag begann die Einleitung, am Dienstag ab 18 Uhr bekam ich Wehen. Um Mitternacht ging es in den Kreißsaal.
Leider war das Legen der PDA eine Tortur.
Drei Anästhesisten standen hinter mir, während ich regelmäßig Wehen hatte. Nach einer gefühlten Ewigkeit lag die PDA und der Muttermund war offen. Es hätte alles gut sein können.
Dann fielen die Herztöne ab. Der diensthabende Arzt wurde gerufen, es bliebt nur der Notkaiserschnitt. Ich hatte so große Angst um unser Kind. Es ging alles ganz schnell, und ich lag in Vollnarkose.
Um 2:52 Uhr wurde unser Sohn geboren – gesund, aber mit eindeutigen Merkmalen der Trisomie 21.
Das Schlimmste für mich: Ich konnte seinen ersten Schrei nicht hören. Das geht mir auch fast sechs Monate später noch sehr nah. Da fehlt einfach etwas.
Der Gentest nach der Geburt bestätigte die Trisomie 21. Für uns ist das völlig in Ordnung. Wir sind einfach nur dankbar, dass unser Wunder da ist.
Wahrscheinlich denken sich manche: Wie kann man das Kind nur bekommen, wenn man doch weiß, dass es eine Behinderung haben wird?
Aber für meinen Mann und mich war schnell klar: Welches Recht haben wir zu entscheiden, ob ein Leben lebenswert ist oder nicht?
Ich würde mich niemals anders entscheiden und bin so dankbar für unseren kleinen Sonnenschein.
Bisher habe ich auch nirgendwo Ablehnung erfahren.
Ich hoffe sehr, dass das so bleibt – auch wenn das vielleicht ein unerfüllbarer Wunsch ist.
Unser kleiner Schatz entwickelt sich super. Wir haben das große Glück, dass er keine Organfehlbildungen hat und wir sofort Therapieplätze bekommen haben. Aktuell ist er zeitgerecht entwickelt.
Mein Rat an andere Eltern mit einem positiven NIPT:
Nehmt euch Zeit. Lasst euch umfassend aufklären. Leider gibt es Ärzte, die sehr negativ beraten und eher Angst machen. Sucht den Austausch mit Betroffenen. So könnt ihr sehen, wie wunderbar sich Kinder entwickeln können.
Und trefft dann eure eigene Entscheidung.”
Vielen Dank, liebe Ivonne, dass wir eure Geschichte erzählen durften!
Hast du den NIP-Test in deiner Schwangerschaft gemacht? Wie wärst du mit einem positiven Befund umgegangen? Tausche dich gerne in den Kommentaren dazu aus!
Der Artikel macht deutlich, wie viel Mut und Verantwortung in diesem „Ja“ stecken und wie wichtig es ist sich nicht von Ärzten oder anderen beinflussen zu lassen, sondern sich Zeit zu nehmen, Gedanken darüber zu machen und sich selber zu entscheiden! Alles Gute für euch und euren kleinen Sonnenschein! 🥰
Der Artikel macht deutlich, wie viel Mut und Verantwortung in diesem „Ja“ stecken und wie wichtig es ist sich nicht von Ärzten oder anderen beinflussen zu lassen, sondern sich Zeit zu nehmen, Gedanken darüber zu machen und sich selber zu entscheiden! Alles Gute für euch und euren kleinen Sonnenschein! 🥰
Sehr stark und berührend. Alles Gute für Euch!
„Ich würde mich niemals anders entscheiden und bin so dankbar für unseren kleinen Sonnenschein.“ – was für ein wunderschöner Satz einfach ❤️ So toll, dass Ivonne ihre Geschichte geteilt hat, ein echter Mutmacher ❤️ Auch wenn ich es immer wieder traurig finde, wie viele Mamas schreiben, dass Ärzte Angst machen, statt wirklich zu beraten. Umso schöner, dass die beiden von Anfang an so viel Rückhalt aus ihrem Umfeld hatten 😍